Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/messenger-apps-franz-das-kommunikationsgenie-1606-121351.html    Veröffentlicht: 08.06.2016 09:14    Kurz-URL: https://glm.io/121351

Messenger-Apps

Franz, das Kommunikationsgenie

Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. kümmert sich jetzt in Form einer App um unsere Kommunikation. Sie vereint die wichtigsten Instant Messenger in einer Anwendung und will uns damit den Alltag erleichtern. Wir haben mit zwei Entwicklern über Franz und die Fragmentierung der Kommunikation gesprochen.

Als Mitregent der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn muss Kaiser Franz Joseph I. ein Kommunikationsgenie gewesen sein. Immerhin umfasste das damalige Staatsgebiet 18 Reichsteile auf einer Fläche von über 670.000 Quadratkilometern - da war es sicher nicht einfach, Missverständnisse zu vermeiden. Allerdings hat er durch den Untergang der österreichischen Monarchie laut den beiden Entwicklern Stefan Malzner und Jonathan Burke sicherlich viel Zeit und kann sich daher nun bei unserer Kommunikation für Ordnung im Messenger-Chaos sorgen. Und genau deswegen ist er Namenspatron der von den beiden Österreichern entwickelten Messaging-App Franz.

Franz vereint die wichtigsten Messenger in einer Desktop-Anwendung: all die für die tägliche Kommunikation im beruflichen und privaten Umfeld genutzten Dienste wie Whatsapp, Facebook Messenger, Telegram, Skype, Slack, Wechat, Hangouts, Hipchat, Steam und viele weitere.

"In den vergangenen Jahren ist der Messenger-Markt in so viele Dienste zersplittert, die alle auf ihre Weise besonders sein wollen, dass Kommunikation umständlich geworden ist", sagt Stefan Malzner im Gespräch mit Golem.de. "Jeder baut eine Art goldenen Käfig für eine bestimmte Nutzergruppe, doch wenn man mit einem anderen Freundeskreis oder einer anderen Gruppe von Business-Partnern kommunizieren will, muss man eine andere Messenger-Plattform verwenden. Und jede Plattform hat eine eigene Anwendung oder Web-App, zwischen denen ständig gewechselt werden muss - das nervt mich einfach." Und weil genau das nicht nur Malzner nervt, kam ihm Anfang des Jahres die Idee für Franz.

Im Prinzip ist Franz zurzeit nichts anderes als ein stark angepasster Browser. Deswegen ist kein gesonderter Account nötig, auf Daten haben die beiden Entwickler keinen Zugriff. "Alle 16 Messenger, mit denen wir aktuell arbeiten, bieten Web-Apps, die wir integrieren", erklärt Jonathan Burke. Die jeweiligen Web-Apps werden - wie in einem Browser - in verschiedenen Tabs angezeigt. Mehr macht Franz eigentlich nicht - simpel, aber im Alltag sehr praktisch. Doch mussten die beiden Entwickler viel an den Benachrichtigungen optimieren. Außerdem bieten sie die Möglichkeit einen Messenger parallel mit mehreren Accounts zu nutzen, im normalen Browser geht das mit den Web-Apps nicht.

Zentrale Stelle für Messenger

"Für uns ist Franz kein Browser, um durch das Internet zu browsen. Stattdessen wollen wir eine zentrale Stelle für alle modernen Messenger schaffen", führt Malzner aus. Franz soll damit eine Art moderner Trillian sein, der zu Zeiten von ICQ und Windows Live Messenger gerne genutzt wurde. Moderne Messenger-Apps sind aber nicht mehr nur Text übermittelnde Protokolle, sie sind ganze Plattformen. Und diese werden von alten Instant Messengern nicht mehr unterstützt.

Weitere Messenger wie Line oder Viber, die vor allem außerhalb Europas genutzt werden, sollen noch integriert werden. Sie haben keine klassischen Web-Apps, mit Hilfe der Messenger-APIs sollen sie aber trotzdem in der Franz-Anwendung verfügbar sein. "Gehen wir über die APIs, ist es deutlich schwieriger, sie in Franz zu integrieren. Das ist ein Grund, warum sie noch nicht verfügbar sind", erklärt Burke. "Wir arbeiten aber gerade daran, denn wir wollen so viele Plattformen wie möglich in Franz integrieren - das ist unser Anspruch."

Täglich bekämen die beiden Entwickler Dutzende Mails mit der Bitte, weitere Messenger in ihre Anwendung zugänglich zu machen. "Die Liste mit Wunsch-Diensten von Nutzern ist lang. Über 40 weitere Messenger stehen mittlerweile drauf", sagt Malzner. Doch wie konnte es so weit kommen, dass der Markt so stark fragmentiert wurde?

Warum gibt es so viele Messenger?

Einen Grund für die Fragmentierung sieht Malzner im Fokus bestimmter Messenger auf einen speziellen Markt oder eine spezielle Zielgruppe. Ein gutes Beispiel hierfür sei Whatsapp: "Innerhalb Europas ist es durch die verschiedenen Mobilfunkprovider recht teuer, über SMS zu kommunizieren. Wollte ich als Österreicher etwa mit Freunden aus Deutschland schreiben, musste ich trotz Flatrate durch die verschiedenen Mobilfunkprovider für jede SMS zahlen. Deswegen konnte sich Whatsapp als Alternative schnell durchsetzen. Es funktioniert wie eine SMS, läuft aber übers Internet und dadurch global." In den USA gab es das Problem laut Malzner nicht, weswegen dort die SMS etabliert blieb.

"Andere Messenger haben sich dagegen auf den asiatischen Markt und seine Eigenheiten spezialisiert. Will ich jetzt quer über den Globus mit Freunden und Bekannten in Kontakt bleiben, brauche ich deswegen viele verschiedene Messenger. Einen globalen Player gibt es nicht wirklich", führt Malzner aus.

Mit Messengern Rechnungen bezahlen und Pizza bestellen

Diese Entwicklung wird laut Burke noch weiter voranschreiten: "Durch neue Funktionen wie Bots werde ich verschiedene Messenger für verschiedene Dienstleistungen nutzen. Über Line kann ich in bestimmten Regionen meine Stromrechnung bezahlen. Über Whatsapp dagegen bestelle ich meine Pizza." Immer mehr Unternehmen würden solche Möglichkeiten zur Kommunikation mit Kunden nutzen und dafür die für sie perfekte Plattform wählen.

In Zukunft planen die beiden, Franz auch für mobile Geräte zu entwickeln. Das würde aber noch dauern, da eine solche Anwendung zahlreiche neue Probleme und Herausforderungen mit sich bringt. Eines ist für die beiden aber klar: "Für Privatnutzer wird Franz kostenlos bleiben. Wir sehen keine Möglichkeiten zur Monetarisierung, ohne Funktionen für den Nutzer einzuschränken."

Stattdessen wolle man sich an Business-Kunden richten. "Da immer mehr Unternehmen den Support in Messenger wie Facebook oder Whatsapp auslagern, sehen wir viel Potential im Aufbereiten der Kommunikation und in speziellen Dashboards", erklärt Malzner. "Damit wollen wir in Zukunft Geld verdienen."

Aktuell geht es aber vor allem darum, weiter zu wachsen und den Messenger für die Kommunikation der rund 75.000 wöchentlichen Nutzer zu verbessern. Jeder soll damit ein Kommunikationsgenie wie Kaiser Franz Joseph I. werden können, trotz der Fragmentierung im Messenger-Bereich.  (sw)


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