Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/necropolis-im-kurztest-wo-zum-teufel-geht-es-weiter-1607-122198.html    Veröffentlicht: 19.07.2016 14:20    Kurz-URL: https://glm.io/122198

Necropolis im Kurztest

Wo zum Teufel geht es weiter?

Necropolis wird seit seiner Ankündigung stets in einem Atemzug mit Dark Souls genannt. Kein Wunder - das Spiel kopiert viele Eigenschaften des großen Vorbilds. Ist das Indiegame aber die geforderten knapp 30 Euro wert?

Necropolis nutzt eins zu eins die Steuerung von Dark Souls. Das Actionrollenspiel von Harebrained Schemes ist aber nicht handlungsgetrieben wie das Vorbild, sondern ein klassischer Dungeon-Crawler wie Diablo. Das heißt, bis zu vier Spieler erkunden prozedural generierte Verließe, vermöbeln Monster und sammeln immer bessere Gegenstände - solange, bis sie sterben.

Man ist, was man findet

Die Charakterwahl fällt in Necropolis nahezu flach. Jeder Spieler wählt einen ähnlich aussehenden Protagonisten in eher leichterer Rüstung. Die Individualisierung findet einzig über Waffen, Schilde und Rüstungen statt. Alle Gegenstände sind in Ränge unterteilt. Ein Schwert von Rang 2 macht natürlich mehr Schaden als eins von Rang 0 - also sollte man die Waffe besser wechseln. Im Test haben wir Äxte, Breitschwerter, Dolche und Speere gefunden, die sich allesamt zusätzlich in ihren Bewegungsabläufen bei Combo-Angriffen unterscheiden.

Am meisten Spaß hatten wir bei Necropolis, sobald wir mit bis zu drei Freunden gemeinsam unterwegs waren. Aber Vorsicht, anders als in Dark Souls ist hier Friendly Fire aktiv. Der ausgeteilte Schaden trifft auch die Kumpanen. Wir können also nicht stumpf auf alles schlagen, was uns in den Weg kommt. Das bringt Komplexität in die Kämpfe, da sich jeder Mitspieler seine eigene kleine Arena suchen muss und Gegner anlockt. Leider gibt es so gut wie keine Heilerklassen oder andere Möglichkeiten zur Unterstützung.

Sterben auf Raten

Wer im Koop-Modus stirbt, kann von Freunden wiederbelebt werden und verliert seine Gegenstände. Wer im Solomodus stirbt, muss direkt von vorne beginnen. Durch das Erfüllen von (äußerst simplen und langweiligen) Quests verdienen Spieler Token, die sie in einer Bibliothek gegen Verbesserungen eintauschen oder damit permanente Gegenstände kaufen. Beim nächsten Versuch starten sie dann nicht erneut gänzlich unvorbereitet und der Fortschritt gelingt flotter.

Anstatt eines komplizierten Inventarsystems nehmen Spieler in Necropolis alle neuen Waffen oder Schilde direkt auf und speichern sie in einem von zwei Sets. Ob die Waffe auf dem Boden besser ist als die geführte, sagt ein kleines Pop-up-Fenster, das mit etwas Verzögerung erscheint. Leider führt das nach großen Kämpfen dazu, dass wir erst einmal 5 Minuten lang alle Waffen auf dem Boden durchklamüsern und immer auf das nervige Fenster warten müssen.

Orientierungsprobleme

Necropolis ist kein großes Spiel. Erfahrene Dark-Souls-Spieler sind definitiv in gut unter 8 Stunden durch. Und viel gesehen haben sie auf ihrer Reise zum Ende leider nicht. Für den optischen Genuss gibt es nur sehr selten Sehenswürdigkeiten oder Gebiete, die sich anders anfühlen als das Startgebiet.

Das führt auch dazu, dass wir eine Karte schmerzlich vermissen. Einzig die erledigten Gegner am Boden machen uns darauf aufmerksam, dass wir ein Gebiet bereits durchlaufen sind. Schalter und Aufzüge übersehen wir im Eifer des Gefechts ebenfalls leicht. Die Momente, in denen wir einfach nur stumpf den nächsten Raum voller Gegner gesucht haben, sind frustrierend und nicht selten.

Monitor-Test wird mitgeliefert

Der Stil von Necropolis ist äußerst minimalistisch gehalten. Spieler erkunden ein Meer von Grautönen, das nur sporadisch durch knallig bunte Kristalle oder Effektschaden farbig wird. Licht und Schatten sind dennoch dank verwendetem SSAO (Ambient Occlusion) schön anzusehen und die Farbverläufe extrem detailliert. Das Spiel eignet sich daher witzigerweise wunderbar als kleiner Monitor-Test. Monitore mit billigen Panels neigen dazu, besonders graue Farbverläufe nicht fließend, sondern mit Trennlinien darzustellen. Die Farbabstufungen können sich wirklich unangenehm bemerkbar machen. Auf einem hochwertigen Monitor (siehe Bilder) sehen die Verläufe dagegen richtig schön aus.



Verfügbarkeit

Plattform: Windows, Mac OS. Veröffentlichung: 12. Juli 2016. Preis: 28 Euro. Sprache: Euro. USK: nicht getestet.

Fazit: plus und minus

+ Steuerung für Dark-Souls-Spieler intuitiv
+ Cooler Look
+ Koop schnell und problemlos
+ Friendly Fire sorgt für strategische Tiefe
+ mysteriöse Atmosphäre

- Wenig Sehenswürdigkeiten (viele graue Gänge)
- Braucht dringend eine Mini-Karte
- Teils langweilige und langwierige Quests
- Auf Dauer zu eintönig
- Für 30 Euro teuer

 (mw)


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