Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fbi-projekt-zeig-mir-dein-tattoo-und-ich-sag-dir-wer-du-bist-1606-121276.html    Veröffentlicht: 03.06.2016 11:05    Kurz-URL: https://glm.io/121276

FBI-Projekt

Zeig mir dein Tattoo und ich sag dir, wer du bist!

Die US-Bundespolizei FBI will Informationen aus Tätowierungen mit Hilfe eines Algorithmus automatisiert auswerten. Damit sollen Ermittlungen vereinfacht werden. Aktivisten beklagen Eingriffe in die Meinungs- und Religionsfreiheit.

In einem seit 2014 andauernden gemeinsamen Forschungsprojekt der US-Bundespolizei FBI und des Normungsinstituts Nist sollen mit Hilfe eines Algorithmus Informationen aus Tätowierungen genutzt werden, um die Verbrechensbekämpfung zu verbessern. Für die Forschung werden aber keine freiwillig gemachten Aufnahmen von Tattooträgern genutzt, sondern Fotos von Häftlingen aus US-Gefängnissen. Daher beklagt die Bürgerrechtsorganisation EFF, dass das Programm einen Eingriff in die Meinungsfreiheit nach dem ersten Verfassungszusatz darstellen würde.

Mit Hilfe der neuen Technologie sollen Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Tattoos automatisch aufgedeckt werden. Verschiedene Banden nutzen Tattoos, um ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu markieren. Möglicherweise würde die Technologie aber auch Rückschlüsse auf einzelne Tätowierer geben. Welche konkreten Ergebnisse sich das FBI von dem Programm erhofft, ist aber nicht klar. In der ersten mittlerweile abgeschlossenen Vorstudie wurden 15.000 Bilder ausgewertet.

Zweite Runde soll 100.000 Bilder auswerten

In einer zweiten Runde sollen jetzt bis zu 100.000 Bilder durch Algorithmen begutachtet werden. Doch Tattoos seien Ausdruck der Persönlichkeit, schreibt die EFF. "Die Träger wählen ihr Tattoo in aller Regel selbst aus", heißt es in dem Blogpost der Organisation. Daher müssten die Behörden vor einer Fortführung des Programms die Privatsphäre-Bedenken angemessen berücksichtigen. Weil viele Träger von Tattoos auch religiöse Symbole verwenden, sei auch die Religionsfreiheit zu berücksichtigen.

Die EFF beklagt, dass die Aufnahmen von Tätowierungen ohne wirksame Privatsphäre-Beschränkungen an private Unternehmen weitergegeben worden seien. Außerdem sei die Erlaubnis zum Teilen der Bilder erst nach der ersten Runde von Experimenten bei den Aufsichtsbehörden angefragt worden.  (hg)


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