Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0101/12049.html    Veröffentlicht: 31.01.2001 17:18    Kurz-URL: https://glm.io/12049

E-Kreide - Multimedia-Tafel für Präsenz- und Fernunterricht

Neue Software vereint klassische Kreidetafel mit multimedialen Möglichkeiten

Die elektronische Kreidetafel soll die Vorteile der klassischen Kreidetafel mit den multimedialen Fähigkeiten eines Teleteaching-Systems verbinden. Neben der Benutzung als herkömmliche Tafel sind Bilder und interaktive Java-Programme während des Vortrags in das Tafelbild integrierbar. Die unter dem Namen "E-Kreide" vorgestellte Software-Lösung bietet zudem eine Formelauswertung sowie einen Funktionsplot.

Das Ziel des Projekts "E-Kreide" war, alle pädagogischen Vorteile der klassischen Kreidetafel beizubehalten, sie jedoch auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. Es sollten die elektronischen Medien genutzt werden, ohne dabei langweilige und inhaltsleere Vorlesungen zu produzieren. Gedacht wurde hierbei primär an die Studierenden im Hörsaal.

Studenten soll sich so eine weitaus interessantere Vorlesung bieten. Man kann z.B. das Binär-, Oktal- und Hexadezimalsystem erläutern und dann einen "Taschenrechner" aufrufen, der solche Berechnungen durchführt. Gezeigt werden sollte aber nicht einfach nur ein Computerbildschirm mit einem Projektor - die Präsenz eines Dozenten an der Tafel hilft, die Aufmerksamkeit des Studenten auf die wichtigsten Aspekte zu lenken. Deshalb sollte auch auf das ausschließliche Verwenden von vorgefertigten Folien verzichtet werden. Viele Dozenten neigen nämlich dazu, Folien viel zu schnell zu zeigen, da sie selber das Thema gut kennen. Außerdem sind die besten Vorlesungen gerade solche, die spontan in der Unterrichtsstunde entstehen.

Die multimediale elektronische Tafel besteht aus einem großformatigen, berührungsempfindlichen Plasmabildschirm, der an einen Computer angeschlossen ist. Die in Java geschriebene Software steuert das Gesamtsystem. Dabei kann man auf dem Bildschirm auf zwei verschiedene Arten schreiben: Entweder man führt einen Stift direkt über das Display oder aber über ein Digitalisiertablett. Farbe und Breite der an der Tafel angezeigten Linienzüge können komfortabel geändert werden. Auch Bilder und Grafiken lassen sich in das Tafelbild einbauen. Außerdem können mathematische Ausdrücke ausgewertet und interaktive Demonstrationsprogramme (Applets) aus dem Internet interaktiv genutzt werden. Es wird davon ausgegangen, dass in Zukunft solche Bildschirme mit einer Diagonalen von 2-3 Metern bei Konferenzen und im Unterricht eingesetzt werden.



Das Tafelbild lässt sich zudem über das Internet übertragen. Ein Netzteilnehmer betrachtet die Webseite des Kurses und erhält ohne zusätzliche Software das Tafelbild in Echtzeit. Die Java-Programme übertragen gleichzeitig das Tafelbild, Audio-Informationen und einen zusätzlichen Videostrom. Die Kurse können archiviert und später bei Bedarf aufgerufen werden. Studenten haben also die Möglichkeit, live oder zeitversetzt an einem Kurs im Hörsaal, zu Hause oder unterwegs über einen Laptop teilzunehmen. Der Benutzer benötigt für den Empfang keine spezielle Software, ein Internet-Browser genügt. Es ist sogar möglich, ein Java-fähiges Handy für den Empfang des Tonsignals zu verwenden. Zurzeit benötigen die drei Datenströme einen ISDN-Anschluss mit Kanalbündelung (128 kbps). Das Videofenster kann geschlossen werden, wenn der Betrachter Bandbreite sparen will. Dann ist nur noch ein ISDN-Kanal (64 kbps) erforderlich.

Die Java-Software für die elektronische Tafel ist seit einiger Zeit vorhanden. An der Freien Universität Berlin wurden damit bereits einige Vorlesungen gehalten. Zusätzlich wird zurzeit eine Handschrifterkennung implementiert. Mit dieser kann der Dozent dann Formeln schreiben, die von einem Computer-Algebra-System, wie z.B. Mathematica, gelöst werden können. Auch Programme können per Hand kodiert werden, die sofort lauffähig sind. In zukünftigen Versionen der E-Kreide-Software sollen zudem weitere Optionen integriert werden. Man denkt z.B. an frei gezeichnete Linienzüge, die automatisch geglättet werden sowie geometrische Objekte wie Quadrate, Kreise oder Kugeln, die über ein Menü zur Verfügung gestellt werden. Das soll Dozenten beim Skizzieren helfen und Studenten bei der Nachbearbeitung für Vorlesungen unterstützen.  (ji)


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