Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/iphone-freischaltung-apple-bleibt-in-weiterem-gerichtsverfahren-standhaft-1604-120511.html    Veröffentlicht: 23.04.2016 13:36    Kurz-URL: https://glm.io/120511

iPhone-Freischaltung

Apple bleibt in weiterem Gerichtsverfahren standhaft

Auch in einem weiteren Verfahren um die Freischaltung des iPhones eines Angeklagten hat Apple nicht nachgegeben - die Ermittler konnten dem mutmaßlichen Täter letztlich den Code entlocken. Apple begründet seinen Widerstand unter anderem mit den Gefahren durch einen möglichen Präzedenzfall.

Apple hat in einem zweiten Streitfall um die zwangsweise Entsperrung des iPhones eines Angeklagten die Forderungen der US-Behörden nach Freischaltung wieder abgelehnt. Inzwischen sind die Behörden wiederum ohne Hilfe von Apple an die Daten gekommen und haben den Druck auf den Konzern aufgegeben. Diesmal mussten die Ermittler das Smartphone nicht einmal hacken - der Angeklagte selbst gab letztlich die Zahlenkombination preis. Zuvor hatte er behauptet, er habe sie vergessen.

Apple begründet Verweigerung mit Gesetzesgrundlage

Apple hatte seinen Widerstand im vorliegenden Fall auch damit begründet, dass die Ermittler als rechtliche Grundlage ein Gesetz aus dem Jahre 1789 nutzten, das Richtern grundsätzlich erlaube, alle nötigen Maßnahmen zur Durchsetzung des Rechts anzuordnen. Apple warnte, ein solcher Präzedenzfall könne die Tür für eine weitreichende Überwachung öffnen. Ein Richter in New York stellte sich auf die Seite des Konzerns.

Die Regierungsseite wollte die Entscheidung des New Yorker Richters kippen, mit dem Ende des jetzigen Verfahrens bleibt diese noch im Raum stehen. Apple hatte bereits vergangene Woche eine Einstellung gefordert - die Ermittler hätten nicht nachgewiesen, dass sie alle Möglichkeiten zum Knacken des iPhones ohne Hilfe des Konzerns ausgeschöpft hätten.

FBI war San-Bernardino-Hack 1,3 Millionen US-Dollar wert

Zuvor war das FBI im Fall um die Attentäter von San Bernardino bereits ohne Apples Hilfe an Daten in einem iPhone gekommen, weil die Ermittler externe Unterstützung bekamen. Laut Medienberichten kauften sie für 1,3 Millionen US-Dollar einen Hack, mit dem das betroffene iPhone 5c dank einer Schwachstelle geknackt werden konnte. Es gibt aber noch weitere Gerichtsverfahren zu vergleichbaren Sachverhalten - und bei den Ermittlern liegen Dutzende verschlüsselte iPhones, auf die sie nicht zugreifen können.

Im Gespräch ist ein Gesetz, mit dem ein Zugang für Behörden zu verschlüsselten Informationen geregelt werden soll. Auch Apple fordert eine Klärung des Streits um Verschlüsselung im Kongress. Eine Sprecherin des Justizministeriums erklärte dem Finanzdienst Bloomberg, der Regierungsseite gehe es nicht um einen Präzedenzfall. Apple wollte die Entwicklung zunächst nicht kommentieren.  (tk)


Verwandte Artikel:
Fast 8.000 Fälle: FBI kann jedes zweite Gerät nicht mehr knacken   
(11.01.2018, https://glm.io/132106 )
iPhone-Entsperrung: Behörden wollen Identität des Hackers geheim halten   
(19.03.2017, https://glm.io/126806 )
17 Monate Beugehaft: Mutmaßlicher Pädokrimineller soll Festplatten entschlüsseln   
(21.03.2017, https://glm.io/126855 )
Siri: Apple wird wegen Patentverletzung verklagt   
(11.03.2018, https://glm.io/133268 )
Kriminalität: Mann droht Firma mit Hack, um Job zu bekommen   
(02.01.2018, https://glm.io/131915 )

© 1997–2021 Golem.de, https://www.golem.de/