Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/battlefield-1-angespielt-zeppeline-sperrfeuer-und-die-wiedergeburts-spritze-1606-121748.html    Veröffentlicht: 26.06.2016 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/121748

Battlefield 1 angespielt

Zeppeline, Sperrfeuer und die Wiedergeburtsspritze

Electronic Arts hatte auf der Spielemesse neben der im Stream gezeigten Fassung von Battlefield 1 für ausgewählte Journalisten noch eine weitere Version im Gepäck. In einem dunklen Konferenzraum durfte ich abseits vom Messetrubel Gameplay aufzeichnen und erste Eindrücke des kommenden Shooters im Ersten Weltkrieg sammeln.

Videospiele für Einzelspieler sind auf Messen wie der E3 in Los Angeles für Journalisten immer recht unkompliziert spielbar. Abseits von äußerst atmosphärischen Erfahrungen wie The Journey oder The Last Guardian, machen diverse Rennspiele oder Call of Duty schnell eine gute Figur. Bei Multiplayer-Shootern ist das Erlebnis schon deutlich schwieriger einzuschätzen. Und wenn dann, wie beim kommenden Battlefield 1, auch noch eine gehörige Prise kooperatives Gameplay im eigenen Team dazu kommt - nun, dann wird es im Messetrubel schnell richtig kompliziert.

Glücklicherweise hat sich der Publisher von Battlefield 1, Electronic Arts, dazu entschieden, Journalisten das Leben in diesem Jahr zu erleichtern. Und so darf ich mich gemeinsam mit den Kollegen anderer deutscher Magazine abseits der Spielemesse in einem dunklen Konferenzraum koordinieren und Gameplay mitschneiden. 64 Windows-PCs sind aufgebaut. Auf ihnen installiert ist eine Multiplayerversion des Shooters.

PC Games, Gamestar, Gameswelt und Golem.de im Ersten Weltkrieg

Auf der E3 trete ich gemeinsam mit den versammelten deutschen Journalisten im eigenen Trupp zu verschiedenen Tageszeiten auf der Karte St. Quentin Scar an. Zeitweise unter plätscherndem Regen, unter bewölktem Himmel oder bei strahlendem Sonnenschein gehen alle dem üblichen Battlefield-Alltag nach. Im klassischen Modus Conquest stürmen zwei Teams mit je 32 Spielern aufeinander los. Gemeinsam mit meinem Squad erobere ich Flaggenpunkte und verteidige sie - wahlweise als Sturmtruppler, Sanitäter, Unterstützungseinheit oder Sniper, beziehungsweise Aufklärer.

Tragendes Element ist erneut das frühe Erspähen und Markieren von Feinden. Während ein Gegner im Visier ist, zeichnen Spieler durch den Druck auf Q den Verbündeten die feindlichen Positionen auf ihren Radar. Neben dem gut gezielten Schuss und der richtigen Deckung ist das Markieren in Battlefield 1 die wichtigste Tätigkeit eines Soldaten. Nur so lassen sich Feindbewegungen früh erkennen.

Die meiste Zeit verbringe ich als Sanitäter auf dem Schlachtfeld. Schnell verfalle ich in alt einstudierte Aktionsmuster von Battlefield 2. Das Überleben meiner Kumpanen ist mir wichtiger als der nächste eigene Abschuss. So verstecke ich mich hinter meinem Trupp in Korridoren oder im hohen Gras, liege auf den Boden gepresst vor Hügelspitzen oder in Schützengräben und versorge Alliierte mit Medikamenten. Statt des bekannten Defibrilators aus früheren Serienteilen, steht mir in Battlefield 1 eine Spritze zur Verfügung, um gefallene Soldaten wieder zu beleben.

Die Waffen aller Klassen lassen sich detailliert modifizieren. Obwohl ich seit Battlefield 1942 nicht mehr so antike Schießprügel in einem Videospiel abgefeuert habe, fühlen sich alle Waffen vertraut an. Das Schnellfeuergewehr der Sturmtruppen, das M1918 und die Pistole P08 sind eine einfache, aber tödliche Kombination auf mittlere Distanz. Am meisten Abschüsse gelingen mir aber mit dem M1908 alias Mondragon, einem halbautomatischen Gewehr, das besonders schnell die durchschlagskräftige Einzelpatrone nachlädt.

Abwechslungsreicher Fuhrpark und ein Mega-Zeppelin

Neben mehreren Gadgets wie speziellen Granaten oder kleinen Geschütztürmen führen die Klassen auch eine Nahkampfwaffe mit aufs Schlachtfeld. Nahkampfangriffe sind zwar auch mit dem Gewehrkolben möglich, machen aber nicht viel Schaden. Die mitgeführte kleine Axt oder die Schaufel sind deutlich effektiver und sollen im fertigen Spiel auch andere Objekte auf den Karten beeinflussen können, Stichwort Reparatur.

Die Fahrzeuge wirken nach dem ersten Ausprobieren von leichten und schweren Panzern und einem Flug mit den Feldfliegern weniger mächtig, was dem Szenario geschuldet sein dürfte. Mir hat das persönlich ganz gut gefallen, da ich es auch gut mit einem gepanzerten Transportwagen aufnehmen kann, ohne direkt in Panik zu verfallen. Bei der Antriebskraft und dem Fahrgefühl kamen mir die Fahrzeuge auch alle sehr unterschiedlich vor - eine willkommene Abwechslung nach den doch immer recht ähnlichen Panzertypen aus Battlefield 4.

Pferde und Züge, die im E3-Trailer gezeigt wurden, gibt es auf der Karte nicht zu sehen.

Vom Behemoth abgeknallt

Majestätisch über dem Schlachtfeld kreist stets der Behemoth. Auf St. Quentin Scar ist das ein riesiges Luftschiff mit geballter Feuerkraft, das Infanterie-Einheiten mühelos aus sicherer Distanz ärgert. Leider gelingt meinem Team nicht der mögliche Abschuss des gigantisch wirkenden Himmelskörpers.

Dafür kracht aber ein Feldflieger direkt vor mir in eine Mühle und reißt beträchtliche Teile des Gebäudes mit ein. Die Entwickler setzen ein großes Augenmerk auf die Zerstörbarkeit der Welt. Mir kommt es aber in der vorliegenden Version noch nicht zerstörbar genug vor. Granaten reißen keine Löcher in Steinwände und eine Salve mit dem Gewehr wirbelt auch bei Schüssen durch Holzdächer nur Staub auf.

Grafisch hat mich Battlefield 1 sehr beeindruckt. Die Frostbite-Engine rendert weitläufige Areale mit hoher Weitsicht und dermaßen vielen Details und unterschiedlichen Texturen, dass ich meinen Fokus auf das eigentliche Kampfgetöse (zu) häufig vernachlässige. Immer wieder ertappe ich mich dabei, eine halbe Minute lang nur auf Nachlade-Animationen oder mit dem Scharfschützengewehr auf den Zeppelin am Himmel zu starren. Auch der Sound ist serientypisch mitreißend, die Effekte absolut von höchster Qualität.

Das Spiel ist auf mittlerer Detailstufe eingestellt und läuft dabei schon flüssig.

Verfügbarkeit und Fazit

Battlefield 1 soll am 21. Oktober für PC, Playstation 4 and Xbox One veröffentlicht werden. Käufer der sogenannten Early Enlisters Deluxe Edition dürfen bereits am 18. Oktober los ballern.

Fazit

Die Vorabversion von Battlefield 1 hinterlässt einen äußerst vielversprechenden Eindruck. Die Kämpfe des Mehrspieler-Shooters im Ersten Weltkrieg gestalten sich bereits jetzt weitaus komplexer als in Star Wars Battlefront. Die Truppenfahrzeuge, Propellermaschinen und Motorräder erscheinen deutlich abwechslungsreicher als der Fuhrpark in Battlefield 4. Und Grafik und Sound sind erneut auf absolutem Top-Niveau. Speziell das neue dynamische Wetter sorgt für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Dennoch fühlt sich das Spiel vertraut an. Spontan erinnert mich das Gameplay an das von Battlefield 2 - einem der bisher besten Serienteile.

Beim Anspielen habe ich richtig Lust auf mehr bekommen: mehr von den dicken, Behemoth genannten, Riesenfahrzeugen wie dem Zeppelin auf St. Quentin Scar, mehr abwechslungsreiche, individuelle Karten und noch mehr spürbare dynamische Zerstörung. Denn obwohl die Entwickler erneut davon reden, dass Spieler alles in Schutt und Asche legen können, versuche ich oft erfolglos, das letzte Stück Mauerwerk zu zerbröseln.

Besonders gespannt bin ich auf die Karten der arabischen Wüsten und Steilhänge in den Alpen. Hier könnten die Entwickler mit individuellen Kniffen für viel Überraschung sorgen. Die Karte auf den Feldern von Frankreich spielt sich dagegen noch sehr klassisch.  (mw)


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