Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/forschung-forcephone-macht-jedes-smartphone-force-touch-tauglich-1605-121198.html    Veröffentlicht: 31.05.2016 13:50    Kurz-URL: https://glm.io/121198

Forschung

Forcephone macht jedes Smartphone Force-Touch-tauglich

Mikrofon und Lautsprecher sollen künftig einen druckempfindlichen Bildschirm simulieren können. Diesen Ansatz verfolgen Forscher. So könnte jedes handelsübliche Smartphone mit einer Force-Touch-ähnlichen Bedienung versehen werden.

Smartphones mit druckempfindlichen Bildschirmen sind im Markt weiterhin die Ausnahme. Diese zusätzliche Bedienmöglichkeit könnte aber bald jedes Smartphone erhalten. Forscher der Universität von Michigan haben dazu ein Verfahren entwickelt, mit dem ohne zusätzliche Sensoren die Stärke des Drucks gemessen werden kann, der auf ein Smartphone-Display ausgeübt wird.

Die bekanntesten Smartphones mit einem druckempfindlichen Display sind die aktuellen iPhone-Modelle von Apple. Apple bezeichnet die Technik als Force Touch, sie soll die Bedienung verbessern, indem andere Befehle ausgeführt werden können, wenn das Display mit stärkerem Druck berührt wird. Dazu sind passende Sensoren im Display integriert.

Mikrofon und Lautsprecher machen Forcephone möglich

Die gleichen Möglichkeiten sollen nach Angaben der Forscher aber auch ganz ohne zusätzliche Sensoren möglich sein. Zum Messen der Druckstärke werden stattdessen Mikrofon und Lautsprecher des Smartphones verwendet. Dazu spielt der Lautsprecher im Smartphone kontinuierlich einen Signalton mit einer Frequenz von über 18 kHz ab. Für das menschliche Ohr soll der Ton unhörbar sein, aber das Mikrofon des Smartphones kann auf ihn reagieren.

Wenn der Nutzer den Druck auf das Display erhöht, verändert sich die Tonhöhe und das System kann so einen anderen Befehl ausführen, als wenn weniger stark auf das Display gedrückt wird. In der Galerie-App kann der Nutzer durch intensiveren Druck die Zoomstufe eines Fotos verändern. Alternativ dazu lässt sich damit ein Kontextmenü aufrufen, um weitere Befehle zu erreichen.

Im Praxisalltag noch nicht erprobt

Wenn jedoch zwei Smartphones in der Nähe mit der gleichen Technik ausgestattet sind, könnte es zu Fehlbedienungen kommen. Denn die Mikrofone moderner Smartphones sind sehr empfindlich und könnten damit auch den Signalton eines anderen Smartphones auffangen, etwa des Sitznachbarn in Bus oder Bahn. Die Forscher gehen auf einen solchen Fall nicht weiter ein.

Prinzipiell soll die Technik auch erkennen können, wenn fester auf das Smartphone-Gehäuse gedrückt wird. Allerdings ist dann viel Disziplin vom Nutzer gefordert, weil er sehr genau darauf achten muss, wie fest er sein Smartphone anfasst. Noch ist nicht entschieden, ob die Technik am Ende nur auf das Display beschränkt wird.

Die Forscher wollen die Forcephone-Software Ende Juni 2016 auf der Mobisys-Konferenz in Singapur vorstellen. Wann die Software für die Allgemeinheit verfügbar gemacht wird, ist nicht bekannt.  (ip)


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