Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/astronomie-sonne-kidnappt-planet-1606-121223.html    Veröffentlicht: 01.06.2016 11:15    Kurz-URL: https://glm.io/121223

Astronomie

Sonne kidnappt Planeten

Hat die Sonne einem anderen Stern einen Planeten gestohlen? Der mysteriöse Planet 9, der bisher noch nicht gesichtet wurde, könnte der Planet eines anderen Sterns gewesen sein. Die Sonne hätte ihn, sagen schwedische Wissenschaftler, in ihren Orbit gezogen.

Wir mögen sie, unsere Sonne: Sie versorgt uns mit Licht und Wärme. Ohne sie wären wir schließlich nicht hier. Aber sie hat auch eine weniger freundliche Seite: Sie klaut Planeten. Das sagen zumindest schwedische Wissenschaftler.

Danach ist der mysteriöse neunte Planet unseres Sonnensystems kein Planet wie die Erde, der Mars oder der Jupiter, sondern ein Exoplanet, ein Planet aus dem System eines anderen Sterns. Das hat ein Computermodell ergeben, das Alexander Mustill und seine Kollegen von der Universität in Lund in Südschweden erstellt haben.

Der Diebstahl ist eine solare Jugendsünde

Sterne entstehen oft in Gruppen und passieren einander. Bei einem solchen Zusammentreffen kommt es vor, dass ein Stern einem anderen einen oder mehrere Planeten abluchst. Nach dem Mustill-Computermodell ist Planet 9 so unter den Einfluss der Sonne geraten. Das geschah vor rund 4,5 Milliarden Jahren, also relativ bald nach der Entstehung der Sonne, die rund 4,57 Milliarden Jahre alt ist.

Es könne gut sein, dass der Planet von anderen Planeten 'herumgeschubst' worden und schließlich in einem Orbit gelandet sei, der weit entfernt von seinem Stern gewesen sei, sagt Mustill. Die Sonne habe ihn sich dann geschnappt. "Als die Sonne später den Sternhaufen, in dem sie entstand, verließ, ist Planet 9 in einer Umlaufbahn um die Sonne 'steckengeblieben'."

Warum in die Ferne schweifen?

"Es grenzt schon an Ironie, dass Astronomen Exoplaneten oft Hunderte von Lichtjahren entfernt in anderen Sternensystemen finden, während sich möglicherweise einer direkt hinter unserem Haus versteckt", sagt der Astronom. Allerdings wissen wir über diese weit entfernten Exoplaneten mehr als über den in der direkten Nachbarschaft: Von dem gebe es nämlich kein Bild, noch nicht einmal einen Lichtpunkt. "Wir wissen nicht, ob er aus Stein, Eis oder Gas besteht. Alles, was wir wissen, ist, dass seine Masse wahrscheinlich das Zehnfache der Erdmasse beträgt."

Ihre Arbeit stellen die Forscher um Mustill in der Fachzeitschrift Monthly Notices of the Royal Astronomical Society Letters vor.  (wp)


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