Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/oracle-vs-google-wie-viel-fair-use-steckt-in-11-000-codezeilen-1605-120831.html    Veröffentlicht: 11.05.2016 10:56    Kurz-URL: https://glm.io/120831

Oracle vs. Google

Wie viel Fair Use steckt in 11.000 Codezeilen?

Vor Gericht streiten Oracle und Google um 11.000 Codezeilen API-Code: Diese seien laut Oracle entscheidend für den Erfolg von Android gewesen, für Google sind sie nur ein winziger Bruchteil des Gesamtwerks. Google hofft auf ein Fair-Use-Urteil.

Im Rechtsstreit zwischen Oracle und Google haben die Anwälte beider Seiten vor Gericht dargelegt, wie sehr sich die 37 API-Schnittstellen, die Google ohne Lizenz von Oracle für sein Betriebssystem Android übernommen hatte, auf das eigene Geschäft ausgewirkt haben. Für Google sind die insgesamt rund 11.000 Codezeilen im Android-Quelltext nicht der Rede wert, für Oracle hingegen schon.

Fair Use, oder: Wie wichtig sind 11.000 Zeilen Code?

Google hofft in dem Verfahren auf ein Fair-Use-Urteil. Dieses würde eine Geldstrafe für Google kleiner ausfallen lassen als ein Urteil, das eine Urheberrechtsverletzung ohne Fair Use feststellen würde.

Oracle-Anwalt Peter Bicks scheut in seiner Argumentation über die Wichtigkeit des übernommenen Codes keine historischen Vergleiche, wie Ars Technica schreibt: Die Apollo-Mondlander seien mit insgesamt 10.000 Codezeilen auf dem Mond gelandet. Googles Anwalt Robert Van Nest hingegen bezeichnet die Auswirkungen des Codes auf den gesamten Quelltext von Android als marginal: Es handele sich lediglich um "weniger als ein Zehntel eines Prozents" des Gesamttextes.

Google habe die 37 Java-APIs zudem transformativ genutzt, sie also mit eigenen APIs kombiniert und nicht direkt weiterverwendet. Oracles APIs alleine seien zu wenig gewesen, um darauf ein komplettes Betriebssystem zu bauen.

Google hat mit Android 42 Milliarden US-Dollar umgesetzt

Die Gegenseite sieht das naturgemäß anders: Bicks weist wie in früheren Verfahren darauf hin, dass Google dank Oracles Java-APIs Milliarden an Umsatz generiert habe. Beim aktuellen Verfahren nennt er als Zahl 42 Milliarden US-Dollar bei drei Milliarden aktivierten Android-Smartphones - alles mit Oracles geistigem Eigentum drauf.

Gleichzeitig sei Oracles Geschäft durch den Aufstieg Androids geschädigt worden, auch weil sich auf Java basierende Mobiltelefone fortan nicht mehr verkauften. Dass Google sich jetzt auf Fair Use beruft, sieht Oracle als faule Ausrede.

In einer früheren Verfahrensstufe hatte ein Gericht bereits entschieden, dass Google die APIs unrechtsmäßig verwendet. Dieses Urteil wurde jedoch von einem Berufungsgericht gekippt. Bei einer Verurteilung Googles drohen dem Unternehmen Strafzahlungen in Milliardenhöhe.  (tk)


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