Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/moto-g4-plus-im-hands-on-lenovos-sonderbare-entscheidung-1605-120987.html    Veröffentlicht: 19.05.2016 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/120987

Moto G4 Plus im Hands on

Lenovos sonderbare Entscheidung

Mit dem Moto G4 Plus macht sich Lenovo selbst Konkurrenz. Die Smartphone-Neuvorstellung ähnelt dem Moto X Play auffallend - ist aber teurer. Ein paar Kaufgründe gibt es trotzdem.

Mit der Einführung der neuen Moto-G-Modellreihe setzt Lenovo einen neuen Schwerpunkt. Die Geräte boten bisher für wenig Geld eine solide Leistung wie das Moto G aus dem vergangenen Jahr. Die neuen Modelle orientieren sich stärker an der Konkurrenz aus der Oberklasse. Daraus folgt eine Preiserhöhung, die beim Moto G4 Plus besonders deutlich ausfällt, so dass es in die Preisklasse von Lenovos Topsmartphones aufsteigt.

Das Moto G4 Plus ist eine gehobene Ausführung des Moto G4, das gleichzeitig vorgestellt wurde. Es unterscheidet sich von diesem nur durch einen Fingerabdrucksensor und eine Kamera mit einer höheren Auflösung und ist noch einmal 50 Euro teurer.


Der Fingerabdrucksensor ist wie bei vielen anderen Smartphones auf der Vorderseite unterhalb des Displays untergebracht. Damit kann das Smartphone entsperrt werden, ohne dass auf einen Kennwortschutz verzichtet werden muss. Der Fingerabdrucksensor arbeitet zuverlässig und hat auch keine Probleme, wenn der Finger falsch auf dem Sensor liegt. Wer zwischendurch mal den Sperrcode deaktiviert, muss den Fingerabdruck neu anlernen, das ist unkomfortabel.

Gute Kamera macht detailreiche Fotos

Die 16-Megapixel-Kamera im Moto G4 Plus macht Fotos mit einer sehr guten Schärfe und vielen Details. Erfreulicherweise sind keine Schärferänder zu erkennen. Die Belichtung arbeitet verlässlich und kommt auch mit etwas schwierigeren Lichtverhältnissen gut klar. Der Laser-Autofokus stellt die gewünschten Bildbereiche zügig scharf.

Die Frontkamera hat wie beim Vorgängermodell 5 Megapixel, aber einen größeren Weitwinkelbereich. Bei Bedarf wird das Display beim Auslösen hell erleuchtet, um Selbstportraits heller zu machen, wenn das Umgebungslicht nicht ausreichend ist. Das funktioniert ziemlich gut, ohne dass die Aufnahme überstrahlt wirkt.

Mit der neuen Gerätereihe ist es vorbei mit dem kompakten Gehäuse. Statt eines 5-Zoll-Displays erhalten Käufer jetzt einen 5,5 Zoll großen Touchscreen. Dadurch wird das Gerät deutlich größer. Wer das 5-Zoll-Format bereits zu groß fand, wird sich mit der neuen Moto-G-Generation nur schwer anfreunden können. Die Ausstattung ist aber gut.

Lenovo denkt an die Bedürfnisse des Kunden

Lenovo hat sich bei der Ausstattung der neuen G-Modelle an der Oberklasse orientiert und erfüllt die Bedürfnisse der Nutzer recht gut. Das Full-HD-Display im Moto G4 Plus zeigt Inhalte klar und gut erkennbar an. Unser Testmuster hat einen unangenehmen Gelbstich, wenn von oben oder unten auf das Display geschaut wird. Ist der Blickwinkel eher gerade, gibt es die Probleme nicht. Es könnte sein, dass wir hier ein Gerät mit einem Fertigungsfehler erwischt haben und dieser Gelbstich sonst nicht auftaucht.

Die Kombination aus Snapdragon 617 und 2 GByte Arbeitsspeicher sorgt dafür, dass das Smartphone zügig reagiert und es keine Ruckler gibt. Der eingebaute Flash-Speicher ist mit 16 GByte zwar ausreichend, aber auch nicht gerade üppig. Weitere Daten können auf einer Micro-SD-Karte abgelegt werden, die bis zu 128 GByte groß sein kann.

Dual-SIM mit Zusatz-Service

Alle Moto-G4-Modelle kommen standardmäßig als Dual-SIM-Geräte auf den Markt - das war bisher nur beim Moto G der zweiten Generation der Fall. Dabei macht es Lenovo erfreulicherweise nicht wie manche Konkurrenten, die in ihren Geräten einen Kombi-Steckplatz aus SIM- und Micro-SD-Karte verbauen. Damit sind alle Dual-SIM-Funktionen blockiert, sobald eine Micro-SD-Karte verwendet wird. Beim Moto G4 Plus gibt es zwei SIM-Kartensteckplätze und einen separaten Slot für Micro-SD-Cards.

Ein netter Service: Lenovo hat in jeden der SIM-Kartensteckplätze Adapter eingesteckt. Denn das Gerät hat Micro-SIM-Steckplätze und mit den Adaptern lässt sich ohne Einschränkungen auch eine Nano-SIM nutzen. Der Käufer muss also nicht erst einen passenden Adapter besorgen.

Leider hat Lenovo bei beiden Moto-G4-Modellen auf den Wasserschutz verzichtet, den es beim Moto G vom Vorjahr noch gibt. Es ist nur ein Spritzwasserschutz übriggeblieben.

Das Smartphone läuft mit dem aktuellen Android 6.0 alias Marshmallow. Wie bei den Moto-Geräten üblich nimmt Lenovo fast keine Anpassungen an der Oberfläche vor.

Android 6.0 in der puren Version

Das hat aber auch den Nachteil, dass einige Komfortfunktionen fehlen, die bei Geräten der Konkurrenz seit langem selbstverständlich sind. So lassen sich die Schnelleinstellungen standardmäßig nicht verändern und die Liste der zuletzt geöffneten Apps kann nur mühsam bereinigt werden. Auch ein Mehrfenstermodus fehlt, der bei einem 5,5-Zoll-Display hilfreich sein kann.


Das Moto G4 Plus hat einen nicht auswechselbaren 3.000-mAh-Akku, der bei durchschnittlicher Nutzung einen Tag durchhalten soll. Käufer eines Plus-Modells erhalten zudem ein Schnellladenetzteil. Damit kann der Akku besonders zügig aufgeladen werden. Der Rückdeckel des Geräts kann problemlos gewechselt werden, allerdings ist ein Akkutausch nicht ohne weiteres möglich.

Keine Anpassungen der Hardware über Moto Maker

Lenovo sieht keinen Bedarf mehr bei den Kunden, den Akku auszutauschen. Das Argument: Smartphones würden üblicherweise nach spätestens drei Jahren ausrangiert. Für die Kunden sieht Lenovo auch nur Vorteile, wenn der Akku fest verbaut ist: Denn dann gilt die volle Gewährleistung von zwei Jahren auch für den Akku. Wenn er wechselbar ist, verringert sie sich für den Akku auf ein halbes Jahr. Anders als zunächst geplant kann auch die Neuvorstellung wieder auch mit mehr Speicher gekauft werden.

Verfügbarkeit und Fazit

Ab dem 24. Mai 2016 kann das Moto G4 Plus unter anderem über Moto Maker für 300 Euro vorbestellt werden. Dabei stehen verschiedenfarbige Rückseiten zur Auswahl, aber keine Varianten mit unterschiedlicher Speicherausstattung wie noch beim vorhergehenden Moto-G-Modell. Das Moto G4 Plus soll Mitte Juni 2016 auf den Markt kommen - bei den Netzbetreibern wird es das Smartphone wohl nicht geben.

Fazit

Mit dem Moto G4 Plus ist Lenovo ein gutes Smartphone mit einer ordentlichen Ausstattung gelungen. Wer derzeit ein Smartphone mit Fingerabdrucksensor, vollwertiger Dual-SIM-Unterstützung und 5,5-Zoll-Display sucht, wird kaum etwas Günstigeres finden. Erfreulicherweise hat sich Lenovo doch noch dagegen entschieden und erlaubt zumindest über Moto Maker eine Aufstockung des Speichers.

Sehr angenehm finden wir es hingegen, dass dem Smartphone gleich zwei Adapter beiliegen, um Nano-SIM-Karten direkt in den verbauten Micro-SIM-Kartensteckplätzen verwenden zu können. Das können sich andere Smartphone-Hersteller gerne als Vorbild nehmen.

Die größte preisliche Konkurrenz ist hier das Honor 7, das aufgrund eines kleineren Displays kompakter ist und eine Kamera mit einer höheren Auflösung bietet. Dafür gibt es keine vollwertige Dual-SIM-Unterstützung - der Kunde muss sich entscheiden: entweder Speicherkarte oder Dual-SIM.

Wer auf Fingerabdrucksensor und Dual-SIM-Fähigkeit verzichten kann, ist mit dem Moto X Play besser bedient. Denn das Moto X Play liefert im Kern eine vergleichbare Ausstattung wie das Moto G4 Plus, hat aber eine 21-Megapixel-Kamera und kostet mit derzeit 260 Euro auch noch weniger.

Nachtrag vom 25. Mai 2016

Entgegen dem urspünglichen Plan erlaubt Lenovo eine Aufstockung des Speichers, wenn das Moto G4 oder das Moto G4 Plus über Moto Maker bestellt werden.  (ip)


Verwandte Artikel:
Lenovo: Play Protect macht Bluetooth beim Moto G4 unbrauchbar   
(12.09.2017, https://glm.io/129993 )
Android-Smartphone: Lenovos neues Moto G gibt es gleich zweimal   
(17.05.2016, https://glm.io/120942 )
Motorola: Aktionspreise für aktuelle Moto-Smartphones   
(22.03.2016, https://glm.io/119921 )
Rückruf bei Aldi: Netzteile von Motorolas Moto G können überhitzen   
(12.08.2015, https://glm.io/115708 )
Honor 7X, Moto X4 und U11 Life im Test: Drei gute Alternativen zu teuren Smartphones   
(13.12.2017, https://glm.io/131619 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/