Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/xperia-x-im-hands-on-sonys-vorgetaeuschte-oberklasse-1605-121069.html    Veröffentlicht: 25.05.2016 12:06    Kurz-URL: https://glm.io/121069

Xperia X im Hands on

Sonys vorgetäuschte Oberklasse

Mit dem Xperia X versucht Sony einen skurrilen Neustart. Es löst das Xperia Z5 ab, verzichtet aber auf so manches Ausstattungsdetail, das bei anderen Oberklasse-Smartphones selbstverständlich geworden ist.

Mit dem Xperia X führt Sony eine neue Namensgebung bei seinen Smartphones ein. Es ersetzt die bisherige Oberklasse-Reihe Xperia Z. Wir haben uns Sonys Definition eines Oberklasse-Smartphones etwas genauer angesehen und festgestellt: Die Konkurrenz hat ihre Oberklasse-Geräte nicht nur früher in den Handel gebracht, sondern auch deutlich besser ausgestattet.

Sonys Xperia X wurde auf dem Mobile World Congress in Barcelona Ende Februar 2016 vorgestellt, soll aber erst Ende Mai auf den Markt kommen. Damit will Sony wieder im Smartphone-Markt wachsen. Es hat einen 5 Zoll großen Touchscreen und dadurch ein vergleichsweise kompaktes Gehäuse. Es ist allerdings auch nur einen halben Zentimeter schmaler als Samsungs Galaxy S7, das einen 5,1-Zoll-Touchscreen hat. Im Gegenzug ist das Xperia X einen halben Zentimeter höher. Das G5 von LG und das 10 von HTC sind jeweils deutlich größer, weil sie Displays mit einer größeren Bilddiagonalen haben.

Sony verzichtet beim Xperia X auf QHD-Display

Die Oberklasse-Smartphones der drei anderen Hersteller liefern alle eine Displayauflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln. Weil das Galaxy S7 das kleinste Display der drei Hersteller hat, erhalten Käufer des Samsung-Smartphones die höchste Pixeldichte mit 576 ppi. Von diesen Werten können Käufer des Xperia X nur träumen, denn Sony verbaut lediglich ein Full-HD-Display, wie es mittlerweile auch schon in Mittelklasse-Smartphones zu finden ist.

Das Xperia-X-Display erreicht somit eine vergleichsweise geringe Pixeldichte von 441 ppi und zeigt Inhalte zwar klar erkennbar an, an das Galaxy-S7-Display kommt es aber nicht heran. Für sich genommen liefert das Display gute Werte, aber im direkten Vergleich sind die Unterschiede dann doch auffällig. Die Blickwinkelstabilität ist nicht sonderlich gut, wird das Display zu stark geneigt, verdunkelt sich der Inhalt. Bei Sonnenlicht sind die Inhalte auf dem Display noch recht gut erkennbar.

Verbesserte Kamera mit neuen Problemen

Sony hat die Kamera im Xperia X im Vergleich zum Vorgänger Xperia Z5 bei der Detailzeichnung deutlich verbessert. Die Xperia-X-Kamera bietet eine Auflösung von bis zu 23 Megapixeln und liefert detailreichere Bilder. Während auf Fotos der Xperia-Z5-Kamera weit entfernte Objekte nur einen Pixelbrei hinterlassen, zeigt die Xperia-X-Kamera hier klar erkennbare Objekte, allerdings auch nicht frei von Schärferändern.


Allerdings schafft es Sony nicht, die hohe Auflösung auszureizen. Fotos mit Lenovos Moto G4 Plus bieten mehr Details mit weniger Schärferändern, obwohl die maximale Auflösung der Kamera im Lenovo-Smartphone nur 16 Megapixel beträgt. Außerdem sind wir insgesamt nicht so zufrieden mit den Ergebnissen der Xperia-Kamera, weil die Farben auf den Fotos zu knallig sind. Die Belichtung ist allerdings gut.

Sony hat in die Kamera des Xperia X einen verbesserten Autofokus eingebaut, der zügig reagiert und zielsicher scharf stellt. Er reicht aber nicht an den sehr schnellen Autofokus in der Kamera des Galaxy S7 heran, so dass Sony hier keine neuen Akzente setzen kann. Das Xperia X hat wieder einen separaten Kameraknopf, so dass die Kamera unkompliziert aufgerufen werden kann. Auf der Vorderseite ist eine 13-Megapixel-Kamera untergebracht, mit der sich gute Selbstporträts schießen lassen.

Ausstattung auf Mittelklasse-Niveau

Während die Topsmartphones der Konkurrenz mit leistungsfähigen Octa-Core-Prozessoren verkauft werden, enthält das Sony-Smartphone einen Hexa-Core-Prozessor, in dem Fall Qualcomms Snapdragon 650. Es gibt bei der Bedienung zwar keine Ruckler oder Hänger, aber die Leistungsreserven für anspruchsvolle Aufgaben könnten etwas geringer ausfallen. Auch bei der Speicherbestückung hinkt Sony der Konkurrenz hinterher: Statt 4 GByte Arbeitsspeicher gibt es beim Xperia X nur 3 GByte. Das Smartphone hat zudem 32 GByte Flash-Speicher und einen Steckplatz für Micro-SD-Karten mit bis zu 200 GByte.

Das LTE-Smartphone unterstützt Dual-Band-WLAN, Bluetooth 4.1 und hat einen GPS-Empfänger sowie einen NFC-Chip. Auf ein wasserdichtes Gehäuse hat Sony erstmals nach vielen Jahren wieder verzichtet. Wir finden diesen Schritt bedauerlich.

Das Xperia X hat im Einschalter einen Fingerabdrucksensor, der sich im Rand des Smartphones befindet. Er ist schnell angelernt und entsperrt das Smartphone zuverlässig. Wer zwischendurch mal den Sperrcode deaktiviert, muss den Fingerabdruck neu anlernen, das ist unkomfortabel, dieses Problem gibt es bei Smartphones anderer Hersteller nicht. Das Einschalten des Smartphones nur durch Halten des Fingers auf den Sensor ist allerdings nicht möglich. Das ist bei Smartphones üblich, die den Fingerabdrucksensor nicht im Einschalter untergebracht haben.

Veränderter Stamina-Modus

Im Xperia X steckt ein fest verbauter 2.620-mAh-Akku, mit dem das Smartphone bis zu zwei Tage ohne erneutes Aufladen verwendet werden kann, verspricht Sony. Das Xperia X hat wieder den Stamina-Modus, den Sony zwischenzeitlich für die unterstützten Geräte mit einem Update auf Marshmallow abgeschafft hatte. Er soll vor allem im Standby-Betrieb eine längere Laufzeit ermöglichen. Allerdings ist der neue Modus anders realisiert als der ursprüngliche Modus und standardmäßig nicht aktiviert. Er verringert automatisch die maximal mögliche Displayhelligkeit, so dass die Aktivierung des Akkusparmodus auch Einschränkungen bei der Nutzung des Geräts nach sich zieht. Diese Einschränkungen gab es beim ursprünglichen Stamina-Modus nicht.

Die Neuvorstellung erscheint mit Android 6.0 alias Marshmallow, darauf läuft Sonys angepasste Oberfläche mit einigen Optimierungen. Die Schnelleinstellungen können mit einem Wisch zur Mitte des Displays geöffnet werden, ohne dass ein zweifacher Wisch oder ein Zweifingerwisch notwendig ist, wie es standardmäßig bei Android seit einiger Zeit der Fall ist. Erfreulicherweise kann auch die Liste der zuletzt aufgerufenen Apps mit einem Befehl bereinigt werden.

Verfügbarkeit und Fazit

Sony will das Xperia X wie geplant Ende Mai 2016 für 600 Euro auf den deutschen Markt bringen, bisher ist es im Handel noch nicht verfügbar und kann weiterhin nur vorbestellt werden. Sony hat angekündigt, das Smartphone am 28. Mai 2016 im Handel haben zu wollen.

Fazit

Das Xperia X soll eigentlich mehr Kunden für die Geräte des Herstellers begeistern. Aber Sony schafft es nicht, ein konkurrenzfähiges Oberklasse-Smartphone anzubieten. Im Gegenteil: Das neue Topgerät ist noch weniger konkurrenzfähig als sein Vorgänger zum Zeitpunkt seines Erscheinens. An zu vielen Stellen bietet das Xperia X lediglich eine Mittelklasse-Ausstattung. Das beginnt bei der Displayauflösung und setzt sich beim Prozessor sowie der Arbeitsspeicherbestückung fort. Dennoch verlangt Sony einen Oberklasse-Preis für sein neues Modell.

Es ist etwas teurer als etwa Samsungs Galaxy S7 oder das G5 von LG, die mittlerweile bereits für weniger als 600 Euro zu haben sind. Im Vergleich zum Vorgänger hat es zwar eine bessere Kamera, die ist aber nicht gut genug, um die anderen Schwächen auszugleichen. Wer derzeit 600 Euro für ein neues Smartphone ausgeben will, ist hier mit Samsungs Galaxy S7 deutlich besser bedient.  (ip)


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