Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/art-camera-googles-spezialkamera-scannt-kunstwerke-1605-120956.html    Veröffentlicht: 18.05.2016 11:14    Kurz-URL: https://glm.io/120956

Art Camera

Googles Spezialkamera scannt Kunstwerke

Wie führten impressionistische Maler den Pinsel? Im Museum lässt sich das kaum beurteilen - in einer hochaufgelösten Ansicht am Computer schon. Dafür hat Googles Art Camera schon über tausend Gemälde gescannt.

Eine Kamera für die Kunst: Das Google Cultural Institute digitalisiert Kunstwerke und stellt sie hochaufgelöst ins Internet. Dafür hat Google eigens eine Kamera entwickelt: die Art Camera.

Viele Bilder geben wichtige Merkmale erst in der Nahansicht preis - etwa Vincent van Goghs oder Claude Monets Pinselstriche, die entscheidend sind für die Wirkung der impressionistischen Gemälde. Im Museum kommt der Betrachter aber oft genug nicht nahe genug an ein Gemälde heran, um diese Details wahrzunehmen. In Googles hochaufgelösten Ansichten hingegen ist es möglich, nahe genug heranzuzoomen.

Ein Motor bewegt die Kamera

Die Art Camera ist kardanisch aufgehängt und wird motorisiert gesteuert - vergleichbar dem automatischen Panoramakopf Gigapan, an dessen Entwicklung Google beteiligt war. Die Kamera wird vor dem Bild postiert und dann eingerichtet. Das bedeutet, der Fotograf gibt den Aufnahmebereich vor, indem er die Kamera auf die vier Ecken des Bildes richtet. Alles Weitere läuft automatisch ab.

Die Kamera fokussiert mit Hilfe eines Lasers und eines Ultraschallsensors. Dann tastet sie das Bild systematisch ab und nimmt mehrere tausend Einzelbilder auf. Diese werden an Googles Server übertragen und montieren daraus ein Bild mit einer Auflösung im Gigapixel-Bereich. Das dauert nur einige Stunden.

Ein Scan dauerte fast einen Tag

Solche Bilder zu erstellen, war sehr aufwendig: Fast einen ganzen Tag habe es früher gedauert, ein 1 Meter x 1 Meter großes Bild zu scannen, sagte Marzia Niccolai vom Google Cultural Institute dem US-Onlinemagazin The Verge. Entsprechend hatte das Institut in den ersten fünf Jahren seit der Gründung im Jahr 2011 nur rund 200 Bilder digitalisiert.

Das hat sich laut Niccolai mit der Art Camera "drastisch" geändert: Die Aufnahme eines 1 Meter x 1 Meter großes Bildes dauert jetzt nur noch eine halbe Stunde. In den wenigen Monaten mit der Art Camera haben die Google-Mitarbeiter 1.000 weitere Bilder gescannt.

Weiterer Grund für die Beschleunigung: Früher musste das Institut die Ausrüstung mieten. Insgesamt hat Google 20 Art Cameras bauen lassen. Diese stellt das Google Cultural Institute Museen kostenlos zur Verfügung, damit diese ihre Bilder scannen und über das Internet verfügbar machen können.  (wp)


Verwandte Artikel:
Google Cultural Institute: Google eröffnet Online-Geschichtsausstellungen   
(11.10.2012, https://glm.io/95044 )
Art Project: Mit Google ins Museum   
(01.02.2011, https://glm.io/81120 )
World Wonders Project: Google stellt Weltwunder vor   
(01.06.2012, https://glm.io/92234 )
Gigapixel: Automatisierte HDR-Aufnahmen in riesiger Auflösung   
(11.05.2011, https://glm.io/83384 )
Game Science Center in Berlin: Eindimensionales Diablo trifft vielfarbige Sandbox   
(11.12.2015, https://glm.io/117957 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/