Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/googles-neuvorstellungen-alles-nur-geklaut-1605-120982.html    Veröffentlicht: 19.05.2016 09:27    Kurz-URL: https://glm.io/120982

Googles Neuvorstellungen

Alles nur geklaut?

Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor: Mit VR wie beim Oculus, einem Messenger wie Whatsapp und Anwendungen fürs Wohnzimmer hat Google zwar für sich neue Bereiche erschlossen, aber nicht für die Nutzer. Trotzdem könnten die Neuvorstellungen des Konzerns der Branche einen Schub geben.

Bei der Vorstellung von Googles Highlights auf der Entwicklerkonferenz Google I/O 2016 gab es einige Déjà-vus: Der Konzern dringt in einige neue Bereiche vor, in denen Konkurrenten schon länger unterwegs sind. Dazu zählen Virtual Reality, Messaging und der neue Google-Assistent, der über einen WLAN-Lautsprecher in den heimischen Räumen genutzt werden kann.

Nachzügler oder Innovationsbringer?

All das dürfte vielen Zuschauern der Keynote-Ansprache bekannt vorgekommen sein: Das Daydream-Headset samt Hauptmenü und Controller erinnert verdächtig an das Oculus Rift, Allo und Duo lassen an bekannte Messenger wie Whatsapp und Skype denken und der Lautsprecher Google Home scheint von Amazons Echo inspiriert. Also alles nur geklaut?

Nicht nur. Beim Thema VR hat sich Google zwar stark an den aktuellen Konstruktionen der Konkurrenz orientiert - es war auch an der Zeit, etwas Ernsthafteres als die bisherigen Pappbrillen zu präsentieren. Viel mehr Möglichkeiten als das Oculus Rift bietet Google allerdings nicht. Hier wird es sehr auf die Umsetzung der Software wie etwa Youtube ankommen. Was die Video-App Duo bringen wird, ist nach der Präsentation auf der Keynote allerdings noch nicht klar.

Maschinenlernen entwickelt sich zum Kernthema

Bei der Messaging-App Allo ist dagegen schon jetzt erkennbar, dass Google sich auch etwas einfallen lassen hat. Die Kopplung von Allo mit dem Google Assistant ist interessant. Diese neuen Produkte sind keine Kopie, sondern eine Fortführung der bisherigen Arbeit im Bereich des Maschinenlernens. Anstatt einfach eine neue Messaging-App auf den Markt zu werfen, hat Google sich überlegt, wie die bisherigen Erfolge mit künstlicher Intelligenz genutzt werden können.

Herausgekommen ist dabei ein Assistent, der kontextbasiert auf Eingaben reagieren kann und mit Google Home noch mehr als Google Now in den Alltag des Nutzers eingebunden werden soll. Wie bei der VR-Brille übernimmt Google aber wieder einiges von der Konkurrenz: Das Konzept gleicht dem, das Amazon mit Alexa in Verbindung mit den Echo-Geräten und dem Tap bereits verkauft - allerdings bislang nicht in Deutschland. Damit könnte Google der Branche einen kräftigen Schub geben.

Apples Siri und Microsofts Cortana hinken hinterher

Kontextbasierte Antworten können zwar auch Cortana und Siri geben, doch bisher gibt es kein mit Echo vergleichbares Gerät mit diesen Techniken. Daher könnte Google der erste Hersteller werden, der es mit Amazons Alexa-Ansatz aufnimmt. Bis zur Markteinführung von Home vergehen aber noch viele Monate, so dass auch Microsoft und Apple in diesem Jahr noch Zeit haben, nachzuziehen und ihre Assistenten über Smartphones hinaus im Alltag der Nutzer zu etablieren.

Es mag schwer vorstellbar erscheinen, aber solche Geräte könnten in einigen Jahren so selbstverständlich im Haushalt werden, wie Smartphones es heutzutage sind. Dann könnte jeder mit dem digitalen Assistenten im Hause sprechen, um Essen zu bestellen, im Internet etwas zu suchen oder auf Wikipedia zu recherchieren. Und damit ist für die Großen der Branche natürlich entscheidend, welcher Assistent die höhere Verbreitung hat.

Wer erreicht deutsche Kunden zuerst?

Leider bleiben die spannendsten Fragen vorerst unbeantwortet: Wird Google Home zu einem ähnlichen Preis wie die Echo- und Tap-Geräte auf den Markt kommen? Und wird Google sein neues Produkt auch in Deutschland anbieten? Google Home könnte hierzulande mit einem Vorsprung vor Amazons Alexa-Geräten starten, die noch nicht für den deutschen Markt angekündigt wurden. Bis zum zweiten Halbjahr 2016 hat Amazon aber noch viel Zeit, seine Führungsposition zu nutzen und auszubauen.

Für die Messaging-App Allo ist Maschinenlernen sehr präsent: Bei Unterhaltungen über Restaurants soll der Messenger gleich ein passendes vorschlagen und einen Tisch reservieren - dank des Google-Assistenten, der mit Allo zusammenarbeitet. Dies kann Nutzern den Alltag erleichtern. Ob die Kunden aber einen solchen Service sinnvoll finden und nutzen, muss sich erst noch zeigen.

Ohne Daten funktioniert nix

Bei aller Begeisterung darf dabei natürlich nicht vergessen werden, dass der neue Assistent und damit auch Allo und Google Home noch mehr als bisherige Google-Dienste darauf basieren, dass Nutzer ihre Daten zur Verfügung stellen. In Deutschland waren viele von Amazon Echo, das bei allem zuhört, nicht begeistert - die gleichen Vorbehalte dürfte es bei Google Home geben. Sowohl Amazon als auch Google wären gut beraten, die Sorgen der Kunden in Deutschland ernst zu nehmen.

Die auf der Google I/O gezeigten Ansätze machen deutlich, worum es Google geht: Das Unternehmen möchte keine Zukunftstechnik unberücksichtigt lassen und in allen Feldern präsent sein. Für Kunden kann es dabei nur von Vorteil sein, wenn sie die Wahl zwischen möglichst vielen Produkten haben. Wer sich also am Ende nicht für die Produkte von Google entscheidet, könnte dennoch indirekt von dem profitieren, was Google macht.  (tk)


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