Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/antrag-drei-jahre-mindesthaltbarkeit-fuer-smartphones-und-it-1607-122269.html    Veröffentlicht: 21.07.2016 17:48    Kurz-URL: https://glm.io/122269

Antrag

Drei Jahre Mindesthaltbarkeit für Smartphones und IT

Verbraucherexperten von der Linken, der SPD und den Grünen wollen Mindestnutzungszeiten für Elektronik. Drei Jahre sollen Geräte mindestens funktionieren. Auch das Umweltbundesamt hatte eine Forderung zu Elektronikschrott und geplanter Obsoleszenz eingereicht.

Verbraucherpolitiker des Deutschen Bundestages setzen sich für Mindestnutzungszeiten für Elektronik und Elektrogeräte ein. Der Saarbrücker Zeitung liegt ein Antrag der Linksfraktion dazu an das Parlament vor. Da technische Geräte mitunter absichtlich störanfällig konstruiert würden, "sind Mindestnutzungszeiten wichtig", sagte der Experte der Linken, Ralph Lenkert, der Zeitung.

Drei Jahre sollen Unterhaltungselektronik, IT-Geräte, Handys und Küchenmaschinen mindestens funktionieren. Grund sei, dass die Lebensdauer von Elektrogeräten und Elektronik immer kürzer werde. Laut Antrag sollen für Kühlgeräte und Waschmaschinen sowie für Pkw mit Ausnahme von Verschleißteilen fünf Jahre gelten.

Die Verbraucherexpertin der SPD, Elvira Drobinski-Weiß, betonte, eine "Mindestnutzungszeit" könne ein Weg sein. "Das ist in Ordnung. Produkte müssen möglichst lange halten." Klar sei allerdings, dass es oft am Preis eines Elektrogerätes liege, "ob man es länger nutzen kann oder nicht".

Es sei notwendig, so die Expertin der Grünen, Nicole Maisch, endlich "die Produktverantwortung der Hersteller auszubauen". Maisch forderte zudem ein Pfandsystem für Handys.

Elektrogeräte sollten eine Kennzeichnung über die zu erwartende Funktionsdauer tragen. "Man sieht dem Produkt nicht an, für welche Lebensdauer es konzipiert wurde. Im Sinne der Verbraucher und der Umwelt wäre eine Kennzeichnung, die beispielsweise die voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts in Nutzungsstunden angibt", erklärte die Präsidentin des Umweltbundesamtes Maria Krautzberger im Februar 2016.

Eingebaute Sollbruchstellen

Holger Krumme, Technikchef beim Bensheimer Testhaus HTV, hatte im Juni 2013 konkrete Beispiele für geplante Obsoleszenz in der Elektronik genannt. HTV vergibt für langlebige Modelle ein Gütesiegel.

"Wir haben eine Vielzahl von Beispielen für Produkte, die unserer Meinung nach eingebaute Sollbruchstellen enthalten: Besonders auffällig ist zum Beispiel die Verwendung besonders hitzeempfindlicher Bauteile in direkter Nähe zu Hitzequellen. Bei einer Vielzahl der unterschiedlichsten Bildschirme oder LCD-Fernseher befinden sich Elektrolytkondensatoren unmittelbar neben Leistungsbauteilen, die über 100° C warm werden", sagte Krumme. Die Betriebsdauer der Kondensatoren betrage dann nur noch wenige Tausend Stunden. "Nach zwei bis drei Jahren fallen diese aus, mit dem Resultat, dass der gesamte Bildschirm aufgrund zu hoher Reparaturkosten auf den Müll wandert."

Die starke Alterung von Kondensatoren bei hoher Temperatur wird seiner Ansicht nach auch gezielt bei Computerplatinen renommierter Hersteller angewandt, bei denen sich diese Bauteile genau im Heißluftstrom der Prozessorkühlung befinden.  (asa)


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