Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/pleurobot-bewegungen-verstehen-mit-einem-robo-salamander-1606-121860.html    Veröffentlicht: 30.06.2016 18:38    Kurz-URL: https://glm.io/121860

Pleurobot

Bewegungen verstehen mit einem Robo-Salamander

An welchem Wesen studieren Wissenschaftler Bewegungsabläufe? An einem Roboter. Pleurobot imitiert einen Salamander, ist 3D-gedruckt - und ziemlich cool.

Roboter nach tierischem Vorbild gibt es viele. Etwas Neues haben sich die Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne (EPFL) einfallen lassen: Sie haben einen Roboter gebaut, der einem Molch nachempfunden ist.

Vorbild für den Roboter ist der Spanische Rippenmolch, eine Salamander-Art aus Südeuropa. Dessen Bewegungen studierten die Wissenschaftler um Auke Ijspeert unter dem Röntgengerät, um sie dann auf einen Roboter zu übertragen. Der Roboter, der zum Teil mit einem 3D-Drucker aufgebaut ist, sieht aus wie aus einem Science-Fiction-Film entsprungen.

Der Roboter geht, kriecht und schwimmt

Allerdings haben die Forscher den Roboter etwas vereinfacht: Sein Rückgrat besteht aus elf Segmenten, die von 27 Motoren angetrieben werden - der echte Rippenmolch hat 40 Wirbel. Trotz der Vereinfachung kann auch der Pleurobot sich wie ein Molch fortbewegen: Er kann durchs Gras gehen und kriechen, wobei ihm die eleganten Schlängelbewegungen des Originals gut gelingen. Und wie es sich für eine ordentliche Amphibie gehört, kann der Pleurobot auch schwimmen.

Den EPFL-Forschern geht es aber nicht nur darum, einen Roboter zu konstruieren. Die Fortbewegung von Wirbeltieren sei ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von Rückenmark, Körper und Umwelt, das vom Rückenmark gesteuert werde, sagt Ijspeert. An dem Roboter wollen sie dieses Zusammenspiel untersuchen.

Amphibien lernten laufen

Amphibien seien eine sehr alte Klasse von Tieren. Sie markierten den Übergang vom Schwimmen zum Gehen. An ihrer Anatomie lasse sich deshalb gut studieren, wie sich das Rückenmark veränderte, um diese neue Bewegungsart zu steuern, sagt Ijspeert. Ein besseres Verständnis der Abläufe soll die Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten für Querschnittsgelähmte und Amputierte ermöglichen.

Die Forscher um Ijspeert stellen den Pleurobot in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Interface vor, die von der Royal Society herausgegeben wird.  (wp)


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