Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nach-missbrauchsvorwuerfen-jacob-appelbaum-arbeitet-nicht-mehr-fuer-tor-1606-121302.html    Veröffentlicht: 05.06.2016 10:41    Kurz-URL: https://glm.io/121302

Nach Missbrauchsvorwürfen

Jacob Appelbaum arbeitet nicht mehr für Tor

Der bekannte Hacker und Aktivist Jacob Appelbaum ist kein Angestellter des Tor-Projektes mehr. Gegen ihn werden schwere Anschuldigungen erhoben. Das Tor-Projekt hat eine Anwaltskanzlei engagiert, um den Sachverhalt aufzuklären.

Der Programmierer und Aktivist Jacob Appelbaum arbeitet nicht mehr für das Tor-Projekt, wie Tor selbst in einem knappen Statement am Freitagabend mitgeteilt hat. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Trennung von Appelbaum wurden zahlreiche Spekulationen über die Gründe laut. Kurz nach Verkündung meldeten sich mehrere Frauen, die angaben, von Appelbaum vergewaltigt und sexuell belästigt worden zu sein. Beweise für diese Vorwürfe gibt es bislang nicht.

Die mutmaßlichen Opfer von Appelbaum haben eine Webseite eingerichtet, auf der mehrere Berichte über sexuelle Vergehen zu lesen sind. Bislang ist nicht bekannt, dass eine der mutmaßlich betroffenen Personen Anzeige erstattet hat. Viele mutmaßliche Opfer sexualisierter Gewalt gehen nicht zur Polizei, weil der langwierige Prozess für sie erneut traumatische Beschwerden auslösen kann.

Nach heftigen Reaktionen innerhalb der Szene hat Tor am Samstagabend deutscher Zeit ein weiteres Statement veröffentlicht, in dem Shari Steele, die seit Dezember Geschäftsführerin von Tor ist, ausführlicher Stellung nimmt. Steele schreibt, die Vorwürfe gegen Appelbaum seien innerhalb der Organisation nicht neu gewesen. Tatsächlich wurde schon länger hinter vorgehaltener Hand über Vergewaltigungsvorwürfe von Frauen gegen Appelbaum gesprochen, auch Golem.de waren die Gerüchte seit längerem bekannt.

Tor ist "zutief verstört"

Steele schreibt, dass die aktuell erhobenen Vorwürfe über das hinausgingen, was in der Organisation bekannt gewesen sei. Man sei "zutief verstört" darüber. Nach ausführlichen Gesprächen mit einigen der mutmaßlich betroffenen Personen und intensiven internen Diskussionen habe Appelbaum seinen Posten bei Tor am 27. Mai 2016 niedergelegt.

Steele betont, dass das Tor-Projekt keine Ermittlungsbehörde sei und begrenzte Kapazitäten zur Ermittlung der Fakten in diesem Fall habe. Daher arbeitet das Projekt jetzt nach eigenen Angaben mit einer Anwaltskanzlei zusammen, die sich auf sexuellen Missbrauch, vor allem im beruflichen Kontext, spezialisiert hat. Eine der Frauen, die die Vorwürfe veröffentlicht hat, ist Angestellte des Tor-Projekts.

Jacob Appelbaum hat mittlerweile in einem Tweet auf die Anschuldigungen reagiert.  (hg)


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