Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/zerotouch-im-hands-on-logitechs-smartphone-halterung-fuers-auto-fehlt-etwas-1605-120808.html    Veröffentlicht: 11.05.2016 09:01    Kurz-URL: https://glm.io/120808

Zerotouch im Hands on

Logitechs Smartphone-Halterung fürs Auto fehlt etwas

Smartphones im Auto können gefährlich ablenken. Mit einer speziellen Halterung von Logitech soll das nicht so leicht passieren, dank komfortabler Sprachsteuerung und einfacher Gestenfunktionen. Beim Ausprobieren zeigte sich allerdings so manche Schwäche.

Mit Zerotouch steigt Logitech in einen neuen Marktbereich ein. Die spezielle Smartphone-Halterung soll sich durch neue Bedienmöglichkeiten von der Konkurrenz abheben. Es gibt sie in zwei Ausführungen: Die erste ist zum Einklemmen in die Lüftungsschlitze in einem Auto gedacht, die andere kann auf dem Armaturenbrett oder an der Windschutzscheibe befestigt werden. Wir haben uns die Einklemmvariante näher angeschaut.

Kernstück beider Halterungen ist eine passende App, die es kostenlos in Googles Play Store gibt. Vorerst bietet Logitech das System nur für Android-Smartphones an, erst für einen späteren, noch ungenannten Zeitpunkt ist eine iOS-Variante geplant. Die Zerotouch-App leistet die Sprachsteuerung und Gestenaktivierung auf dem Smartphone.

Das Smartphone wird per Magnetkraft an der Halterung befestigt, dafür liegen passende Metallplättchen bei. Ein Plättchen wird dauerhaft auf die Rückseite des Smartphones geklebt - es bleibt auch daran, wenn das Smartphone nicht mit der Halterung verwendet wird. Wen das stört, der kann es auch an eine passende Hülle kleben.

Halterung mit Bluetooth-Technik

In der Halterung steckt ein Bluetooth-Chip, der mit einer Batterie in Knopfzellen-Form versorgt wird. Bei einer Nutzung von täglich zwei Stunden verspricht Logitech eine Nutzungszeit von insgesamt zwei Jahren. Die Batterie kann zwar ausgetauscht werden, aber das ist sehr fummelig und wenig kundenfreundlich gelöst.

Sobald das Smartphone auf die Halterung gelegt wird, baut sich eine Bluetooth-Verbindung auf, mit der die Zerotouch-App aktiviert wird. Diese muss im Hintergrund laufen, sonst geschieht nichts. Außerdem sollte der Smartphone-Akku geladen oder eine passende Ladevorrichtung vorhanden sein.

Sobald die App läuft und die Bluetooth-Verbindung zur Halterung besteht, erhält das Smartphone eine neue Bedienungsgeste, mit der die Zerotouch-App aktiviert wird. Dazu wird die Hand vor den Näherungssensor gehalten, der sich üblicherweise im oberen Bereich des Smartphones befindet. An die Geste gewöhnt man sich schnell und muss nach einiger Übung nicht die Augen von der Straße nehmen, um sie zu aktivieren. Mit der gleichen Geste kann außerdem ein Befehl abgebrochen werden.

Viele Apps machen noch nicht mit

Die Sprachsteuerung der App ist im Grunde auf zwei Arten möglich. Entweder wird eine ganze Befehlskette gesprochen, oder die Befehle werden Stück für Stück an die App gereicht. Dann fragt die App nach, welche Optionen der Nutzer wählen möchte und assistiert beim weiteren Vorgehen. Die Spracherkennung funktionierte überwiegend gut, gelegentlich hatte die App allerdings Probleme bei der Worterkennung. Die Sprachsteuerung setzt auf eine Lösung von Nuance und benötigt eine Internetverbindung, weil die App auf einen Cloud-Dienst zugreift.

Mit Sprachbefehlen lassen sich Anrufe tätigen oder entgegennehmen. Außerdem können Textnachrichten über Google Hangouts, Whatsapp und den Facebook Messenger versendet werden. Andere Messenger werden nicht unterstützt. Auch die Unterstützung von Musik-Apps ist vergleichsweise dürftig: Nur Spotify und Deezer lassen sich über die Zerotouch-App nutzen, weitere Musik-Apps sind zurzeit nicht vorgesehen.

Etwas besser sieht es auf den ersten Blick bei Navigations-Apps aus. Hier können alle Apps gewählt werden, die auf dem Smartphone installiert sind. Allerdings gelang es uns nur mit Google Maps, tatsächlich eine Navigation durchzuführen. Wir haben es mit Here Maps, Tomtom Go und mit Maps.Me ausprobiert, aber keine hat eine Navigation per Sprachbefehl gestartet.

Alle drei Apps haben zwar die Zieladresse angezeigt, aber die Navigation musste manuell mit dem Button auf der Smartphone-Touchscreen initiiert werden. Und das führte genau zu der Ablenkung, die Logitechs System verringern will. Die Zerotouch-App ist offenbar nicht in der Lage, eine Navigation außerhalb von Google Maps zu starten - eine deutliche Einschränkung.

Verfügbarkeit und Fazit

Logitechs Zerotouch ist mittlerweile im hauseigenen Onlinestore. Logitech gibt an, dass es die Halterung ab auch in den Onlineshops von der Deutschen Telekom und von Vodafone verfüg sein soll, dort ist die Halterung aber weiterhin nicht gelistet. Generell gibt es die Halterung vorerst nur online. In den Telekom- und Vodafone-Shops soll es die Halterung ab Anfang Juni 2016 geben.

Die Halterung für Lüftungsschlitze kostet 60 Euro, für die für die Windschutzscheibe oder das Armaturenbrett verlangt Logitech 80 Euro. Der Version für Lüftungsschlitze liegen zwei Metallplättchen bei, eine Anleitung gibt es nicht. In der im Play Store verfügbaren Zerotouch-App gibt es ein Tutorial, das bei der grundlegenden Einrichtung hilft. Die App benötigt ein Smartphone, auf dem mindestens Android 4.4 läuft.

Fazit

Beim ersten Ausprobieren konnte uns Zerotouch als Gesamtpaket nicht recht überzeugen. Die Halterung selbst machte keine Schwierigkeiten: Sie hält das Smartphone dank Magnetkraft zuverlässig fest. Zudem kann das Smartphone ohne viel Gefummel an der Halterung befestigt und auch wieder gelöst werden. Aber das leisten auch andere Halterungen für weniger Geld.

Auch die Sprachsteuerung an sich funktioniert recht gut, hatte aber immer mal wieder Verständnisprobleme. Das Starten der Sprachsteuerung mit der Handgeste ist zwar eingängig, lenkt aber doch wieder mehr ab als ein gesprochenes Aufweckkommando. Hier zeigt Google Now, wie es besser geht: Mit den Worten "Ok Google" wird das Smartphone aufgeweckt und ist für Sprachanweisungen bereit.

Wenig zufrieden waren wir vor allem mit der Interaktion zwischen der Zerotouch-App und Apps anderer Anbieter. Die versprochene Unterstützung beliebiger Navigations-Apps wird nicht erfüllt, weil sich außer in Google Maps keine Navigation per Sprache starten ließ.

Mit einem Preis von 60 bis 80 Euro ist die Zerotouch-Halterung vergleichsweise kostspielig. Reine Magnethalterungen gibt es bereits für um die 10 Euro - dann eben ohne Zerotouch-App. Aber hier kann der Nutzer auf Google Now zurückgreifen, das eine ähnlich umfassende Sprachsteuerung bietet. Die Zerotouch-App erscheint uns sehr verbesserungswürdig. Sollte Logitech die Probleme mit App-Updates lösen können, könnte Zerotouch ein passables System werden.

Nachtrag vom 11. Mai 2016, 14:23 Uhr

Zumindest eine externe Navigations-App soll mit der Zerotouch-App zusammenarbeiten, gab Logitech bekannt. Allerdings erst seit heute. Navigon hat seine Select-Version aktualisiert und erklärt, dass die App an Zerotouch angepasst worden sei. Die übrigen Varianten der Navigon-App hätten das notwendige Update hingegen nicht erhalten.  (ip)


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