Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/edward-snowden-spezialhuelle-fuers-iphone-warnt-vor-ungewollter-funkaktivitaet-1607-122275.html    Veröffentlicht: 22.07.2016 08:28    Kurz-URL: https://glm.io/122275

Edward Snowden

Spezialhülle fürs iPhone warnt vor ungewollter Funkaktivität

Ganz verhindern lässt sich ungewolltes Abhören nicht, aber zumindest Kenntnis darüber erlangen. Edward Snowden will eine Spezialhülle für das iPhone entwickeln, mit der sich jeder Datenverkehr des Smartphones kontrollieren lässt. Dazu muss das Gerät allerdings geöffnet werden.

Als Edward Snowden einem Hotel in Hongkong seine ersten Enthüllungen preisgab, bat er alle Anwesenden, ihre Smartphones in die Minibar zu legen. Denn die Abschirmung im Kühlschrank soll verhindern, dass Smartphones Daten nach außen funken oder als Wanzen missbraucht werden können. Inzwischen hat er eine Gerätehülle entwickelt, die den Besitzer vor Spionage schützen soll.

Zusammen mit dem Hacker Andrew Huang alias Bunnie hat Snwoden ein Konzept für die Antispionage-Hülle am Massachusetts Institute of Technology vorgestellt. Die für das iPhone 6 gedachte Erweiterung soll in der Form an einen Akkupack erinnern und ein Monochrom-Display haben, auf dem Statusberichte des iPhones erscheinen.

Spezialhülle zeigt alle Funkaktivitäten

Auf dem Statusdisplay sollen Nutzer sehen können, ob tatsächlich keinerlei Funk- und Ortungseinheiten Daten versenden. Denn auch wenn sich ein Smartphone im Flugmodus befindet und eigentlich alle Funkverbindungen abgeschaltet sind, soll es möglich sein, dass ein Smartphone Informationen sendet oder als Abhörvorrichtung missbraucht wird, indem das Mikrofon für eine Aufnahme verwendet wird. Das alles geschieht, ohne dass der Gerätebesitzer das bemerkt.



Alle Kommunikationswege beobachten

Damit die Hülle ihre Antispionage-Funktion erfüllen kann, müssen alle Funkeinheiten des iPhones angezapft werden. Dazu müssen Kabel in das Smartphone geführt werden. Der SIM-Karten-Steckplatzwird dann nicht länger verwendet, die SIM-Karte wird stattdessen in die Hülle eingesetzt. Diese soll anzeigen, wenn über Mobilfunk, WLAN oder Bluetooth Daten gesendet werden und wenn der GPS-Empfänger zur Ortung missbraucht wird.

Die Antispionagehülle ist vor allem für Journalisten gedacht, damit diese sichergehen können, dass sie in kritischen Situationen nicht abgehört werden und das Smartphone nicht heimlich Daten überträgt. Im Gespräch mit The Wired erklärte Huang, dass Regierungen etwa in Syrien oder im Irak in der Lage seien, sich unbefugt Zugriff auf die Smartphones von Journalisten zu verschaffen.

Finanzierung gesucht

Snowden und Huang suchen nach Möglichkeiten, das Projekt zu finanzieren. Wann das erste Produkt auf den Markt kommen wird, ist noch unklar. Es hängt auch davon ab, wie schnell die Hülle finanziert werden kann. Die Ergebnisse wollen Snowden und Huang nach dem Open-Source-Prinzip veröffentlichen.Vorerst ist sie nur für das iPhone 6 geplant. Die Technik dürfte an sich aber auch auf andere Smartphones übertragen werden können.

Edward Snowden hält sich seit Juni 2013 in Moskau auf. Im August 2014 hatte der Whistleblower eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis erhalten. Zuvor war das vorübergehende Asyl abgelaufen. Er hatte viele bis dato unbekannte Details zu den Möglichkeiten und Fähigkeiten des US-Geheimdienstes NSA (National Security Agency) enthüllt, Personen ohne ihr Wissen zu überwachen.  (ip)


Verwandte Artikel:
Generalbundesanwalt: Kein Ermittlungsverfahren wegen Massenüberwachung der NSA   
(05.10.2017, https://glm.io/130463 )
Open-Source-Hardware: Chumby-Mitbegründer entwickelt offene Laptop-Platine   
(18.12.2012, https://glm.io/96436 )
iPhone X: Zwei Argumente halten Apple-Kunden vom Kauf ab   
(07.03.2018, https://glm.io/133202 )
Modulare Smartphones: Lenovo kann Moto-Mods-Versprechen nicht halten   
(11.03.2018, https://glm.io/133266 )
Librem 5: Purism-Smartphone bekommt Smartcard für Verschlüsselung   
(09.03.2018, https://glm.io/133248 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/