Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/wireless-hdmi-im-test-achtung-signalstoerung-1606-121523.html    Veröffentlicht: 16.06.2016 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/121523

Wireless-HDMI im Test

Achtung Signalstörung!

Man sollte annehmen, dass ein Gerät mit nur einem einzigen Einsatzzweck diesen auch einwandfrei erfüllt. Wir haben mehrere Wireless-HDMI-Geräte mit verschiedener Basistechnik getestet und dabei festgestellt: weit gefehlt! Eine der beiden Techniken macht immer wieder Probleme.

Beim Einsatz von Projektoren stellt sich oft das Problem: Wie gelangt das Signal vom Abspielgerät zum Projektor? Oftmals ermöglicht es die Aufstellposition des Projektors nicht, einfach Strippen zu ziehen. Wenn er etwa an der Decke hängt, ist der Aufwand enorm, ihn per HDMI-Kabel mit dem betreffenden Abspielgerät zu verbinden.

Aber auch wer etwa anlässlich der Fußball-EM ein Spiel im Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse ansehen möchte, ist nicht begeistert, wenn viele Kabel verlegt werden müssen. Hier soll Wireless-HDMI für Abhilfe sorgen. Die verschiedenen Wireless-HDMI-Geräte verhalten sich allerdings erstaunlich unterschiedlich. Das liegt an den jeweils verwendeten Techniken.


Denn Wireless-HDMI ist nicht gleich Wireless-HDMI. Am Markt haben sich zwei verschiedene Übertragungstechniken etabliert, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben. Das eine System arbeitet im 5-GHz-Frequenzbereich, das andere nutzt den 60-GHz-Bereich. Wir haben uns zwei Systeme mit dem 5-GHz-Bereich und einen Vertreter aus dem anderen Frequenzbereich genauer angeschaut. Das HDMI-Signal wird von allen Lösungen verschlüsselt und unkomprimiert übertragen.

5-GHz-System macht Probleme

Unsere erste Annahme war, dass die Wireless-HDMI-Geräte zumindest unter idealen Bedingungen ein Bildsignal immer einwandfrei übertragen können. Wir wurden aber eines Besseren belehrt. Das erste Testobjekt war ein 5-GHz-Modell von One for All, das in diesem Jahr auf den Markt gekommen ist. One for All bewirbt sein Wireless-HDMI-Set offensiv damit, dass Bildsignale problemlos durch eine Wand übertragen werden können.

Im Grunde funktioniert das auch, allerdings gibt es keine Garantie dafür, dass das Bildsignal dauerhaft störungsfrei übertragen wird. Als wir das bemerkten, nahmen wir ein weiteres 5-GHz-Modell eines anderen Herstellers in den Test auf. Wir entschieden uns dabei für das Falcon HD von Oehlbach, das im Herbst vergangenen Jahres auf den Markt gekommen ist. Anders als One For All bewirbt Oehlbach die Möglichkeit nicht, das Signal von einem Raum in den anderen zu übertragen, obwohl es die Technik kann.

60-GHz-Technik durchdringt keine Wand

Für den Test der 60-GHz-Technik haben wir uns für das WHD30M von Celexon entschieden. Auf der Webseite geht der Hersteller etwas versteckt darauf ein, dass das HDMI-Signal generell keine Wand durchdringen kann. In der Anleitung wird dann deutlich darauf hingewiesen, dass das Set nur für die drahtlose Bild- und Tonübertragung innerhalb eines Raumes konzipiert ist. Allen Sendereinheiten ist gemein, dass an sie immer nur ein HDMI-Gerät angeschlossen werden kann.

Alle Tests haben wir unter verschiedenen Bedingungen durchgeführt. Die Sets wurden in einem Mietshaus mit mehreren Mietparteien und entsprechend vielen WLAN-Hotspots in der Nähe eingesetzt sowie in einem Einfamilienhaus mit nur sehr wenigen WLAN-Hotspots in der Umgebung.

Beim 60-GHz-Gerät kommt es zunächst darauf an, eine optimale Verbindung zwischen Sender und Empfänger herzustellen. Und das erfordert etwas Sorgfalt.

Die Technik ist zu leicht

Bei der 60-GHz-Technik empfiehlt der Hersteller eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger. Auch ohne kann zwar eine einwandfreie Signalübertragung gelingen, aber zu dick sollte das Hindernis nicht sein, sonst wird im schlimmsten Fall erst gar keine Verbindung aufgebaut.

Anders als bei den 5-GHz-Geräten, die ja sogar durch eine Wand übertragen sollen, kommt es also beim 60-GHz-Modell darauf an, Sender und Empfänger möglichst optimal zueinander auszurichten. Denn die 60-GHz-Verbindung reagiert unmittelbar auf zu viele Hindernisse durch Störungen bei der Bild- und Tonübertragung.

Das Aufstellen der Sende- und Empfangseinheiten ist schwierig

Alle getesteten Wireless-HDMI-Sets haben kompakte und leichte Sende- und Empfangseinheiten. Dadurch nehmen sie nicht viel Platz ein, aber das geringe Gewicht wird zum Problem: Denn sobald ein HDMI-Kabel an den Einheiten befestigt ist, lässt sich das Konstrukt kaum mehr bändigen. Es ist es nur schwer möglich, die gewünschte Position der Kästen beizubehalten und ein Umkippen zu verhindern. Hierbei hilft es nicht, dass die Lösungen von Celexon und One for All einen Metallstandfuß haben.

Verbindungsaufbau dauert lange

Besonders bei den 5-GHz-Lösungen empfinden wir die langen Wartezeiten beim Verbindungsaufbau als störend. Hier schneidet die Lösung von One for all besonders schlecht ab, für den Aufbau der Verbindung wird mehr als eine ganze Minute benötigt. Es kommt sogar vor, dass wir erst nach 1,5 Minuten ein Bild haben.

Etwas bessere Ergebnisse liefert das Oehlbach-Set, das nach spätestens 50 Sekunden eine Verbindung aufgebaut hat. Und der Spitzenreiter ist ganz klar das Celexon-Set, mit dem die Verbindung meist nach 15 Sekunden steht. Wenn es hier länger dauert, ist das Bild aber spätestens nach 25 Sekunden da.

Das Zubehör macht Probleme

Den beiden 5-GHz-Modellen liegen Infrarotsender und -empfänger bei, damit sich etwa ein DVD- oder Blu-ray-Player auch bedienen lässt, wenn sich das Gerät in einem anderen Raum befindet. Beim Celexon fehlt so etwas komplett, denn eine Steuerung mit einer Wand dazwischen ist damit ja ohnehin nicht möglich. Sowohl Oehlbach als auch One for All haben das Infrarotzubehör mit unterschiedlichen Steckern versehen, so dass es nicht möglich ist, diese falsch anzuschließen. Das ist sehr angenehm.


Der Infrarotsender muss so hingelegt werden, dass er das zu bedienende Gerät gut sieht. Der Infrarotempfänger wird am besten so positioniert, dass der Anwender ihn gut mit der entsprechenden Fernbedienung erreichen kann. Im Test klappt es mit dem All for One problemlos, einen DVD-Player von Pioneer damit zu steuern. Beim Oehlbach-System funktioniert es nicht.

Das Positionieren des Infrarotzubehörs ist allerdings alles andere als komfortabel. Die Sender und Empfänger sind so leicht, dass sie nur mühsam optimal hingelegt werden können. Selbst die dünnen Kabel haben genügend Kraft, um Sender und Empfänger zu verdrehen. Die Schwierigkeiten vermindern sich, wenn das Infrarotzubehör fest installiert wird. Dafür sind entsprechende Klebestreifen vorhanden. Wenn aber das Zubehör nur zeitweise verwendet wird, ist es zu mühsam.

Kurze Kabel, fehlende Ausschalter, schöne LEDs

Unpraktisch finden wir auch die recht kurzen Kabel des Infrarotzubehörs. Dadurch muss das Wireless-HDMI-Gerät entsprechend dicht am Infrarotzubehör aufgebaut werden. Der IR-Empfänger ist nur 1,2 m lang und der Infrarotsender hat nur eine Kabellänge von einem Meter.

Die Einheiten von One for All und Oehlbach haben angenehm schwach leuchtende Status-LEDs. Sie sind gut zu erkennen, ohne zu hell zu sein. Das ist beim Celexon-Modell anders: Wir finden die Status-LEDs zu hell. Während die 5-GHz-Modelle problemlos sichtbar sein können, ohne dass die LEDs stören, sollte die 60-GHz-Lösung möglichst gut versteckt werden. Aber genau das ist mit den Geräten nicht ratsam, weil ja Sende- und Empfangseinheit Sichtkontakt haben sollen.

An allen drei Wireless-HDMI-Sets fehlen Ausschalter. Wer die Sets gerade nicht verwendet, muss also entweder den Stecker ziehen oder auf eine schaltbare Steckdose setzen. Ansonsten laufen die Geräte den ganzen Tag durch, auch wenn sie nur einige Stunden am Tag verwendet werden. Das 60-GHz-Set benötigt dann 4,8 Watt, die Leistungsaufnahme der 5-GHz-Systeme beträgt 5,6 bis 5,9 Watt.

Und wie funktioniert nun die Bildübertragung?

Immer wieder Bildstörungen

Die Bildübertragung funktioniert mit der 5-GHz-Technik - aber nicht störungsfrei. Mit beiden von uns getesteten Geräten ist es prinzipiell möglich, das Signal drahtlos von einem Raum in den anderen zu übertragen. Wir nehmen Sender und Empfänger bei Nichtnutzung vom Strom, so dass beide Einheiten bei jedem neuen Einsatz die drahtlose Verbindung erneut aufbauen müssen.


Bei der drahtlosen Übertragung des HDMI-Signals verhalten sich beide Lösungen von One for All und Oehlbach absolut identisch: Nach unseren Erfahrungen wird dabei nicht immer eine einwandfreie Verbindung gefunden. Es kommt vor, dass das Bildsignal sehr viele Störungen hat, aber auch, dass es problemlos von Raum zu Raum übertragen wird - obwohl die Positionen von Sender und Empfänger unverändert bleiben. Bei einer mehrstündigen Nutzung können zwischenzeitlich Bildstörungen auftreten. In Teilbereichen des Videobildes zeigen sich dann Artefakte, Render-Fehler oder Ähnliches.

Auch Störungen ohne Wand dazwischen

Solche Störungen sind meist nur für eine Sekunde sichtbar und nicht reproduzierbar. Es kommt vor, dass es bei einer dreistündigen Nutzung nur fünf Bildstörungen gibt. Wir erleben aber auch weit mehr als zehn Bildstörungen bei einstündiger Nutzung. Ein Muster oder ein Grund dafür ist nicht auszumachen.


Die Störungen treten in unserem mehrwöchigen Praxistest auch auf, wenn auf eine Wand zwischen Sender und Empfänger verzichtet wurde, also das HDMI-Signal im gleichen Raum drahtlos übermittelt wird. Die Menge der WLAN-Hotspots in der Umgebung ändert nichts an den beobachteten Problemen.

60-GHz-Technik arbeitet störungsfrei

Ganz anders sehen die Erfahrungen mit dem Wireless-HDMI-Set mit 60-GHz-Technik aus. Wenn die Aufstellorte von Sender und Empfänger optimal aufeinander abgestimmt sind, gibt es als Belohnung eine komplett störungsfreie HDMI-Übertragung. Anders als bei den Geräten mit 5-GHz-Technik kam es nie zu irgendwelchen Bildstörungen.

Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Systemen betrifft die Latenzen. Während beim 60-GHz-System von Celexon keine Verzögerung zu merken ist, hakt es in der 5-GHz-Welt ganz ordentlich. Beim Bewegen des Mauspfeils ruckelt dieser den Bewegungen hinterher. Bei der Nutzung von DVD- sowie Blu-ray-Playern oder Streamingboxen fällt das nicht weiter auf. Wer aber Wireless-HDMI etwa für Aufgaben am Computer oder für Spiele nutzen möchte, wird sich daran erheblich stören.

Verfügbarkeit und Fazit

Den günstigsten Einstieg in die Wireless-HDMI-Welt gibt es mit der 60-GHz-Lösung. Das Expert-HDMI-Funk-Set WHD30M von Celexon gibt es im Handel bereits für 200 Euro, der Listenpreis liegt bei 250 Euro. Deutlich teurer ist mit 300 Euro der Wireless-HDMI-Sender SV 176 von One For All. Für den Falcon HD verlangt Oehlbach 400 Euro - dabei ist es der einzige Hersteller, der gleich zwei HDMI-Kabel mitliefert. Für keine der drei Lösungen sind Sender oder Empfänger einzeln zu bekommen.

Fazit

Einen klaren Sieger gibt es bei den beiden getesteten Wireless-HDMI-Techniken nicht. Zu unterschiedlich sind die jeweiligen Vor- und Nachteile der beiden Lösungen.

Wenn innerhalb eines Raumes ein Projektor oder Fernseher mit einer drahtlosen HDMI-Verbindung versorgt werden soll, liegt die 60-GHz-Lösung von Celexon ganz klar vorn. Denn Sender und Empfänger lassen sich meist so positionieren, dass keine störenden Barrieren dazwischen sind. Dann bleibt die Verbindung dauerhaft stabil und es gibt keinerlei Störungen im Bildsignal.

Wenn sich Abspielgerät und Projektor oder Fernseher in verschiedenen Räumen befinden, muss eine 5-GHz-Technik wie von One for All oder Oehlbach verwendet werden. Allerdings schafft es diese Technik nicht einmal innerhalb eines Raumes, immer eine komplett störungsfreie Bildübertragung zu gewährleisten. Wer sich mit den Sekundenstörungen arrangieren kann, erhält ein Wireless-HDMI-System mit deutlich mehr Freiheit.

Mit der Umsetzung des Infrarotzubehörs waren wir bei den 5-GHz-Systemen von One for All und Oehlbach nicht zufrieden. Die korrekte Ausrichtung der Einheiten ist sehr mühsam, vor allem, wenn keine dauerhafte Festinstallation gewünscht ist. Bezüglich Latenzen ist das 60-GHz-System klar im Vorteil, hier gibt es keine merkbaren Verzögerungen.

Unpraktisch finden wir, dass alle Sendereinheiten nur einen HDMI-Eingang haben. Hier wäre es in Anbetracht des Preises angenehmer, wenn die Sendereinheiten mehrere HDMI-Eingänge hätten, zwischen denen dann entweder automatisch oder manuell umgeschaltet würde.

Wir halten beide 5-GHz-Systeme in Anbetracht der Probleme für zu teuer. Hier punktet das günstigere 60-GHz-System mit einer störungsfreien Bildübertragung.  (ip)


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