Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/xbox-one-s-microsofts-schlanke-4k-hdr-konsole-im-detail-1606-121509.html    Veröffentlicht: 16.06.2016 15:22    Kurz-URL: https://glm.io/121509

Xbox One S

Microsofts schlanke 4K-HDR-Konsole im Detail

Flacher, kompakter, mit integriertem Netzteil: Microsofts neue Xbox One S unterstützt die 4K-UHD-Auflösung für Spiele und Filme, selbst eine HDR-Darstellung ist möglich. Eine bessere Grafik als die Xbox One liefert sie allerdings nicht, die bringt erst die Project-Scorpio-Xbox - die laut Microsoft leistungsstärkste Spielekonsole der Welt.

Die Xbox One S ist die Konsole, die wir uns vor drei Jahren anstelle der Xbox One gewünscht hätten: Microsofts Neue ist schneeweiß, kompakt und technisch mit 4K- sowie HDR-Unterstützung auf dem aktuellen Stand. Wir haben uns von Microsofts Xbox-Ingenieuren auf der Spielemesse Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles die Details der Konsole erläutern lassen. Über das Project Scorpio, die schnellste Spielekonsole der Welt, wollte Redmond nicht reden - wir haben dennoch alle Informationen zusammengetragen.

Verglichen mit der wuchtigen Xbox One ist das Gehäusevolumen der Xbox One S um 40 Prozent geringer. Der Vorgänger kommt auf 7,6 Liter, die neue Konsole dürfte daher bei rund 4,6 Litern liegen. Das entspricht dem Volumen der Playstation 4, mit der die Xbox One S eine weitere Gemeinsamkeit hat: Statt des externen, aktiv gekühlten Netzteils der Xbox One wird ein im Gehäuse integriertes verwendet. Die Xbox One S kann liegend oder per 20 Euro teurem, optionalem Ständer vertikal aufgerichtet verwendet werden. Die Haptik der weißen Konsole gefällt uns gut, den physischen Knopf zum Ein- und Ausschalten drücken wir lieber als die Touch-Sensoren der Playstation 4. Was genau im Inneren steckt, hat Microsoft bisher nicht verraten, das System-on-a-Chip wurde aber offensichtlich überarbeitet, etwa dessen Display-Controller und Video Decoder. Ob das SoC in einem neuen Fertigungsprozess hergestellt wird, bleibt vorerst unklar - ein Shrink ist sehr wahrscheinlich.

Anders als die Xbox One unterstützt die Xbox One S per HDMI-2.0a-Ausgabe höhere Auflösungen: Gestreamte Filme über Amazon Prime oder Netflix oder lokal per neuem 4K-UHD-Blu-ray-Laufwerk können in 2160p-Auflösung statt in 1080p dargestellt werden. Zudem gibt die Konsole an einen passenden Fernseher Inhalte mit HDR (High Dynamic Range) aus, was weitaus höhere Kontraste und feinere Farbabstufungen als mit SDR (Standard Dynamic Range) ermöglicht. Dolby Digital Plus und TrueHD werden unterstützt.

Spiele laufen in 4K-UHD mit 30/60 Hz, bei entsprechender Unterstützung seitens des Entwicklerstudios gar mit High Dynamic Range. Intern rechnet die Xbox One S weiterhin mit Auflösung von 1080p oder niedriger (oder in Ausnahmen etwas mehr), die auf 2160p hochskaliert werden. Ob Upscaler der Xbox One überarbeitet wurde, sagte Microsoft nicht, der Hersteller betonte aber, der von der Display Scanout Engine verwendete Filter sei sehr hochwertig.

Wichtige Informationen: An einem 1080p-Fernseher ist die Grafik von Xbox One und Xbox One S identisch, obgleich die Studios bei letzterer ein bisschen mehr Leistung für HDR - übrigens einzig in 4K - zur Verfügung haben. Ob Microsoft zusätzliche Ressourcen freigibt oder das neue System-on-a-Chip ein bisschen mehr Takt erhalten hat, wollte der Hersteller nicht verraten.

Mit im Paket der Xbox One S liegt der überarbeitete Controller mit gummierten Griffen. Der kommuniziert drahtlos per Bluetooth oder mit Microsofts proprietärem Wireless-Protokoll, die Reichweite des Funk-Gamepads soll gestiegen sein. Die Xbox One S wird mit 500 GByte, 1 TByte oder neuerdings 2 TByte ab August 2016 verkauft. Die Preise liegen bei 300, 350 und 400 US-Dollar vor Steuern.

Deutlich teurer dürfte die nächste Xbox werden: Parallel zur Xbox One S hat Microsoft das Project Scorpio angekündigt. Wir haben uns den Trailer der zum Weihnachtsgeschäft 2017 geplanten Konsole genauer angeschaut.



Project Scorpio liefert 6 Teraflops

Redmond spricht von 6 Teraflops reiner GPU-Leistung, von acht Prozessorkernen und von einer Datentransfer-Rate von über 320 GByte pro Sekunde. Das zusammen soll für Spiele in nativem 4K ausreichen - etwas, das wir Sonys kommender Playstation Neo einzig für Ausnahmefälle zugesprochen haben, und das wir auch von der Scorpio eher selten erwarten. Die Neo liefert mit 4,2 Teraflops und 218 GByte pro Sekunde deutlich weniger Render-Power. Microsofts Xbox One steht mit 1,31 Teraflops und 68 GByte (DDR3) sowie 218 GByte pro Sekunde (Embedded-SRAM) im Vergleich ziemlich schlecht da.

Der gerenderte Teaser zum Project Scorpio zeigt ein System-on-a-Chip inmitten von zwölf Speicherbausteinen. Das spricht für ein 384 statt 256 Bit breites Interface, was an 3+ GHz schnellem GDDR5-Videospeicher exakt die von Microsoft genannten 320 GByte pro Sekunde aufwärts ergeben würde. Die Speicherkapazität dürfte damit von 8 auf 12 GByte steigen und die bisherige Zweiteilung aus großen DDR3 und kleinem Embedded-SRAM verschwinden, da ohnehin genügend Datentransfer-Rate vorhanden ist.

Um auf 6 Teraflops zu kommen, ist eine niedrig taktende und effiziente GPU anzunehmen. Die von AMD entwickelte Grafikeinheit taktet in der Xbox One mit 853 MHz bei 896 Shader-Einheiten. Für die Xbox Scorpio halten wir 3.584 bis 4.096 Rechenkerne für wahrscheinlich, die dann zwischen 732 und 837 MHz takten müssten. Sicher nutzt Microsoft eine aktualisierte Graphics-Core-Next-Architektur, denkbar wären Polaris oder bereits Vega.

Vorerst unklar bleibt der Prozessorpart: Die Playstation 4 und die Xbox One nutzen acht der kleinen, vergleichsweise schwachen Jaguar-Kerne. Für die Xbox Scorpio wären die verbesserte Variante Puma+ denkbar oder aber zwei modifizierte Zen-Cluster mit jeweils vier Kernen. Da Microsoft das System-on-a-Chip wahrscheinlich im 20-nm- oder gar im 14FF-/16FF-Verfahren produzieren lässt, könnte durch den Wegfall des enorm viel Platz belegenden Embedded-SRAM genügend Chipfläche vorhanden sein.

Wichtig wären schnellere CPU-Kerne nicht mit Hinblick auf in 4K-UHD gerenderte Spiele, sondern für Virtual Reality: Bethesdas Todd Howard hatte auf der Xbox-Pressekonferenz eine VR-Umsetzung von Fallout 4 angekündigt, was für die Zusammenarbeit von Microsoft mit Oculus VR spricht. Das Rift läuft mit 90 Hz, benötigt also (über) 90 Bilder pro Sekunde, damit kein Timewarp die Framerate retten muss. Mit Jaguar-Kernen dürfte das schwierig werden.

Und auch wenn viele Details noch offen sind: Project Scorpio dürfte tatsächlich die schnellste Spielekonsole werden.  (ms)


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