Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/flugsicherheit-schoenefeld-und-tegel-erhalten-koerperscanner-1606-121450.html    Veröffentlicht: 12.06.2016 14:14    Kurz-URL: https://glm.io/121450

Flugsicherheit

Schönefeld und Tegel erhalten Körperscanner

Die früher stark umstrittenen Körperscanner werden an immer mehr deutschen Flughäfen eingesetzt. Selbst der in (un)absehbarer Zeit schließende Berliner Flughafen Tegel wird noch mit solchen Geräten ausgestattet.

Mit sogenannten Körperscannern zur Kontrolle der Flugpassagiere werden die Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel in diesem Sommer ausgestattet. Das berichtete der Berliner Tagesspiegel unter Berufung auf die Bundespolizei. Demnach stellt die Polizei in den beiden Flughäfen jeweils zwei der früher als "Nacktscanner" bezeichneten Kontrollgeräte auf. In Schönefeld werde bereits seit Mitte 2014 ein solcher Scanner bei Flügen nach Israel eingesetzt.

In Tegel sollen die Geräte am Terminal C verwendet werden, das vorwiegend von Air Berlin genutzt wird. Im klassischen Terminal A, dem Sechseck, sei es hingegen sehr schwierig, die Großgeräte einzubauen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Zum einen sei es dort sehr eng, zudem müssten wegen der dezentralen Kontrollen an den Flugsteigen sehr viele Geräte aufgestellt werden. Ein Scanner kostet dem Bericht zufolge rund 160 000 Euro.

Körperliche Abtastung als Alternative

Laut Tagesspiegel war zunächst nicht geplant worden, in Tegel Körperscanner aufzustellen, weil der Flughafen bereits im Jahr 2012 hätte geschlossen werden sollen. Nun habe man umdisponiert, weil Tegel viel länger in Betrieb bleiben müsse, als bei der Planung für das Einführen der Scanner angenommen worden sei. Der neue Flughafen BER soll bereits mit den Körperscannern ausgerüstet sein.

Auf mehreren deutschen Flughäfen wie Hamburg, Stuttgart oder Frankfurt am Main sind inzwischen solche Körperscanner im Einsatz. Die Geräte des Typs Provision ATD und Provision 2 stammen vom US-Hersteller L3 Communications und basieren auf Terahertzstrahlung. Die Privatsphäre der Reisenden soll durch die Scanner nicht verletzt werden - sie zeigen nur eine stilisierte Figur. Mit Markierungen werden die Stellen gekennzeichnet, an denen etwas versteckt wurde. In diesem Fall ist es Aufgabe der Software, Auffälligkeiten zu erkennen. Dies führte in der Vergangenheit zu vielen Fehlalarmen, deren Zahl von L3 nun deutlich reduziert worden sein soll.

Die Bundespolizei weist stets darauf hin, dass die Kontrolle durch den Körperscanner freiwillig sei. Wer dies nicht wolle, werde weiter "herkömmlich" kontrolliert. Dies trifft jedoch nur eingeschränkt zu. Wenn herkömmliche Detektoren nicht als Alternative zur Verfügung stehen, müssen sich die Passagiere einer kompletten körperlichen Abtastung durch einen Mitarbeiter der Flughafensicherheit unterziehen.

Umstritten ist zudem, ob die Geräte tatsächlich alle gefährlichen Gegenstände am Körper eines Reisenden entdecken können. So waren US-Forscher beim Test eines Körperscanners der Firma Rapidscan zu dem Schluss gekommen: Die Geräte mögen zwar nur eine sehr geringe Strahlenbelastung verursachen, lassen sich aber durchaus täuschen und möglicherweise sogar manipulieren.  (fg)


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