Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/galaxy-note-7-im-hands-on-samsung-bringt-den-stift-zurueck-1608-122457.html    Veröffentlicht: 02.08.2016 17:00    Kurz-URL: https://glm.io/122457

Galaxy Note 7 im Hands on

Ein Stift alleine reicht nicht unbedingt

Mit dem Galaxy Note 7 bringt Samsung sein großes Smartphone-Modell mit Stift wieder zurück nach Deutschland. Es bringt neue Stiftfunktionen und eine Entsperrung per Iris-Scanner - bei der restlichen Hardware konnte uns das neue Note im ersten Kurztest aber nicht mit Neuigkeiten überraschen.

Als Samsung im August 2015 das Galaxy Note 5 präsentierte, waren sowohl Journalisten als auch Note-Fans verwundert: Das Smartphone wurde offiziell nicht in Europa angeboten. Kunden hätten hier kein Interesse an dem großen Gerät mit Stiftbedienung, hieß es damals von Samsung. Ein Jahr später lobt der südkoreanische Hersteller den Stift als das kaufentscheidende und herausragende Merkmal der Note-Serie - und bringt den Note-5-Nachfolger Galaxy Note 7 wieder nach Europa und Deutschland.

Die Sechs überspringt der Hersteller bei der Typenbezeichnung, wohl, um die Reihe auf das gleiche Level wie die Galaxy-Modelle zu bringen. Auch die Hardware des Galaxy Note 7 gleicht in vielen Punkten der der Galaxy-S7-Modelle, wie sich im ersten Kurztest zeigt. Die neuen Funktionen konnten uns hingegen nicht alle überzeugen.

Äußerlich sieht das Galaxy Note 7 aus wie eine Mischung aus einem etwas eckigeren Galaxy S6 Edge+ und einem Galaxy S7 Edge. Es hat wie die aktuellen Edge-Modelle zwei abgerundete Displayränder links und rechts, über die der Nutzer dank Edge UX Kontakte, Apps und andere Informationsleisten aufrufen kann. Auch beim Galaxy Note 7 überzeugt uns diese Seitenbedienung nicht, wir halten sie im Alltag für nicht besonders notwendig.

Ränder auf Vorder- und Rückseite abgerundet

Beim Galaxy Note 7 hat Samsung ein symmetrisches Gehäusedesign verwirklicht. Von der Seite betrachtet verläuft der schmale Metallrahmen des Smartphones genau in der Mitte zwischen dem gebogenen Display und dem genauso gebogenen rückseitigen Deckglas. Das sieht gut aus; das an den Rändern gebogene Rückglas sorgt zudem dafür, dass das Smartphone gut in der Hand liegt.

Als Display kommt ein 5,7 Zoll großer Oled-Bildschirm zum Einsatz, der mit 2.560 x 1.440 Pixeln auflöst - exakt die gleichen Spezifikationen wie beim Display des Galaxy S6 Edge+. Entsprechend gut hat uns der Bildschirm auch gefallen. Samsung hat betont, dass das Note 7 das erste Smartphone sei, das Mobile HDR Streaming Ready beherrscht. Inwieweit das im Alltag nützlich ist, konnten wir bei unserem kurzen Test noch nicht überprüfen.

Digitizer mit neuen Funktionen

Hauptmerkmal des Galaxy Note 7 ist, wie auch bei den Vorgängern, der im Gehäuse untergebrachte Eingabestift. Dessen Empfindlichkeit hat Samsung auf 4.096 Druckstufen erhöht, was zu einer sehr genauen Ansprache beim Zeichnen, Malen und Schreiben führt - auch bei feuchtem Display. Der Digitizer ist nämlich wie das komplette Note 7 nach IP68 vor Wasser und Staub geschützt. Der Stift lässt sich dank eines Federmechanismus leicht aus dem Gehäuse entnehmen.

Ziehen wir den Stift heraus, öffnet sich das überarbeitete Air-Command-Menü mit zahlreichen Tools für die Stiftbedienung. Neben den üblichen Notiz-Apps, die jetzt alle in einer einzigen Anwendung zusammengefasst wurden, gibt es einige neue Funktionen: Wörter in Texten oder auch Internetseiten lassen sich beispielsweise übersetzen, indem der Digitizer drübergehalten wird. Die Übersetzung liefert Googles Translator.

Videos einfach als Gifs verschicken

Neu ist auch die einfache Gif-Erstellung über Air Command: Videos, etwa bei Youtube, werden einfach ausgewählt und können bis zu 15 Sekunden lang als animiertes Gif mitgeschnitten werden. Dieses lässt sich dann einfach teilen. Eine praktische Stiftfunktion wurde vom Galaxy Note 5 übernommen: Mit dem Screen-Off-Memo können Nutzer im Standby-Betrieb Notizen machen, indem sie einfach den Stift entfernen und auf dem Display drauflos schreiben. Die Notiz wird bei erneutem Aufwecken des Smartphones angezeigt und kann gespeichert werden.

Insgesamt bietet der Eingabestift mit seinen vielfältigen Funktionen auch beim Galaxy Note 7 einen Mehrwert - sofern der Nutzer ihn denn benötigt, womit Samsung rechnet. Samsung zufolge waren die Nutzerreaktionen nach der geplatzten Veröffentlichung des Vorgängers Galaxy Note 5 eindeutig: Die Fanbase war sauer, dass Europa bei der Veröffentlichung übergangen wurde - insbesondere in Deutschland soll die Note-Fangemeinde in diesem Punkt deutlich gewesen sein.

Entsperren per Iris-Scanner

Eine der wenigen kompletten Neuerungen des Galaxy Note 7 auf Hardwareseite ist der Iris-Scanner: Nutzer des Smartphones können dieses nicht nur mit ihrem Fingerabdruck entsperren, sondern auch über das Muster ihrer Iris. Dafür sind ein Emitter und eine Kamera auf der Vorderseite eingebaut, die das Iris-Bild erfasst. In der Theorie hält der Nutzer sein Smartphone einfach in normalem Abstand vor das Gesicht, woraufhin es sich anhand des Iris-Musters entsperrt.

Die Iris-Entsperrung ist nicht praktisch

In der Praxis verlief die Entsperrung per Augenscan bei unseren Versuchen weniger glatt: Wir haben häufig die korrekte Entfernung nicht auf Anhieb getroffen, weshalb das Smartphone sich nicht sofort entsperrte - die Toleranz bei der Entfernung scheint nicht besonders hoch zu sein. Zwar gibt es Hinweise darauf, dass wir das Smartphone näher oder weiter vor dem Gesicht halten sollen. Während wir mit dem Note 7 die richtige Entfernung suchten, brach der Iris-Scan allerdings meistens schon ab. Dann lässt sich das Smartphone über die PIN entsperren.

Im Alltag ist uns das zu umständlich; die Erkennungswahrscheinlichkeit sinkt zudem bei bestimmten Lichtverhältnissen, etwa wenn es sehr hell ist. Als Brillenträger hatte der Autor dieses Textes bei keinem Versuch Erfolg mit der Iris-Entsperrung, einem Kollegen ging es ebenso - wir mussten beide unsere Brillen immer abnehmen, damit der Scanner halbwegs funktionierte. Das ist in der Praxis natürlich keine Option.

Entsperren per Fingerabdruck geht schneller

Die alternative Entsperrmöglichkeit des Note 7 per Fingerabdruck ist wesentlich praktischer als der Iris-Scanner: Ziehen wir das Gerät aus der Tasche, liegt unser Daumen meist ohnehin auf dem Homebutton. Ein Druck, und das Gerät ist entsperrt - das geht wesentlich schneller als mit dem Iris-Scanner, auch wenn eine PIN oder ein Passwort sicherer sind. Für uns bleibt der Iris-Scanner eine Spielerei, in der wir beim aktuellen Stand der Technik keinen Alltagsnutzen sehen.

Der Iris-Scanner lässt sich auch beim neuen Secure-Folder verwenden, einem separaten Bereich des Smartphones, der als Ordner dargestellt wird und explizit entsperrt werden muss. Hier lassen sich Daten ablegen, die der Nutzer explizit verschlüsseln will; der Secure Folder ist mit Samsungs Knox verknüpft. In dem Bereich sollen sich auch Apps mit separaten Nutzerkonten verwenden lassen, was wir in unserem ersten Test aber nicht ausprobieren konnten.

Hochwertige, aber bekannte Hardware

Die restliche Hardware des Galaxy Note 7 ist hochwertig, aber wenig überraschend. Im Inneren arbeitet Samsungs Exynos 8890, das gleiche SoC, das auch in den Galaxy-S7-Modellen zum Einsatz kommt. Vier der acht Kerne haben eine Taktrate von 1,6 GHz, die anderen vier sind auf 2,3 GHz getaktet. Entsprechend flott lässt sich das Smartphone bedienen.

Der Arbeitsspeicher ist mit 4 GByte ebenso groß wie der des Galaxy S7, der eingebaute Flash-Speicher hat eine Größe von 64 GByte. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten bis zu einer Größe von 256 GByte ist eingebaut. Das Smartphone unterstützt Cat9-LTE und WLAN nach 802.11ac. Bluetooth läuft in der Version 4.2 LE, ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut. Anders als die Galaxy-S7-Smartphones wird das Galaxy Note 7 über einen USB-Typ-C-Stecker geladen - das Smartphone beherrscht USB 3.1 für den Datenaustausch.

Gute 12-Megapixel-Kamera des Galaxy S7

Als Kamera hat Samsung ebenfalls das Modell der Galaxy-S7-Geräte verbaut: Die 12-Megapixel-Kamera hat die gleichen größeren Pixel, die für eine bessere Ausleuchtung bei schlechtem Licht sorgen sollen wie bei den im Frühjahr 2016 vorgestellten Smartphones. Dank Dual-Pixeln soll auch beim Galaxy Note 7 die Fokussierung sehr schnell erfolgen. In unserem Kurztest konnten wir die Qualität der Kamera nicht richtig bewerten, dies folgt in einem ausführlicheren Test.

Der Akku hat eine Nennladung von 3.500 mAh. Ausgeliefert wird das Smartphone mit Android in der Version 6.0.1, die Benutzeroberfläche hat Samsung etwas modifiziert. Insgesamt ist sie weiter etwas unauffälliger geworden, ein Prozess, den Samsung bereits seit Jahren verfolgt. Die Bedienung ist genauso wie bei den aktuellen Galaxy-S7-Smartphones.

Zum Galaxy Note 7 hat Samsung auch eine neue Version der VR-Halterung Gear 360 präsentiert. Diese ist jetzt in dunklen Farben gehalten, hat ein größeres Sichtfeld und eine bessere Polsterung. Dank eines Adapters können sowohl das neue Note 7 als auch die Galaxy-S7- und Galaxy-S6-Geräte damit verwendet werden.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Galaxy Note 7 kann ab dem 16. August 2016 für einen Preis von 850 Euro in Samsungs Onlinestore vorbestellt werden, der Marktstart erfolgt am 2. September 2016. Vorbesteller erhalten das Smartphone drei Tage vorher und bekommen eine neue Gear VR kostenlos dazu.

Als Samsung das erste Galaxy Note auf den Markt brachte, war es das einzige ernstzunehmende Smartphone mit großem Display. Dazu bekamen Nutzer noch den Stift - viele dürften aber vielleicht doch eher am Riesenbildschirm interessiert gewesen sein. Mittlerweile gibt es große Smartphones zuhauf, von Samsung beispielsweise das von der Hardware mehr oder weniger identische und nur minimal kleinere Galaxy S7 Edge. Als entscheidendes Merkmal bleibt dem Galaxy Note 7 demnach nur noch der Stift.

Wir finden den Digitizer sehr praktisch - das Galaxy Note 7 bleibt das beste Smartphone mit Stiftbedienung. Wer ihn jedoch nicht braucht, dem fehlt unserer Meinung nach der triftige Grund, sich unbedingt für das neue Note zu entscheiden. Die weitere neue Funktion, die das Smartphone von Konkurrenten abhebt, der Iris-Scanner, ist für uns kein entscheidendes Kaufmerkmal: Zu umständlich und vor allem zu unzuverlässig finden wir das Entsperren des Gerätes mit den Augen.

Im Handel gibt es mittlerweile andere gute, große Smartphones, zudem dürften auf der bevorstehenden Ifa 2016 weitere dazukommen. Auch durch die Konkurrenz von Samsung selbst könnte die Note-Serie ohne echte Innovationen in den Nischenmarkt abdriften - zumindest, wenn Samsung weiterhin die Hardware der sechs Monate zuvor präsentierten Smartphones wiederverwertet.  (tk)


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