Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/masterplan-teil-2-selbstfahrende-teslas-werden-zu-leihautos-1607-122248.html    Veröffentlicht: 21.07.2016 11:03    Kurz-URL: https://glm.io/122248

Masterplan Teil 2

Selbstfahrende Teslas werden zu Leihautos

Elon Musk entwirft im zweiten Teil seines Masterplans eine kühne Vision für nachhaltige Energiegewinnung und Nutzung. Zudem will Tesla auch Pickup Trucks, Lkws und Busse bauen. Besitzer sollen ihre autonomen Autos gegen Geld verleihen können.

Zehn Jahre nach dem ersten geheimen Masterplan legt Elon Musk mit Teil zwei nach. Wer einen selbstfahrenden Tesla besitzt, soll ihn künftig verleihen und so Einnahmen erzielen können. Nach dem Model 3 plant der Elektroautohersteller einen Pickup Truck für seine Modellpalette. Aber auch Pläne für elektrisch angetriebene Lastwagen sowie Busse liegen auf Musks Schreibtisch.

Dem Plan zufolge werden künftig alle Tesla-Fahrzeuge in der Lage sein, autonom zu fahren. Redundante Systeme sollen bei einem Ausfall eines Sensors - Kamera, Radar, Ultraschall - immer noch in der Lage sein, den Wagen sicher zu steuern. Bis dahin wird es jedoch noch dauern - wie lange genau, wird nicht erläutert. Die größten Hürden würden gesetzliche sein, schreibt Musk. Er rechnet mit rund zehn Milliarden autonom gefahrenen Kilometern, bevor die Gesetzgeber der diversen Länder eine Regelung treffen.

Musk verteidigt den Autopiloten

Aktuell sammelt Tesla täglich Daten von über fünf Millionen Kilometern, die per Autopilot gefahren wurden. Musk geht zwar nicht auf den Autounfall von Anfang Mai ein, bei dem der Fahrer mit aktiviertem Autopiloten unter einen Lkw geriet und starb. Doch wehrt er sich gegen die Forderung, den Autopiloten in den Elektroautos abzustellen: "Es würde genauso wenig Sinn ergeben, wie den Autopiloten in Flugzeugen abzustellen, nach dem wir unser System benannt haben."

Aktuell liegt die Statistik in den USA bei einem Verkehrstoten pro 89 Millionen gefahrenen Meilen. Teslas Autopilot werde diese Meilenzahl mehr als verdoppeln, prophezeit Musk. Auch auf den Zusatz Beta beim Autopiloten geht er in seinem Masterplan ein. Das Wort sei keinesfalls so zu verstehen wie bei Softwareversionen. "Jede Funktion durchläuft bei uns ausgedehnte Tests, bevor sie für Kunden freigeschaltet wird", schreibt Musk. Man habe den Begriff Beta gewählt, um die interne Selbstzufriedenheit klein zu halten und damit deutlich zu machen, dass weitere Verbesserungen anstehen. Sobald der Punkt erreicht sei, dass der Autopilot ungefähr zehnmal so sicher sei wie der Durchschnitt aller Fahrzeuge in den USA, werde das Beta-Label entfernt.

Verleih Deinen Tesla

Da Autos nur fünf bis zehn Prozent der Zeit von ihren Besitzern gefahren werden, ergibt es Sinn, die Ressource zu teilen. Während der Besitzer im Büro, auf dem Sofa oder im Urlaub ist, kann er sein Fahrzeug anderen zur Verfügung stellen. Das plant auch Tesla: Mit der autonomen Selbstfahrfunktion sollen Mieter das Elektroauto per App zu ihrem Aufenthaltsort rufen. Der Besitzer soll für diese Fahrten Geld erhalten.

Laut Musk könnten die Einnahmen einen Großteil der Kauf- oder Leasing-Summe decken oder sogar übersteigen. "Das senkt die Anschaffungskosten dramatisch, bis zu dem Punkt, an dem sich fast jeder einen Tesla leisten kann." In Städten mit besonders hoher Leih-Nachfrage will Tesla eine eigene Flotte mit Autos betreiben, so dass der Bedarf gedeckt wird.

Eine Jahreszahl, wann alle Punkte des Masterplans Realität werden sollen, nennt Musk nicht.

Tesla Motors heißt jetzt Tesla

Für seinen Masterplan hat der gebürtige Südafrikaner Elon Musk rund zehn Jahre benötigt. In dieser Zeit hat sich die Autobranche in den USA verändert. "Stand heute, beträgt die Zahl amerikanischer Autofirmen, die nicht pleitegegangen sind zwei: Ford und Tesla", schreibt Musk süffisant. "Einen Autohersteller zu gründen, ist idiotisch, und einen Elektroautohersteller zu gründen, gleich idiotisch hoch zwei."

Chrysler und General Motors waren in Folge der Finanzkrise von 2008 in Schwierigkeiten geraten und benötigten staatliche Hilfe oder mussten Anteile verkaufen. Nach dieser Krise gaben General Motors und Toyota ihre gemeinsame Fertigung im kalifornischen Freemont auf. Musk erwarb die Fabrik und stellt dort seit 2010 Elektroautos her.

Die Fabrik betrachtet Musk in seinem Masterplan ebenfalls als Produkt. Dabei spricht er zum wiederholten Mal von der "Maschine, die die Maschine baut". Damit dürfte eine Fertigung gemeint sein, in der lernende Roboter die Autoteile zusammensetzen. In Software-Versionen gesprochen, sei die anlaufende Model-3-Fertigung Version 0.5. Mit Version 1.0 sei wahrscheinlich 2018 zu rechnen.

Nachhaltigkeit ist "kein Hippie-Ding"

Musks übergeordnete Vision lautet Nachhaltigkeit - sowohl beim Transport als auch beim Energieverbrauch. "Nachhaltigkeit geht jeden an, es ist nicht so ein verrücktes Hippie-Ding", schreibt Musk, "Wenn die fossilen Energieträger aufgebraucht sind, wird unsere Zivilisation zusammenbrechen." Dass der Solaranlagenhersteller Solar City und Tesla als getrennte Unternehmen gestartet sind, nennt er einen "Unfall der Geschichte". Energiegewinnung und Speicherung gehörten untrennbar zusammen. Daher sollten die Unternehmen nun zusammengeführt werden.

Solar City liefert die Solarmodule für Dachanlagen, und von Tesla Energy kommen Batterien für die Speicherung. Die Powerwalls für Privathäuser und Powerpacks für Gewerbebetriebe entstehen in der Gigafactory in der Wüste von Nevada. Die Anlage wird am 29. Juli 2016 mit einer Feier offiziell eröffnet.

Nach der geplanten Fusion beider Unternehmen soll der Kunde alles aus einer Hand bekommen: Energiegewinnung, Speicherung und Verbrauch in Form von Elektrofahrzeugen. Bislang werden Stromüberschüsse bei Solaranlage häufig an das öffentliche Stromnetz abgegeben. Das gilt insbesondere für Länder wie Deutschland, da staatliche Regularien die Abnahmepreise über Jahre festlegen. Doch mit sinkenden Einspeisevergütungen wird es für Besitzer von Solaranlagen immer attraktiver, die Energie selber zu nutzen. Mithilfe der Batterien kann man Strom aus Solarzellen für die Nacht oder die Rückkehr des Elektroautos speichern.

Motors fällt weg

Um das Produktportfolio entsprechend erweitern zu können, hat Tesla das Wort Motors aus dem Firmennamen gestrichen. Wer die Webseite aufruft, wird automatisch von Teslamotors.com zu Tesla.com umgeleitet.

Doch die geplante, 2,8 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Solar City wird auch kritisch gesehen. Zum einen, weil Solar City von Musks Cousins Lyndon und Peter Rive geleite wird. Er selbst profitiert, da er mit 22 Prozent größter Anteilseigner ist. Zum anderen, weil es wie eine Rettungsaktion aussieht: Solar Citys Schulden sind deutlich schneller gewachsen als der Umsatz. In den vergangenen drei Jahren verdreizehnfachten sich die Schulden auf 3,25 Milliarden Dollar.

In einem Interview mit dem Wall Street Journal gibt sich Musk jedoch zuversichtlich. Er rechne damit, dass die überwältigende Mehrheit der Tesla-Aktionäre für die Übernahme stimmen werde. Im Board von Solar City, vergleichbar mit dem Aufsichtsrat, werden sich Musk, seine Cousins und weitere Mitglieder wegen Befangenheit bei der Abstimmung enthalten. Aktuell sind nur noch zwei Mitglieder übrig, die keine direkte Verbindung zu Tesla haben.

Teil 2 des Masterplans soll sicherlich auch die Gegner der Übernahme umstimmen. Somit ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung bewusst gewählt, auch wenn Musk das Datum wegen eines SpaceX-Raketenstarts in Florida um einige Tage verschoben hat. Musks Visionen klingen verlockend, doch basieren sie auch darauf, dass er alles aus einer Hand anbieten kann. Die Übernahme darf also nicht scheitern.  (dku)


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