Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/prozessor-den-einen-core-m-gibt-es-nicht-1606-121533.html    Veröffentlicht: 27.06.2016 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/121533

Prozessor

Den einen Core M gibt es nicht

Kaum eine Prozessorfamilie kann umfangreicher für Notebooks konfiguriert werden als der Core M. Das Problem: Welche Geschwindigkeit die Skylake-Chips erreichen, hängt von der jeweiligen Implementierung ab. Wir haben sogar einen Fall gefunden, wo ein eigentlich deutlich flotterer Core i5 geschlagen wird.

Für Notebook-Hersteller umfangreich konfigurierbar, für Käufer undurchsichtig: Intels Core M genannte Prozessoren decken ein großes Leistungsspektrum ab - prinzipiell clever. Für Endkunden ist aber ohne zeitraubende Tests nicht erkennbar, wie schnell welcher Core M in welchem Gerät läuft. Die Geschwindigkeit hängt von mehreren Faktoren ab, die wir uns exemplarisch an Lenovos Thinkpad X1 Tablet angeschaut haben.

Vorab ein paar Hintergrundinformationen: Die aktuellen Core-M-Chips basieren auf der Skylake-Architektur, sie nutzen zwei CPU-Kerne mit Hyperthreading und verfügen über eine integrierte Grafikeinheit mit 24 Shader-Blöcken (HD Graphics 515). Alle Varianten - M3, M5 und M7 - weisen einen 4 MByte fassenden Cache auf. Gedacht sind die Prozessoren für 2-in-1-Geräte und Ultrabooks. Beispiele sind das Macbook 12, das Surface 4 Pro oder eben das X1 Tablet.




Damit die Core M universell einsetzbar sind, überlässt es Intel den Herstellern, die maximale Leistungsaufnahme und die höchste zulässige Kerntemperatur unter Dauerlast einzustellen. Die Bandbreite reicht von unter 3 bis über 8 Watt und von unter 60 bis über 80 Grad Celsius. Lenovo hat sich beim Thinkpad X1 Tablet für eine clevere Implementierung entschieden.

Wird das Detachable klassisch als Notebook verwendet, darf der verbaute Core M5-6Y54 mit bis zu 8,5 Watt und bis zu 85 Grad laufen. Ziehen wir die Tastatur ab, wechseln wir in den Tablet-Modus. Hier ist der Core M auf 6 Watt und 60 Grad beschränkt, was Sinn ergibt: Halten wir das Detachable in der Hand und arbeiten per Touch, darf die Rückseite nicht zu heiß werden und es ist unwahrscheinlich, dass aufwendige Berechnungen laufen.


Bedingt durch die höhere Leistungsaufnahme und Temperatur taktet der Core M seine Kerne und die Grafikeinheit höher, wenn längere Lasten anliegen. Wird kurzfristig Leistung abgefragt, egalisiert die thermische Trägheit der passiven Kühlung die Unterschiede zwischen beiden Chip-Implementierungen. Wie sich das äußert, haben wir mit ein paar Anwendungen ausprobiert und einen Core i5-6200 mit 15-Watt- und 75-Grad-Limit als Vergleich hinzugefügt.

Die Umwandlung der 1080p-Version von Sintel in ein 720p-Video zeigt, dass der Core i5 die zwei Core M schlägt. Die Differenz zwischen den beiden 6Y54-Chips ist aber gering - was bei Taktraten von 1,6 und 1,4 GHz kaum verwundert. Bei der Fotoverkleinung per Faststone Image Viewer auf einem Kern wird das Temperaturlimit innerhalb der Messung nicht ausgereizt, da nur ein Kern rechnet. Kleine Überraschung: Dank 4 statt 3 MByte L3-Cache sind beide Implementierungen des Core M schneller als der Core i5.


Sobald auch die Grafikeinheit genutzt wird, setzt sich der 15-Watt-Chip deutlich ab, da Intels GPU-Technik weitaus weniger effizient und sparsam rechnet als die CPU-Kerne. Im Spiel Titan Quest treten zwischen dem Core M im Notebook- und im Tablet-Modus große Unterschiede auf: Die Bildrate fällt von 35 auf 27 fps, wenn wir vom 8,5-Watt- in den 6-Watt-Betrieb umschalten.

Grundsätzlich gilt also: Je höher das Temperatur- und das Watt-Limit und je besser die Kühlung, desto schneller rechnet ein Core M - ein M3 kann daher einen M7 schlagen. Leider gibt aber kein Hersteller an, welche Werte er eingestellt hat. Eine flotte Implementierung nutzt beispielsweise Microsoft beim Surface Pro 4, eine besonders schnarchige Dell beim Latitude 7370.

Daher gilt: Wer ein Gerät mit Core M kauft und gelegentlich etwas mehr Leistung wünscht, sollte darauf achten, dass das Temperatur- und das Watt-Limit hoch angesetzt sind. Unterm Strich ist das in den meisten Fällen obendrein effizienter, da der Chip schneller wieder in einen Ruhezustand wechseln kann.  (ms)


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