Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ubiquiti-amplifi-heimrouter-mit-bluetooth-smart-zwang-1605-120804.html    Veröffentlicht: 10.05.2016 13:00    Kurz-URL: https://glm.io/120804

Ubiquiti Amplifi

Heimrouter mit Bluetooth-Smart-Zwang

Ubiquiti Networks entwickelt sich zum Vollsortiment-Netzwerkanbieter. Neuerdings bietet das Unternehmen auch einen Heimrouter an. Der fällt vor allem dadurch auf, dass er auf eine Webkonfiguration verzichtet. Bluetooth Smart ist Pflicht.

Ubiquitis erster Heimrouter unterscheidet sich deutlich von der Konkurrenz. Statt eines auffallenden Antennendesigns verbaut der Netzwerkspezialist lieber ein Display mit Touch-Bedienung im Gehäuse des Amplifi genannten Geräts (PDF-Datenblatt) und bedient damit auch eine technisch interessierte Zielgruppe. Touchscreens sind in Routern selten; Mikrotik bietet solche Geräte etwa an. Zudem wird Amplifi von Ubiquiti nur als System abgegeben. Neben dem Router werden zwei sogenannte Super Extender als Repeater mitgeliefert.

Amplifi arbeitet entsprechend dem IEEE-Standard 802.11ac als Dual-Band-System. Die maximale Bruttodatenrate über alle Funkeinheiten gemessen liegt bei 2,35 GBit/s. Ein Modell soll sogar 5,25 GBit/s erreichen. Wie diese kumulierten Werte allerdings zustande kommen, ist unklar. Laut Hersteller funkt die n-Einheit mit maximal 300 MBit/s. Die ac-Einheit schafft 1,3 GBit/s.

Mehr Reichweite mit den beigelegten Extendern

Mit den beiden Extendern wird die Reichweite verbessert. Sie werden einfach in eine Steckdose gesteckt, die dem Typ-B (110 Volt) entsprechen muss. Ob das interne Netzteil auch andere Spannungen zulässt, ist unbekannt. Eine LED-Anzeige auf den Extendern lässt darauf schließen, wie gut die Verbindung zum Router ist. Die magnetisch angesteckte Antenne kann unabhängig vom Stecker bewegt werden. Wer will, kann nach der automatisierten Kopplung manuell auf das 2,4-GHz-Band schalten. Dieses hat vor allem Reichweitenvorteile, geht aber auf Kosten der Geschwindigkeit.

Auf der Rückseite des Geräts befinden sich vier reguläre GbE-Ports und ein WAN-Port. Außerdem gibt es einen USB-Anschluss und einen Micro-USB-Anschluss. Letzterer kümmert sich um die Stromversorgung des Geräts. Ubiquiti warnt aber davor, andere Netzteile als das mitgelieferte zu verwenden. Darüber nimmt der WLAN-Router maximal 11 Watt an elektrischer Leistung auf. Der andere USB-Anschluss ist derzeit noch funktionslos.

Android oder iOS ist Pflicht

Bedient und konfiguriert wird der Router über eine Android- oder iOS-App. Über diese ist auch ein Geschwindigkeitstest der Leitung möglich. Ein Webinterface gibt es nicht. Ubiquiti spart sich so eventuelle Inkompatibilitäten durch die Webbrowser. Interessanterweise verbindet sich die App per Bluetooth Low Energy (alias Bluetooth Smart) mit dem Gerät. Ein Zugang zur Konfiguration von außen per WAN oder innen per (W)LAN sollte damit ausgeschlossen sein. Wer allerdings kein modernes Smartphone besitzt, der kann den Router nicht konfigurieren. Reguläres Bluetooth alias Bluetooth Classic reicht nicht aus.

Router hat zunächst nur wenige Funktionen

Aus der noch nicht vollständig verfügbaren Dokumentation ist allerdings bereits ersichtlich, dass die App nicht viele Optionen liefern wird. Gast-WLAN, DHCP und Port-Forwarding sind nach derzeitigem Stand enthalten. Automatisiert wird auf Wunsch des Anwenders das Frequenzband-Verhalten der Clients. Der Router versucht, diese kontinuierlich zu beobachten und im günstigen Fall auf das obere Frequenzband zu schieben. Eine Funktion, die in controllerbasierten WLAN-Systemen üblich ist. Allerdings soll die Funktion in Verbindung mit den Repeatern Nachteile haben, weswegen sie nicht von vornherein aktiviert ist.

Es ist davon auszugehen, dass Ubiqiti weiter an der Amplifi-Software arbeitet. Das zeigt auch der noch funktionslose USB-Anschluss. Amplifi ist zudem als erweiterbare IoT-Plattform gedacht. Zusätzliche Geräte soll es später geben. Konkrete Ankündigungen gibt es noch nicht.

Erstmal nur für die USA

Der Router kann derzeit in den USA vorbestellt werden. Für rund 200 US-Dollar (netto) gibt es den Router und zwei Repeater. Für 100 US-Dollar oder 150 US-Dollar extra gibt es Repeater mit jeweils höherer Reichweite (26 dBm statt 24 dBm). Das teuerste Modell hat zudem sechs statt vier Funkeinheiten.

Die Angaben sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Wie erwähnt ist das Material seitens Ubiquiti noch nicht vollständig. Zudem widersprechen die Angaben auf der Webseite teilweise denen, die beispielsweise Ars Technica bekommen hat. Laut Ars Technica werden die Systeme im Laufe des Sommers ausgeliefert. Ubiquiti gibt keinen Erscheinungstermin an. Irgendwann wird Ubiquiti den Router auch in Europa anbieten wollen, entsprechende Konformitätserklärungen finden sich in der Dokumentation.

Ubiquiti Networks hat in den vergangenen Jahren sein Angebot stark erweitert. Während sich das Unternehmen anfangs vor allem mit Funksystemen beschäftigte und mit einem vergleichsweise niedrigen Preis, aber auch geringem Funktionsumfang etwa WLAN-Systeme für Unternehmen verkaufte, bietet es mittlerweile auch Switches, Router, VoIP-Telefone. Bisher lag der Fokus also vor allem auf dem Geschäftskundenfeld. Mit dem Amplifi-Router soll auch der Heimanwender erreicht werden.  (ase)


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