Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/videostreaming-droht-amazon-wegen-des-prime-abos-eine-kartellbeschwerde-1604-120544.html    Veröffentlicht: 26.04.2016 09:34    Kurz-URL: https://glm.io/120544

Videostreaming

Amazon droht Kartellbeschwerde wegen Prime-Abo

Amazons Video-Streaming-Abo Prime Video ist für ProSiebenSat.1 ein Ärgernis: Das Fernsehunternehmen sieht darin ein unzulässiges Kopplungsangebot und will sich deswegen beim Kartellamt beschweren.

Amazon droht ein Kartellverfahren in Deutschland: ProSiebenSat1 will beim Bundeskartellamt Beschwerde gegen den Konzern einlegen. Es geht darum, dass Kunden des Prime-Abos auch Zugriff auf das Video-Streaming-Angebot von Amazon erhalten, ohne dass dafür zusätzliche Gebühren anfallen. Das Medienunternehmen ProSiebenSat.1 sieht darin nach einem Bericht des Handelsblatts ein unzulässiges Kopplungsangebot.

Formelle Beschwerde liegt noch nicht vor

Eine formelle Beschwerde liege noch nicht vor, aber das Fernsehunternehmen stehe deswegen bereits in Verbindung mit dem Bundeskartellamt, zitiert das Handelsblatt aus Branchenkreisen. Bis es zu einer formellen Beschwerde beim Bundeskartellamt kommt, sei es nur eine Frage der Zeit. Offiziell bestätigen will ProSiebenSat.1 diese Pläne bisher nicht.

ProSiebenSat.1 betreibt in Deutschland nicht nur etliche Fernsehsender, sondern auch den Video-Streaming-Dienst Maxdome und steht damit im Bereich Videostreaming in direkter Konkurrenz zu Amazon und Netflix. Maxdome und Netflix bieten ihre Abos nur als Monatspaket an. Auch bei Amazon gibt es eine monatliche Bezahloption, auch wenn das Onlinekaufhaus diese Option seit vielen Monaten gut zu verbergen weiß: Auf Amazons Webseiten zum Video-Streaming-Abo wird immer nur auf das Prime-Jahresabo verwiesen, nicht auf das monatliche Prime-Video-Abo. Interessenten müssen schon gezielt danach suchen, um das monatliche Prime-Video-Abo zu entdecken.

Auch der Handelsblatt-Bericht geht davon aus, dass es Amazons Video-Streaming-Abo nur als Jahrespaket gibt. Auf den Monatspreis gerechnet ist Amazons Video-Streaming-Abo in Deutschland der mit Abstand günstigste Dienst, wenn das Prime-Jahresabo für 49 Euro gebucht wird. Die monatlichen Gebühren liegen dann rechnerisch bei 4,08 Euro. Im Preis enthalten sind unter anderem zusätzlich ein schnellerer Versand, eine Lieferung noch am gleichen Tag in einigen Stadtgebieten, das Musik-Streaming-Abo Prime Music und der Zugriff auf die Kindle-Leihbücherei.

Prime Video und Maxdome-Abo mit identischem Preis

Die monatliche Buchung von Prime Video ist bei Amazon für 7,99 Euro möglich - exakt so viel kostet auch das Maxdome-Abo. Sowohl das Maxdome-Abo als auch Prime Video können vom Kunden monatlich gekündigt werden. Wer das jeweilige Abo also nicht das gesamte Jahr nutzen möchte, kann dadurch die jährlichen Kosten verringern. Wer Prime Video sieben Monate im Jahr bucht, zahlt dafür allerdings bereits mehr als für das Amazon-Jahresabo.

Während Amazon-Kunden die Kündigung des Prime-Video-Abos bequem über das Benutzerkonto mit einem Mausklick erledigen können, steht diese Option Maxdome-Kunden nicht zur Verfügung. Eine Kündigung bei Maxdome ist nur per E-Mail, über Facebook, mit einem Brief, per Fax oder telefonisch möglich und erfordert damit vom Kunden einen höheren Aufwand.

Die Streaming-Video-Abos funkionieren bei allen Anbietern nach dem gleichen System: Kunden können innerhalb des Abos diverse Spielfilme und Serien anschauen, ohne dafür zusätzlich bezahlen zu müssen. Das Sortiment verändert sich im Laufe der Zeit, es kommen andere Filme und Serien dazu, auf der anderen Seite werden auch Inhalte aus dem Abo wieder herausgenommen, die dann nicht mehr verfügbar sind.  (ip)


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