Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/star-trek-bridge-crew-angespielt-ich-habe-ein-schiff-der-sternenflotte-gesteuert-1606-121552.html    Veröffentlicht: 16.06.2016 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/121552

Star Trek Bridge Crew angespielt

Ich habe ein Schiff der Sternenflotte gesteuert!

Die Brücke ist das Holodeck: In Star Trek Bridge Crew fühle ich mich - Virtual Reality sei Dank - tatsächlich wie der Steuermann eines Schiffs der Föderation und rette Mitspieler und mich in letzter Sekunde.

Viele Hundert Stunden mit Star Trek haben mich auf diese Entscheidung nicht vorbereitet: Jetzt, da ich gleich in einer Art Holodeck auf der Brücke eines Schiffs der Sternenflotte meinen ersten Dienst antreten kann - mache ich das als Steuermann, taktischer Offizier oder Ingenieur?

Die Rolle des Captain ist schon besetzt: Einer der Entwickler von Bridge Crew ist natürlich der Chef auf der virtuellen USS Aegis. Eigentlich befinde ich mich mit zwei weiteren Journalisten in einem kleinen Zimmerchen am Stand von Ubisoft auf der Spielemesse E3. Ohne VR-Headset sieht es hier eher schäbig aus: Die Stühle sind mit Kleber am Boden fixiert, damit die Spieler sie nicht herumschieben, überall stehen Computer und liegen Kabel.

Aber sobald ich das Oculus Rift aufgesetzt habe, sitze ich mitten auf der Brücke am Pult des Steuermanns. Das hat sich schließlich einfach so ergeben, denn meine Teamkameraden konnten auch nicht entscheiden und so hat sich einfach jeder irgendwo hingesetzt. Wie das aussieht, ist auf einem Foto auf Twitter zu sehen.

Wir vier Crewmitglieder können per Mikrofon und Kopfhörer miteinander reden. Wenn ich den Kopf drehe, sehe ich die Mannschaft - schräg hinter mir etwa den Captain. Der Eindruck, wirklich auf der Brücke eines Raumschiffs zu sitzen, ist verblüffend.

Freier Blick ins Universum auf Knopfdruck

In meinen echten Händen halte ich Vorserienmodelle der Gestensteuerung Oculus Touch. Mit einem Knopfdruck kann ich den Blick nach vorne richten; das muss ich nur einmal ganz am Anfang zur Kalibrierung machen. Mit einem anderen Knopfdruck blende ich die Brücke aus, so dass ich über die Untertassensektion der Aegis hinweg fast freie Sicht ins All um mich herum habe. Mit einem weiteren Knopf wird auf eine Kamera umgeschaltet, die mich zeigt. Wenn ich meine (echten) Hände bewege, tut das mein Alter Ego am Pult ebenfalls, wenn auch minimal verzögert.

Der Captain bittet mich nun per Sprachausgabe, ein kleines Feld rechts unten am Pult mit meiner Hand zu berühren und den Hauptschalter von Oculus Touch zu drücken. So kann ich das Schiff steuern: Wenn ich eine Markierung in einem fast runden Feld nach rechts schiebe, sehe ich vor mir auf dem großen Bildschirm des Schiffs, dass die Aegis ganz langsam und majestätisch eine Rechtskurve fliegt. Ein tolles Gefühl!

Nacheinander probieren wir drei neuen Crewmitglieder ein paar weitere Systeme aus, dann wird es ernst: Die Sternenflotte meldet sich und schickt uns auf eine Rettungsmission. Ich muss mit meinen virtuellen Händen eine kleine Schaltfläche namens Warp antippen und auf Befehl des Captains das Zielsystem auswählen.

Vor mir auf dem großen Bildschirm der Brücke sehe ich dann eine Art schräg gebogene Korridormarkierung. Ich richte den Kurs der Aegis so aus, dass der Korridor gerade ist und irgendwann nicht mehr orange, sondern blau leuchtet. Das ist der magische Moment, in dem der Captain "Energie" sagt.

Mit Warp-Geschwindigkeit durchs All

Leider finde ich dann erstmal nicht den Schalter, der den Warp-Antrieb anwirft. Der befindet sich links von mir und ist so überdeutlich groß, dass ich ihn zuerst glatt übersehe. Irgendwann habe ich seine Bedeutung aber doch kapiert, schiebe ihn nach vorne und schon sausen wir vier virtuell durchs All.

Nach ein paar Sekunden sind wir auch schon am Einsatzort und sehen ein Sternensystem, dessen zentraler Himmelskörper kurz vor der Explosion steht. Um uns herum befinden sich Trümmerteile - warum, kriege ich in der Hektik nicht so richtig mit. Mein Job ist es nun, drei Rettungskapseln anzusteuern, die auf einem kleinen Radarschirm auf meinem Pult zu sehen sind, und den Trümmerteilen auszuweichen.

Meine Kollegen kümmern sich um die anderen Systeme. Der Ingenieur etwa hat nach ein paar Augenblicken die ersten sechs Besatzungsmitglieder aus der ersten Rettungskapsel an Bord unseres Schiffs teleportiert.

In diesem Moment passiert etwas: Direkt neben uns taucht plötzlich ein klingonischer Bird of Prey auf und eröffnet das Feuer. Jetzt wird es noch hektischer: Auf Anweisung des Captains muss ich die Aegis so ausrichten, dass sie sich der zweiten Rettungskapsel nähert und wir gleichzeitig die Klingonen vor uns haben, damit der Waffenoffizier seine Phaser abfeuern kann.

Kirk wäre nicht begeistert ...

Ich gebe es zu: So richtig gut glückt mir das nicht - die Aegis torkelt eher durchs All als geschickt ihren Kurs anzupassen. Der echte Captain Kirk hätte mich vermutlich höchstpersönlich von Bord geschmissen. Umso erstaunlicher finde ich, dass wir vier im Team den Job doch irgendwie hinkriegen: Erst werden die Kollegen von der zweiten und dann die von der dritten Rettungskapsel auf unser Schiff gebeamt.

Die Aegis muss unterdessen schwere Treffer verkraften. Aus meinem Pult stieben Funken, die Untertassensektion ist voller Brandflecken und die Schilde sind unten. Ich bekomme einen neuen, ziemlich klaren Befehl: nichts wie weg! Wieder rufe ich die Sternenkarte auf, markiere ein anderes System und muss die Aegis dann noch auf Warp-Kurs bringen. Hier wird die Zeit wirklich knapp, der Captain und die anderen klingen ernsthaft besorgt: Unser Schiff hält den Beschuss noch zehn Sekunden lang aus, dann ist die Mission verloren.

In fast letzter Sekunde leuchtet der Warp-Korridor blau auf, ich finde den richtigen Schalter diesmal auf Anhieb und bringe uns aus dem Schlamassel - gerade noch so. Der Einsatz ist geschafft! Ich ziehe mir das Rift vom Kopf und sehe das Messe-Hinterzimmer und Crew-Kameraden, die gerade noch ganz anders ausgesehen haben.

Mir hat der kurze, im Grunde recht simple Einsatz an Bord des Raumschiffs sehr viel Spaß gemacht. Tatsächlich ist in kürzester Zeit mit Unbekannten so etwas wie ein Gemeinschaftsgefühl entstanden, und das mittendrin in der seltsam vertrauten Umgebung wirkt natürlich faszinierend. Jammerschade finde ich allerdings, dass ich nicht aufstehen und mich auf der Brücke umsehen oder gar den Rest des Schiffs erkunden kann.

Star Trek Bridge Crew soll im Herbst 2016 für PCs mit Oculus Rift oder HTC Vive und für die Playstation VR erscheinen. Wer nicht mit menschlichen Mitstreitern durchs All sausen möchte, kann auch allein als Captain antreten und seine Befehle computergesteuerten Kollegen erteilen. Das stellen wir uns aber ein bisschen zu einsam vor; ausprobieren konnten wir es nicht. Für uns ist Bridge Crew ein Spiel, das seine wahre Stärke im Team mit anderen Trekkies entfaltet.  (ps)


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