Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/niederlande-betreiber-von-verschluesselungsdienst-ennetcom-festgenommen-1604-120538.html    Veröffentlicht: 25.04.2016 16:54    Kurz-URL: https://glm.io/120538

Niederlande

Betreiber von Verschlüsselungsdienst Ennetcom festgenommen

Der Chef des größten niederländischen Anbieters verschlüsselter Kommunikation ist von der Polizei festgenommen worden. Ihm wird aber nicht der Betrieb des Netzwerkes zur Last gelegt - auch wenn es der Polizei ein Dorn im Auge ist.

Der 36-jährige Danny Manupassa ist von der niederländischen Polizei für zunächst 14 Tage festgenommen worden, wie Reuters berichtet. Gegen den Inhaber des Unternehmens Ennetcomm wird Berichten zufolge wegen des Verdachts auf Geldwäsche und illegalen Waffenbesitzes ermittelt. Ennetcom bietet verschlüsselte Kommunikation auf Blackberry-Basis an.

In einem Statement der Staatsanwaltschaft heißt es, dass "Polizei und Ermittlungsbehörden glauben, dass sie das größte von der organisierten Kriminalität in den Niederlanden genutzte verschlüsselte Netzwerk" gefasst hätten. Wie die Polizei ein verschlüsseltes Netzwerk fassen will, bleibt ihre Sache.

Ennetcom warnt auf der Webseite

Auf der Webseite von Ennetcom werden Besucher derzeit mit einem Pop-up über die Verhaftung informiert. In dem in radebrechenden Deutsch verfassten Statement heißt es: "In der Vergangenheit wurde öfter versucht uns zu deaktivieren, unter anderem von der niederländischen Geheimdienstes, aber diese Bemühungen waren erfolglos." Auf der Webseite schreibt das Unternehmen außerdem, dass es "unmöglich" sei, die Geräte "mit Trojanern oder Viren zu infizieren". Ennetcom verkauft modifizierte Blackberry-Geräte für rund 1.500 Euro pro Stück. Die Geräte sind so konfiguriert, dass keine normalen Telefongespräche mehr geführt werden können. Alle Gespräche werden über die Ennetcom-Server verschlüsselt abgewickelt.

Ein Großteil der Ennetcom-Server steht nicht in den Niederlanden, sondern in Kanada, wo auch Blackberry seinen Sitz hat. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben rund 19.000 Kunden, von denen die meisten aus den Niederlanden kommen. Immer wieder seien die Geräte in Verfahren um Drogenhandel, bei Biker-Streitigkeiten und Gang-Auseinandersetzungen aufgetaucht, sagte ein Ermittler. Als Reaktion auf die Ermittlungen wurden jetzt alle Server abgeschaltet, weil die laufenden Ermittlungen die Privatsphäre der Nutzer beeinträchtigen würden.  (hg)


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