Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/aufraeumen-von-prozessen-beim-logout-systemd-neuerung-sorgt-fuer-nutzerkontroversen-1605-121176.html    Veröffentlicht: 30.05.2016 15:15    Kurz-URL: https://glm.io/121176

Aufräumen von Prozessen beim Logout

Systemd-Neuerung sorgt für Nutzerkontroversen

Die aktuelle Version der Login-Verwaltung von Systemd beendet beim Abmelden sämtliche laufenden Prozesse. Für die Entwickler und Maintainer des Projekts ist das eine sinnvolle und gewünschte Funktion, sie stört aber auch massiv den Arbeitsfluss einiger Nutzer.

Für die aktuelle Version 230 der Userspace-Werkzeugsammlung Systemd ist eine Standardeinstellung geändert worden, so dass die Login-Verwaltung beim Abmelden eines Nutzers nun automatisch laufende Hintergrundprozesse beendet und die Sitzung damit aufräumt. Doch viele Anwender hat diese Änderung sehr überrascht, weil damit bisher übliche Nutzungsszenarien scheinbar plötzlich nicht mehr funktionieren. Deshalb ist dies auch vergleichsweise oft als Fehler gemeldet worden.

Die betroffenen Nutzer berichten unter anderem im Bugtracker von Debian, die neue Standardeinstellung führe dazu, dass langlaufende Prozesse, die zum Beispiel in Terminalmultiplexern wie Tmux und Screen gestartet worden sind, beim Abmelden unerwartet beendet werden. Bisher liefen die Prozesse beim Abmelden aber weiter, was der von den Nutzern intendierte Anwendungsfall gewesen ist.

Abmelden heißt Aufräumen

Zwar weisen die Systemd-Entwickler in den Release Notes der neuen Veröffentlichung explizit auf das geänderte Verhalten hin, die Umsetzung in ihrer Distribution kam für einige Nutzer wohl aber dennoch überraschend. Die Entwickler schreiben, dass eine Nutzersitzung nach dem Abmelden nun "anständig aufgeräumt" werde und weitere Schritte notwendig seien, um das Weiterlaufen von Prozessen nach dem Logout zu ermöglichen.

Der Debian-Paketbetreuer Martin Pitt erklärt dazu, er glaube, das neue Verhalten entspreche auch dem erwarteten Verhalten, dass nach einem Logout keine Prozesse mehr weiterlaufen. Michael Biebl, ebenfalls Debian-Paketbetreuer, geht darüber hinaus weiter auf die Bedenken der Betroffenen ein und verspricht, dass das Betreuerteam diskutieren werde, wie Nutzer besser über die Änderung informiert werden könnten und welche weiteren Möglichkeiten die Verantwortlichen haben.

Der Entwickler Zbigniew Jędrzejewski-Szmek erläutert zudem auf einer Fedora-Mailingliste, dass es bisher immer wieder hängende Prozesse bei einem Logout gegeben habe und nur gehofft werden konnte, dass sich Hintergrundprozesse korrekt verhalten. Mit Systemd als Prozessverwaltung könne nun aber adäquat auf derartige Situationen reagiert werden, indem hängende Prozesse beendet würden. Was bisher für Systemdienste galt, werde nun konsequenterweise auf Nutzerdienste und -sitzungen ausgeweitet.

Um das alte Verhalten wieder herzustellen, können Nutzer die betroffene Einstellung KillUserProcesses wieder auf den Wert no zurücksetzen. Alternativ und vom Systemd-Team empfohlen können die gewünschten Dienste wie etwa Screen und Tmux in einem neuen Scopus gestartet werden, so dass diese nicht von einem Logout des Nutzers betroffen sind.  (sg)


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