Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/htc-10-im-test-seht-her-ich-ich-bin-ein-gutes-smartphone-1604-120463.html    Veröffentlicht: 21.04.2016 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/120463

HTC 10 im Test

Seht her, ich bin ein gutes Smartphone!

HTC lässt bei seinem neuen Smartphone das "One" weg, bei der Hardware wird allerdings nicht gespart - und auch bei der Software versucht der Hersteller, sich abzusetzen. Dass das reicht, um gegen die Konkurrenz zu bestehen, glauben wir nach dem Test aber nicht.

Das One ist vom Tisch, HTCs neues Topsmartphone heißt schlicht 10. Mit dem Bruch beim Namen gehen auch Neuerungen bei der Ausstattung einher: Unter anderem bei der Kamera, den Lautsprechern und der Software versucht HTC bei seinem neuen Gerät, einiges anders zu machen und damit die Aufmerksamkeit der Interessenten zu wecken. Auch das Design wurde modernisiert, ohne die vorigen Modelle aber komplett zu vergessen.

HTC bringt sein neues Topgerät als einer der letzten großen Hersteller im aktuellen Veröffentlichungszyklus auf den Markt. Entsprechend hat die Konkurrenz bereits vorgelegt, und das nicht zu knapp. Samsungs Galaxy-S7-Modelle kommen mit rasend schnell fokussierender Kamera und Optionen für Spieler, Huawei und LG setzen auf zwei Kameras. LGs G5 kann zudem noch Zusatzmodule verwenden. Wo steht also HTC mit seinem neuen 10? Kann es damit die Interessenten der Konkurrenzmodelle abwerben? Bei allen positiven Eindrücken glauben wir das nach unserem Test nicht.

HTC führt die neue Designsprache fort

Vom Design her ist das 10 eine Mischung aus dem HTC One M9 und dem HTC One A9: Das 10 hat die für seine Vorgänger typische Rundung der Rückseite, die Front hingegen sieht fast exakt aus wie beim One A9. Es gibt keine auffälligen Öffnungen für die Boomsound-Lautsprecher, am unteren Rand befindet sich ein Sensor-Homebutton, der gleichzeitig als schnell und zuverlässig arbeitender Fingerabdrucksensor arbeitet. Daneben sitzen zwei weitere Sensortasten zum Zurückgehen und für die Übersicht über die aktuell genutzten Anwendungen. Für einige Kollegen sitzen diese für die Bedienung so wichtigen Tasten aber viel zu tief, so dass sich das Smartphone nicht optimal mit einer Hand bedienen lässt.

Das Gehäuse ist wie bei HTCs vorherigen Topmodellen aus Aluminium, der Einschalter ist wie beim One A9 geriffelt und daher gut von der Lautstärkewippe zu unterscheiden. Neu und - laut HTC - ein absolut bahnbrechendes Stilmittel ist der starke Abschliff der hinteren Ränder, der tatsächlich sehr auffällig ist. Wirklich umgehauen hat er uns aber nicht, ein Kollege empfand den jetzt quasi doppelt vorhandenen Rahmen sogar als zu ungewohnt beim Halten des Smartphones. Insgesamt betrachtet liegt das 10 aber auch dank der rückseitigen Rundung gut in der Hand.

Exzellente Verarbeitung

Das 10 ist sehr gut verarbeitet, tatsächlich zählt es zu den am besten verarbeiteten Geräten, die wir kennen. Die Ränder sind absolut sauber geschliffen und nicht scharf, Öffnungen wie der USB-Type-C-Ladeanschluss und die Kopfhörerbuchse sind ebenfalls an den Rändern abgeschliffen. Das Display geht nahtlos in das Aluminiumgehäuse über, ohne zwischendrin wie beim One A9 noch einen Kunststoffrahmen zu benötigen.

Das sieht edel aus, insbesondere wenn es so gut verarbeitet ist wie beim 10. Dafür ist das Smartphone nicht gerade dünn: Mit 9,1 mm an der dicksten Stelle und glatten 10 mm an der Kamera ist das Gerät merklich dicker als andere aktuelle Smartphones. Das Galaxy S7 von Samsung etwa ist nur 7,9 mm dick.

Das Display ist größer als bei den Vorgängern

Beim Display setzt HTC auf eine Diagonale von 5,2 Zoll und weicht damit von den bei den Vorgängern üblich gewesenen 5 Zoll ab. Die Auflösung ist mit 2.560 x 1.440 höher als noch beim One M9, die Pixeldichte liegt jetzt bei sehr hohen 564 ppi. Das sieht man dem Bildschirm auch an, er zeigt Inhalte absolut scharf an. Die Helligkeit ist mit durchschnittlich 409 cd/qm sehr hoch, die Abweichungen zwischen dem oberen und unteren Bildschirmbereich ist mit nur 5 cd/qm hingegen sehr niedrig.

Die Farben sind blickwinkelstabil, allerdings nimmt die Helligkeit etwas ab, wenn wir schräg auf das 10 schauen. Standardmäßig war bei unserem Testgerät als Farbprofil "lebendig" eingestellt, Nutzer können alternativ auch sRGB als Farbbereich wählen. Die beiden wählbaren Grundeinstellungen lassen sich über einen Schieberegler auch noch separat in der Farbwärmewiedergabe regulieren. Insgesamt ist das Display gut, Inhalte sehen aber anders als etwa bei den aktuellen iPhones oder auch beim Huawei P9 nicht wie gedruckt aus.

HTC hat sich bei den Kameras seiner Topsmartphones stets etwas einfallen lassen - von der Ultrapixel-Kamera des M7 mit großen, dafür aber nicht vielen Sensorpixeln bis zur Dual-Kamera des M8, deren zweites Objektiv Tiefeninformationen gewinnt. Beim 10-Vorgänger One M9 wich HTC vom kritisierten Ultrapixel-Konzept ab und stattete das Smartphone mit einer 20-Megapixel-Kamera aus; beim neuen 10 schlägt der Hersteller einen Mittelweg ein.

12-Megapixel-Kamera mit großen Pixeln

Die Kamera des neuen Modells hat 12 Megapixel, die HTC wieder als Ultrapixel bezeichnet, weil sie wie bei der früheren 4-Megapixel-Variante größer als bei herkömmlichen Sensoren sind. Mit diesem Konzept ist HTC nicht alleine, auch Samsung und Huawei verbauen in ihren aktuellen Topsmartphones 12-Megapixel-Kameras mit größeren Pixeln.

Mit einer Pixelgröße von 1,55 µm soll sich das 10 gut für Aufnahmen in schummrigen Umgebungen eignen, unterstützt von einer großen Anfangsblende von f/1.8 und einem optischen Bildstabilisator (OIS). Einen optischen Bildstabilisator hat HTC auch in der 5-Megapixel-Frontkamera eingebaut, ein Novum bei Smartphones. Dadurch soll sich die Frontkamera noch besser für verwacklungsfreie Selbstporträts eignen.

Weniger Detailschärfe, dafür keine Schärferänder

Die Qualität der Hauptkamera ist gut, die großen Pixel kommen Aufnahmen bei schwachem Umgebungslicht zugute. Hier finden sich keine nennenswerten Artefakte, auch Farbrauschen können wir nicht entdecken. Aber auch bei Tageslicht sind die von uns gemachten Bilder gut ausgeleuchtet, der Weißabgleich stimmt. Bei stärkerer Vergrößerung sind die Bilder in den Details etwas weniger scharf als die des Samsung Galaxy S7 Edge und des Huawei P9, die ebenfalls mit 12-Megapixel-Kameras arbeiten. Dafür sind die Schärferänder nicht so auffällig wie beim Galaxy S7 Edge, weiter entfernte Details wie Bäume, Blätter oder auch kleine Schrift sind allerdings etwas schwerer zu erkennen.

In den Einstellungen der komplett überarbeiteten Kamera-App können wir daran nichts ändern - also etwa an der Schärfeeinstellung drehen, wie es bei manch anderen Smartphones möglich ist. Der Effekt ist allerdings nur bei Vergrößerung sichtbar, weshalb er im Alltag den meisten Nutzern nicht sofort auffallen dürfte. Im direkten Vergleich ist der Unterschied in der Schärfe aber zu erkennen.

Die neu gestaltete Kamera-App ist übersichtlicher

Die Kamera-App wirkt aufgeräumter und übersichtlicher. Die verschiedenen Modi, unter anderem Panorama, Zeitlupe und der Pro-Modus mit voller Kontrolle über die einzelnen Kameraparameter, sind jetzt am oberen Displayrand angeordnet, das Umschalten ist dadurch einfacher und übersichtlicher als bei der bisherigen Wischgestenlösung. Auf die Hauptfunktionen, also Fotomodus, Videomodus und Frontkameraaufnahme, haben Nutzer weiterhin über direkt erreichbare Buttons am unteren Bildschirmrand Zugriff.

Videos kann das 10 mit bis zu 4K-Auflösung aufnehmen, Zeitlupenaufnahmen können mit einer Bildrate von 120 fps bei 720p-Auflösung gemacht werden. Der Blitz ist zweifarbig, direkt daneben ist der Laser-Autofokus eingebaut. Die Kamera im 10 stellt sehr schnell scharf, kann die Kamera der Galaxy-S7-Modelle hier aber nicht übertreffen.

Insgesamt gefällt uns, dass auch HTC aus dem Megapixelwahn aussteigt und dafür eine Kamera mit besseren Fähigkeiten bei schlechten Lichtbedingungen verbaut. Die Kamera des 10 ist gut und hat durchaus das Zeug, die des Galaxy S7 und Galaxy S7 Edge zu schlagen - gut finden wir, dass das HTC-Smartphone weitaus weniger auffällige Schärferänder hat. Um diese zu verhindern, fehlt den Fotos bei Vergrößerungen jedoch etwas an Schärfe. Zugegebenermaßen ist das bei normaler Betrachtung aber kaum sichtbar.

HTC mistet Sense aus

Die Kamera-App ist eine der Anwendungen auf dem 10, die von HTC selber stammen. Das ist insofern erwähnenswert, als der taiwanische Hersteller bei den eigenen Apps radikal abgespeckt hat. Beispielsweise die Telefon-App, das Chat-Programm, das Uhren-Wetter-Widget und der Launcher stammen von HTC, beim Browser, dem E-Mail-Programm, der Bildergalerie oder auch der Fitness-App hingegen hat man auf die selbst entwickelten Apps verzichtet und stattdessen schlicht Googles genommen.

Das ist für den Nutzer praktisch, da das Smartphone auf diese Weise von unnötigen Doppelinstallationen verschont bleibt. HTC war bei der Auswahl der Apps durchaus realistisch und hat erkannt, dass manche Apps von Google schlicht besser als die eigenen sind - ein mutiger Schritt. Generell gibt es nur wenige vorinstallierte Apps auf dem 10, Bloatware wie Hotel-Apps oder Ähnliches gibt es nicht.

Sense-Design nähert sich weiter dem puren Android an

Die Sense-Oberfläche hat HTC in einigen Bereichen bereits bei früheren Smartphones wie dem One A9 dem puren Android angepasst - etwa bei der Benachrichtigungsleiste und dem Schnelleinstellungsmenü. Auch beim 10 wird diese Taktik beibehalten, die aber auch bedeutet, dass es nach einem einzigen Wisch mit einem Finger über die Benachrichtigungsleiste noch keine Schnelleinstellungen gibt. Dafür ist das Aussehen insgesamt näher dran am ursprünglichen Android, die aktuelle Version 6.0.1 von Android liegt zugrunde.

Zu sehen ist das beim neuen Smartphone auch in den Systemeinstellungen. Diese sind zwar grundsätzlich noch nach Sense-Regeln sortiert, an Details wie den Aktivierungsschaltern lässt sich die neue Nähe zum reinen Android aber durchaus erkennen. HTC zufolge sollen die geringeren eigenen Anpassungen dazu führen, dass Updates künftig schneller verteilt werden können - was abzuwarten bleibt.

Freiheit auf dem Startbildschirm

Auf dem Startbildschirm lassen sich die App-Icons und Widgets jetzt in einer Art freiem Modus auch ohne darunterliegendes starres Raster ausrichten. Apps und Widgets können auf diese Weise frei verschoben werden und sich sogar überlappen. In einem separaten Theme-Shop können unterschiedliche Designs heruntergeladen werden.

Sense gehörte schon zu Zeiten quietschbunter Oberflächen zu den Herstelleroberflächen, die am angenehmsten zu bedienen waren. Mit der jetzt erfolgten weiteren Anpassung an das Aussehen eines puren Androids wirkt die Oberfläche nochmal weniger verspielt und strukturierter. Auf Extras wie die Nachrichtenübersicht Blinkfeed müssen Nutzer dabei nicht verzichten.

Vor dem Musikhören erstmal einen Hörtest machen

HTC hat zudem noch neue Softwareextras eingebaut. So können Nutzer ein eigenes Kopfhörerprofil anlegen, das individuelle Gehörcharakteristika berücksichtigt und so für einen besseren Klang sorgen soll. Zusätzlich gibt es eine Ein-Klick-Klangverbesserung, die alleine schon einiges bringt.

Haben wir den kleinen Hörtest hinter uns gebracht - der Nutzer muss dabei einzelne Tonfrequenzen von der Lautstärke her so regulieren, dass er sie hört -, lässt sich tatsächlich ein Unterschied in der Klangwahrnehmung feststellen. Insgesamt klingt über den eingebauten 24 Bit Digital-Analog-Konverter abgespielte Musik dann ausgewogener. Die in Deutschland mitgelieferten Kopfhörer, die einen besonders guten Klang versprechen, fanden wir letztlich aber weniger überzeugend als unsere Icons-Kopfhörer von Oneplus.

Eine weitere Neuerung ist die App Boost+, die zunächst wie eines von vielen Optimierungsprogrammen wirkt: Nutzer können hier nicht mehr benötigte Dateien löschen, Apps deinstallieren oder Anwendungen mit einem Wisch-Code schützen. Enthalten ist aber auch die Funktion "Spiel Akku Booster", die bei Spielen die Auflösung auf Full-HD senkt, um die Akkulaufzeit zu verlängern. Nutzer können entscheiden, bei welchen Spielen das passieren soll. Dass ein derartiger Modus durchaus etwas bringt, hat die vergleichbare Funktion auf dem Samsung Galaxy S7 Edge in unserem Test gezeigt.

Starker Snapdragon 820 und 4 GByte Arbeitsspeicher

Die Benutzeroberfläche läuft in unseren Tests durchweg ruckelfrei, Apps starten schnell. Auch grafisch aufwendigere Spiele machen keine Probleme, was an der verbauten Hardware liegt. HTC verwendet als SoC Qualcomms Snapdragon 820, der wie im LG G5 auf 2,2 GHz getaktet ist. Zusammen mit 4 GByte RAM sorgt das stets für ausreichend Leistung.

Dementsprechend gut schneidet das 10 in den Benchmark-Tests ab: Im Geekbench erreicht das Smartphone einen durchschnittlichen Single-Wert von 2.346 Punkten, der Multi-Wert liegt bei 5.124 Zählern - beide Ergebnisse liegen sogar noch leicht über dem LG G5, das mit dem gleichen SoC ausgeliefert wird.

Auch beim Grafik-Benchmark GFX Bench erzielt das 10 Werte, die höher als die des G5 sind und außerhalb der gewohnten Messtoleranzen liegen: Im Manhattan-Test liegt das Offscreen-Ergebnis mit 45 fps 5 fps über dem Resultat des G5. Grund könnten neuere Treiber sein: Vor dem Test hat unser HTC-Gerät noch ein kleines Update erhalten. Im 3DMark liegt das 10 mit 27.343 Punkten fast gleichauf mit dem G5.

Leichte Drosselung bei Auslastung des SoC

Bei starker Auslastung drosselt der Snapdragon 820 allerdings: Spielen wir das grafisch aufwendigere Rennspiel Riptide GP 2 zehn Minuten lang, liefert das Smartphone im Geekbench-Gerätetest nur noch einen Single-Wert von 1.893 Punkten - das entspricht einem Leistungsverlust von knapp über 20 Prozent. Verglichen mit der Drosselung des Snapdragon 810 ist das jedoch merklich weniger und während des Spielens nicht bemerkbar - dadurch also durchaus noch vertretbar. Im LG G5 jedoch drosselte der Snapdragon 820 in unserem Test nicht, was für eine bessere Hitzeableitung im LG-Gerät spricht.

Die restliche Hardware lässt keine Wünsche offen: Das 10 unterstützt LTE auf den in Deutschland wichtigen Frequenzbändern 3, 7 und 20, WLAN beherrscht es nach 802.11ac. Bluetooth läuft in der Version 4.2, ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut. Neben DNLA, Miracast und Google Cast unterstützt das Gerät auch drahtlose Bildschirmübertragungen per Airplay - und dürfte damit das erste Android-Smartphone sein, das Apples Standard beherrscht. Allerdings ist es uns nach zahlreichen Versuchen nicht gelungen, ein Bild an einen Apple TV zu übertragen. Lediglich der Ton kam an, weshalb die Funktion in dieser Form nur für Audioanwendungen taugt.

In Deutschland ist das 10 mit einer Speicherausstattung von 32 GByte erhältlich. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten bis zu einer Größe von 2 TByte ist eingebaut. Die Speicherkarte kann als Systemspeicher genutzt werden.

Boomsound-Lautsprecher mit zwei Einstellungen

Die Boomsound-Lautsprecher auf der Vorderseite geben Klänge getrennt als Hoch- und Tieftöner wieder. Der unten sitzende Lautsprecher übernimmt dabei die tiefen Frequenzen, der in der Ohrmuschel steckende obere Lautsprecher die hohen. Einen Stereoklang wie bei früheren One-Modellen gibt es in der Standardeinstellung nicht - die Ausgabe erfolgt in Mono. In den Systemeinstellungen gibt es die Möglichkeit, einen Theatermodus zu aktivieren; dieser ist in Stereo und kling voluminöser und räumlicher als die Standardeinstellung. Er eignet sich daher gut für Filme.

Der Akku des 10 hat eine Nennladung von 3.000 mAh, was HTC zufolge für eine Gesprächszeit von bis zu 27 Stunden und einer Standbyzeit von bis zu 19 Tagen reichen soll. Einen 1080p-Film konnten wir knapp acht Stunden lang anschauen - ein guter Wert. Über einen Tag kommen wir mit dem 10 problemlos, bei sparsamer Nutzung sind auch anderthalb Tage Nutzungsdauer drin.

Langsame Datenübertragung

Der USB-Port ist HTC zufolge ein USB-3.1-Gen-1-Anschluss, entspricht also USB 3.0. Leider wirkt sich das nicht positiv auf die Übertragung von Daten per USB-Kabel aus: Wir brauchen für eine 10-GByte-Datei stolze sieben Minuten. Grund ist der langsame Flash-Speicher: Dieser schreibt in unseren Tests mit nur 23 MByte/Sekunde, was geradezu unverschämt langsam ist. Gelesen werden Daten mit 212,7 MByte/Sekunde, was auch nicht besonders schnell ist. Zum Vergleich: Das LG G5 schreibt mit 144,3 MByte/Sekunde und liest mit 474,5 MByte/Sekunde, beim Galaxy S7 sind es jeweils 182 MByte/Sekunde und 636 MByte/Sekunde.

Verfügbarkeit und Fazit

Das HTC 10 kann über den Onlineshop von HTC oder im Onlinehandel für 700 Euro vorbestellt werden. Es ist in den Farben Grau, Silber oder Gold erhältlich und soll Anfang Mai 2016 in den Handel kommen.

Fazit

Das HTC 10 ist ein Smartphone, das kaum Wünsche offenlässt. Es ist hervorragend verarbeitet und hat einen leistungsfähigen Prozessor. Die Kamera macht gute Fotos, besonders in schummrigen Lichtsituationen.

Unter starker Vergrößerung fällt zwar auf, dass die mit dem 10 gemachten Bilder etwas weniger scharf sind als die des Galaxy S7 oder auch des Huawei P9, die ebenfalls 12-Megapixel-Kameras mit größeren Pixeln verwenden. Dafür zeigen die Fotos des neuen HTC-Smartphones weitaus weniger überschärfte Ränder - ein Problem, mit dem die Galaxy-S7-Modelle zu kämpfen haben. Mit diesem Kompromiss lässt sich im Alltag gut leben.

Trotz des sehr guten Eindrucks, den das 10 bei uns hinterlässt, fehlt dem Smartphone das gewisse Etwas, um sich gegen die aktuelle Konkurrenz positionieren zu können. LG hat beim G5 zwei Hauptkameras eingebaut, dazu kommt das Modulsystem; Huawei setzt beim P9 auch auf zwei Kameras und bietet das Gerät zusätzlich noch günstiger an.

Samsungs Galaxy S7 ist von der Leistung und der Ausstattung her am ehesten mit HTCs neuem Smartphone vergleichbar, aber auch hier dürfte HTC es schwer haben: Das Galaxy S7 kostet aktuell bereits 100 Euro weniger als das 10, zudem ist es weitaus länger auf dem Markt und stammt vom Weltmarktführer - ein Vorteil, der nicht unterschätzt werden darf. Im Zweifel dürften wenig informierte Käufer eher Samsung als HTC kennen.

Das 10 ist ein tolles Smartphone und dürfte dem Großteil der Interessenten an einem hochwertigen Gerät der Oberklasse sehr gute Dienste leisten. Wir fürchten aber, dass das bei der Marktposition, die der ehemals wichtigste Hersteller von Android-Smartphones HTC mittlerweile einnimmt, schlicht zu wenig ist, um wieder signifikante Marktanteile zu gewinnen.

Gut informierte Interessenten an einem Topsmartphone sollte das nicht abhalten, sich das HTC 10 genauer anzuschauen. Tatsächlich sehen aber auch wir am Ende wenig Gründe, statt des 10 nicht das günstigere Galaxy S7 von Samsung zu kaufen.

Nachtrag vom 22. April 2016, 12:09 Uhr

Wir haben uns die Geschwindigkeit des Datenaustauschs über den USB-Typ-C-Anschluss des 10 genauer angeschaut und die betreffenden Informationen am Ende des Haupttextes nachgetragen.  (tk)


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