Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/oculus-rift-co-vr-ist-nicht-mehr-cool-1604-120456.html    Veröffentlicht: 21.04.2016 07:35    Kurz-URL: https://glm.io/120456

Oculus Rift & Co

"VR ist nicht mehr cool!"

Keine Killerapplikation, sondern eine Nische in der Nische: Ausgerechnet ein Entwickler von VR-Games hat Kritik an Oculus Rift & Co. geäußert. Experten wie Avni Yerli von Crytek widersprechen bei einer Paneldiskussion.

"Es gibt kein einziges Spiel, das so etwas wie ein Systemseller ist - Virtual Reality ist eine Nische in einer Nische", sagte Lukasz Hacura von den polnischen Anshar Studios bei einer Diskussionsrunde auf der Quo Vadis 16. Sein Fazit: "VR ist nicht mehr cool!" Seine Aussage ist überraschend, weil Hacura mit seinem Team selbst an einem Game für VR-Headsets arbeitet, nämlich am Weltraumspiel Detached. Es versetzt den Spieler ähnlich wie der Film Gravity als Astronaut ins All, bietet aber einen harten Überlebenswettkampf gegen einen anderen Spieler.

Die Produktion von Detached finanziert Hacura unter anderem mit der Entwicklung von VR-Anwendungen für Feuerwehrleute. Zufrieden ist er damit nicht: "Wir möchten Sachen für Gamer machen, und das ist momentan wirklich schwierig. Die VR-Headsets richten sich an Hardcore-Spieler, aber es gibt so gut wie keine Hardcore-Inhalte" - und damit nach Ansicht von Hacura auch noch keinen funktionierenden Markt.

Hacura hofft, dass sich die Situation möglicherweise durch Playstation VR ändere. "Sony arbeitet mit Entwicklern wie uns wirklich intensiv und gut, auch in Europa." Die anderen Hersteller könnten davon noch lernen. Zur Veröffentlichung des Headsets für die Playstation 4 im Oktober 2016 erwartet er ein gutes Line-up. Der Start von Oculus Rift und HTC Vive fühle sich dagegen eher wie ein Softlaunch an.

Avni Yerli, einer der Gründer und Chefs von Crytek, sieht die Sache anders: "Ich erwarte in den nächsten drei Jahren für alle Systeme eine relevante Reichweite." Bei vielen potenziellen VR-Nutzern dienten Google Cardboard und Gear VR als Einstieg, aber irgendwann würden sie aufrüsten wollen. Inzwischen sei von der IT-Industrie viel in Hard- und Software investiert worden, das werde sich langfristig auszahlen. Auch er attestierte Sony einen guten Job - obwohl seine Firma mit The Climb sogar ein Rift-exklusives Spiel in Vorbereitung hat.

Erfolgreich läuft laut Yerli auch das Programm, mit dem Crytek die Arbeit an VR-Entwicklungen und -Forschung an Universitäten fördert. Über 400 Bildungseinrichtungen in der Welt beschäftigen sich mit den Technologien, rund zehn davon in Deutschland.

Nach Meinung von Odile Limpach, Dozentin am Game Lab der TH Köln und frühere Chefin unter anderem von Blue Byte, kann Virtual Reality besonders in Branchen wie Automotive, Tourismus und Unterhaltung am Markt erfolgreich sein. "Für Spielentwickler ist das eine tolle Chance, weil sie den anderen Branchen so vielleicht zeigen können, wozu sie in der Lage sind" - etwa durch das Know-how bei Gamification oder schlicht den Technologien, die zu großen Teilen von Spieleherstellern entwickelt wurden und werden. Zudem verwies Limpach auf den Aspekt der sozialen Interaktion.

Der VR-Berater Thomas Bedenk ist ebenfalls überzeugt, dass Virtual Reality ein Erfolg werde. Facebook und andere Techfirmen seien extrem daran interessiert, die Arbeiten an der zweiten und dritten Generation der Hard- und Software hätten hinter den Kulissen längst begonnen.

"Virtual Reality hat auch deshalb Potenzial, weil es ein besonders zugängliches Medium ist - man bewegt sich mehr oder weniger natürlich", sagte Bedenk. Für aufwendige Blockbuster-Games sei der Markt zwar noch zu klein. Wer sich schlau anstelle und mit den Mechanismen und Budgets von Indiegames arbeite, könne allerdings schon Geld verdienen.  (ps)


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