Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/gear-360-im-test-immer-im-bild-1607-121903.html    Veröffentlicht: 06.07.2016 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/121903

Gear 360 im Test

Immer im Bild

Samsungs Gear 360 bietet eine einfache Möglichkeit, Rundumpanoramen anzufertigen und sie beispielsweise direkt bei Facebook oder Youtube zu teilen. Im Test erweist sie sich als eine der besten günstigen Kameras am Markt - wenn auch nicht ohne Schwächen.

In diesem Artikel finden sich mehrere 360-Grad-Bilder, die über einen Viewer von Google betrachtet werden können. Da die einzelnen Bilder mitunter recht groß sind, werden sie erst geladen, wenn sie angeklickt werden. Auf mobilen Geräten lassen sich die Panoramen auch mit Bewegungen des Endgerätes erkunden.

360-Grad-Kameras bieten die Möglichkeit, mit einem Bild ein komplettes Rundum-Panorama der Umgebung aufzunehmen - was an vielen Orten zu interessanteren Ergebnissen als herkömmlichen Fotos führt. Neben teuren Lösungen wie der Panono-Kamera gibt es neuerdings von Samsung eine günstige Rundumkamera: die Gear 360, die bei einem Preis von 350 Euro mehr als 1.000 Euro weniger als die Panono kostet.

Der Vorteil von Panoramas einer echten 360-Grad-Kamera wie der Gear 360 gegenüber einem aus zahlreichen Einzelfotos gestitchten Panorama ist, dass Bewegungen von Objekten im Bild nicht zu Bildfehlern führen. Zudem ist der Bequemlichkeits- und Schnelligkeitsfaktor zu berücksichtigen: Mit einer 360-Grad-Kamera macht der Nutzer einfach ein Bild, und fertig ist die Panorama-Aufnahme.

Bei früheren Panorama-Kameras wie der Ricoh Theta mussten wir die Bildqualität stark bemängeln. Die Gear 360 macht diesbezüglich einiges besser, zeigt aber, dass auch sie noch Luft nach oben hat. Golem.de hat die Kamera unter anderem in China ausprobiert.



Kugelkamera mit zwei Objektiven

Anders als die Ricoh Theta oder die 360 Cam von LG ist Samsungs Gear 360 kugelförmig. Die Größe liegt in etwa zwischen denen eines Golf- und eines Tennisballs. Panoramabilder und -videos werden aus zwei Bildern erstellt, die die Kamera gleichzeitig aufnimmt. Dafür hat sie zwei Fisheye-Objektive, die gegenüberliegend eingebaut sind. Im unteren Bereich ist die Gear 360 abgeflacht, so dass sie hingestellt werden kann, ohne wegzurollen. Hier ist auch ein Stativgewinde eingebaut; praktischerweise liefert Samsung gleich ein kleines Klappstativ mit, das zusammengelegt als Handgriff dient.

Einfache Bedienung, verschiedene Aufnahmefunktionen

Von der Bedienung her ist die Gear 360 simpel: Nach dem Einschalten der Kamera wird über einen mit einem roten Punkt markierten Knopf an der Oberseite ein Foto geschossen oder ein Video gestartet. Zwischen den Betriebsmodi wird mit dem Menü-Button an der Seite der Kamera umgeschaltet, der über dem Einschalter sitzt. Zu den weiteren Betriebsmodi zählen eine Zeitraffer- und eine Video-Loop-Funktion. Hier werden neue Videoaufnahmen nach Ablauf eines vorbestimmten Intervalls wieder mit neuen Daten überschrieben.

<#youtube id="N6RJxxeHjC8"> Einige Einstellungen können direkt an der Kamera im Einstellungsmenü vorgenommen werden, etwa die Auswahl der verwendeten Objektive - wahlweise lässt sich die Gear 360 auch mit nur einer Linse als Actioncam verwenden. Weitaus bequemer und auch umfangreicher lässt sich die Kamera aber über die zugehörige App konfigurieren. Hier lassen sich die Bildqualität beziehungsweise Videoauflösung, der Weißabgleich, die Belichtungskorrektur und der HDR-Modus einstellen.

Praktische App - nur mit Samsung-Smartphones

Mit der Gear 360 lassen sich auch ohne ein über die App verbundenes Smartphone Fotos und Videos aufnehmen, die App ist aber dank eines Live-Suchers in vielen Situationen zur Kontrolle und als Fernauslöser praktisch. Zudem ist die App für die Zusammensetzung des aufgenommenen Bildmaterials zuständig: Nach der Übertragung auf das Smartphone erhalten wir ein fertig zusammengesetztes Foto oder Video, das direkt angeschaut oder geteilt werden kann. Videos können auch auf dem Smartphone geschnitten werden, was aktuell aber nicht über das Kürzen hinausgeht.



Aktuell ist die App nur für Galaxy-S6- und Galaxy-S7-Modelle verfügbar. Andere Smartphone-Besitzer können die Anwendung momentan noch nicht aus dem Play Store heraus installieren. Wie Samsung uns vor der Präsentation der Gear 360 erklärte, soll die Kompatibilität mit anderen Smartphones noch folgen; aktuell kann uns der Hersteller aber keinen Zeitrahmen dafür nennen. Dementsprechend ist die Panorama-Kamera momentan Galaxy-exklusiv.

Samsung legt der Kamera allerdings einen Lizenzcode für das PC-Bearbeitungsprogramm Gear 360 Action Director bei. Damit lassen sich sowohl Videos als auch Fotos direkt von der Speicherkarte importieren. Zusammengesetzt werden sie in der gleichen Qualität wie vom angeschlossenen Smartphone - offenbar wird der gleiche Algorithmus eingesetzt. Jedes importierte Foto und Video wird automatisch gestitcht und auf dem Rechner gespeichert. Dadurch ist die Gear 360 auch ohne Galaxy-Smartphone nutzbar, Nutzer müssen dann aber auf zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, die Live-Vorschau und das schnelle Teilen verzichten.

Bildqualität noch verbesserungsfähig

Die Bildqualität der Gear 360 ist um einiges besser als etwa die der Ricoh Theta. In den Details ist die Gear 360 wesentlich schärfer und weniger vermatscht. Besonders Fotos sind angenehmer zu betrachten. Videos sind jedoch auch bei höchster Auflösung verglichen mit den Fotos merklich unschärfer.



Die verglichen mit der Theta bessere Bildqualität darf aber auch bei der Gear 360 nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Material selbst verglichen mit Smartphone-Kameras deutlich schlechter aussieht. Verglichen mit den Kameras des Galaxy S6 und S7 sind die Bildergebnisse weniger scharf, zudem sind Detailzeichnung und Dynamikumfang schlechter. Zoomen wir in ein Foto hinein, wird das Bild schnell schwammig; zudem hat die Kamera bei Gegenlicht mit chromatischen Aberrationen Probleme. Den 360-Grad-Blick zahlen auch Nutzer von Samsungs Rundumkamera beim heutigen Stand der Technik mit Abstrichen in der Bildqualität.

Besser nicht zu nah herangehen

Dazu kommen noch die mitunter sichtbaren Stitching-Fehler in den Bereichen, in denen die beiden Objektive der Gear 360 aufeinandertreffen. Besonders bei Objekten, die nah an der Kamera sind, können wir mitunter auffällige Bildfehler erkennen. Im unteren Bereich der Bilder ist dies unumgänglich, da sich hier das Stativ oder die Hand des Nutzers befindet; die Fehler ziehen sich aber über die gesamte Höhe des Bildes.

Ansonsten finden wir das Stitching aber in den meisten Situationen sehr gelungen. Achtet der Nutzer auf einen gewissen Mindestabstand von Objekten rund um die Kamera, kommt es nicht zu dramatischen Bildfehlern. In manchen Lichtsituationen ist ein leichter Helligkeitsunterschied an der Stelle zu erkennen, an der die beiden Teilbilder aufeinandertreffen. Oft ist dieser Rand aber nur im unteren Bereich zu auszumachen und nicht im kompletten Bild oder Video.

Enttäuscht waren wir vom Ton, den die Gear 360 aufnimmt. Dieser wird nicht räumlich aufgezeichnet, bei einem Video ändert sich dementsprechend nicht die Richtung, aus der Ton kommt. Zudem sind die Audioaufnahmen sehr leise, sobald sich die Tonquelle etwas von der Kamera entfernt befindet.

Google Fotos erkennt Panorama-Fotos - aber keine Videos

Am einfachsten lässt sich das mit der Gear 360 erstellte Material direkt auf einem mit der Kamera verbundenen Smartphone betrachten. Hier können wir uns durch Wischbewegungen in den Fotos und Videos bewegen oder sie mit Hilfe einer Gear VR betrachten. Fotos lassen sich auch direkt bei Google Fotos hochladen und werden dort direkt als 360-Grad-Panoramen erkannt; dementsprechend können wir auch hier in den Bildern scrollen. Alternativ können die Fotos und Videos auch in der PC-Bearbeitungssoftware angeschaut werden; auch hier lässt sich scrollen.

Bei Videos erkennt Google Fotos nicht, dass es sich um Rundumpanoramen handelt; uns wird das Videomaterial stets als nicht perspektivisches Gesamtbild angezeigt. Laden wir ein 360-Grad-Video hingegen direkt vom angeschlossenen Smartphone bei Youtube hoch, können wir es uns dort als Rundumvideo anschauen. Beim Upload eines auf dem PC gespeicherten 360-Grad-Videos über die Internetseite von Youtube hingegen erhalten wir keine Rundumdarstellung, sondern die gleiche nicht perspektivische Ansicht wie bei Google Fotos. Auch wenn wir innerhalb der App ein Video schneiden und es bei Youtube hochladen wollen, wird es in unseren Versuchen nicht im 360-Grad-Betrachter angezeigt.

Mit dem wechselbaren Akku kommen wir problemlos über einen Tag. Die Gear 360 ist spritzwassergeschützt, unter Wasser getaucht werden sollte sie nicht.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Gear 360 kostet bei Samsung und im Onlinehandel 350 Euro. Mitgeliefert werden neben einer Tasche auch der als Stativ verwendbare Haltegriff und ein Produktcode für das PC-Schnittprogramm Gear 360 Action Director.



Fazit

Die Gear 360 macht Spaß: 360-Grad-Fotos und -Videos lassen sich mit Samsungs Kameraball leicht anfertigen, die Stitching-Qualität gefällt uns. Bis auf die technisch bedingten Bildfehler bei nahen Objekten sind uns nur wenige Fehler bei der Zusammensetzung aufgefallen. Bei stärkeren Helligkeitsunterschieden zwischen den Teilbildern ist stellenweise ein heller Streifen zu sehen, dieser ist häufig aber nur in Teilen des Bildes vorhanden.

Am einfachsten lässt sich die Kamera über die Steuerungs-App bedienen. Diese ist allerdings aktuell nur für die Galaxy-S6- und Galaxy-S7-Modelle verfügbar. Bis eine weitreichendere Verfügbarkeit gegeben ist, müssen Nutzer anderer Geräte auf die PC-Software zurückgreifen.

Trotz schnell verwaschener Detail und einer Schärfe, die nicht so gut wie etwa bei den Kameras aktueller Topsmartphones ist - geschweige denn vollwertiger Kameras -, ist die Gear 360 ihren Preis wert. Der dürfte allerdings zu hoch für diejenigen sein, für die Rundumpanoramen reine Spielerei sind. Wer sich ernsthafter mit dem Thema beschäftigen will und keine 1.500 Euro für eine Panono ausgeben kann, bekommt mit der Gear 360 aber eine der aktuell besten günstigen Kameras für Rundumpanoramen.  (tk)


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