Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dark-souls-3-mehr-als-schwierig-1604-120264.html    Veröffentlicht: 12.04.2016 09:01    Kurz-URL: https://glm.io/120264

Dark Souls 3 im Test

Mehr als schwierig

Ab Gegner Nummer 15 wird es anspruchsvoll - in vielfacher Hinsicht: Das Rollenspiel Dark Souls 3 lockt mit knackigem Schwierigkeitsgrad, aber auch mit einer wunderbar düsteren Welt und einer Handlung zum Selbstentdecken.

Die ersten 14 Feinde besiegen wir problemlos. Sobald sich einer der Untoten im weiten Umhang auf uns stürzt, schützen wir uns mit unserem Schild und hauen dann mit dem Schwert ein paarmal kräftig zu - das war's. Bei Iudex Gundyr klappt das so nicht: Nicht nur der riesige Ritter selbst, sondern allein schon seine Klinge sind ein paar Meter größer als wir. Ein Treffer reicht aus, um unseren Lebensbalken auf die Hälfte zu reduzieren. Ein zweiter Treffer macht uns meist den Garaus - und wir dürfen am letzten Speicherpunkt neu anfangen.

Bei den ersten paar Begegnungen hassen wir Iudex Gundyr. Nachdem wir ihn besiegt haben, freuen wir uns. Und nach ein paar weiteren Stunden Dark Souls 3 denken wir nur noch mit Wehmut an den Kerl. Inzwischen haben wir es mit noch viel stärkeren Bossen zu tun gehabt und neben unseren Charakterwerten auch unser Können verbessert. So einen wir Gundyr könnten wir längst mit verbundenen Augen in Grund und Boden kloppen!

Warum wir das tun sollten? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Was wir wissen ist, dass in der Fantasywelt Lothric irgendetwas nicht stimmt. Fünf Aschefürsten - mit so schönen Namen wie Aldrich der abgründige Heilige und Yhorm der Riese - haben sich aus ihren Gräbern erhoben. Unser Job ist es offenbar, die Herrschaften wieder auf ihren Thron zurückzubringen. Aber was das konkret bedeutet, und wie wir das anstellen, das müssen wir schon selbst herausfinden.

Zwar können wir Dark Souls 3 als extrem herausforderndes Action-Rollenspiel angehen, indem wir stur dem halbwegs vorgegebenen Weg folgen und uns um Handlung und derlei Kram nicht weiter kümmern. Aber wenn wir wissen wollen, warum wir das tun, müssen wir mit Nebenfiguren wie der Feuerhüterin oder dem Schmied reden, Notizen lesen und mehr oder weniger subtil versteckte Hinweise verfolgen - was uns neben Wissen übrigens auch handfeste Vorteile in Form besonders guter Ausrüstungen bringen kann.

Vor allem aber müssen wir herausfinden, wie wir die stärkeren Gegner besiegen - und in Dark Souls 3 ist fast jeder Gegner ziemlich stark. Allerdings: Wer zuletzt Bloodborne gespielt hat, dürfte zumindest die Standardfeinde etwas machbarer finden. Dank unseres Schildes und der Zielaufschaltung können wir viele Hiebe oder Schusswaffen abblocken, zusätzlich mit Sprüngen zur Seite ausweichen und dabei herausfinden, wie sich der Feind verhält und wo seine Schwachstellen liegen. Wer kein Schild will, kann übrigens auch mit zwei Säbeln - einem in jeder Faust - antreten, oder jederzeit auf Knopfdruck seine Einhandwaffe mit zwei Händen führen.

Bei den Bosskämpfen legt das Spiel gegenüber den Vorgängern nochmal in fast jeder Hinsicht zu. Wir wollen nicht zu viel verraten, aber es gibt immer wieder ganz große Überraschungen, wie sie andere Titel kaum kennen: Da verwandeln sich Gegner oder Umgebung in mehreren Stufen oder es gibt urplötzlich mehr als nur Feind und Freund. Viele der Gefechte hätten es verdient, in die Ruhmeshalle der bislang besten Großkämpfe der Spielegeschichte aufgenommen zu werden.

Schneller sterben

Das Spieltempo von Dark Souls 3 ist etwas niedriger als in Bloodborne, aber höher als im direkten Vorgänger. Auch sonst hat sich einiges gegenüber Teil 2 getan: Es gibt Änderungen bei den Charakterwerten, wir sind etwas flexibler beim Ausweichen und können Feinden mit Schild einfacher in den Rücken fallen - was, wenn man es kann, eine enorme Hilfe in sehr vielen Kämpfen darstellt; in derlei Situationen macht die gegnerische KI übrigens oft keinen überragenden Eindruck. Die Welt ist nicht ganz so komplex verschachtelt wie die von Bloodborne, aber es gibt mehr Abkürzungen und sonstige Geheimpfade als in Dark Souls 2.

Zum Start können wir aus zehn Klassen wählen, neben dem dick gepanzerten und starken Ritter stehen auch Zauberer und Priester bereit. Natürlich gibt es auch den Bettler mit besonders schlechten Werten und miserabler Ausstattung wieder - für alle, denen schwierig noch zu einfach ist. Auf diese Klassen sind wir aber nicht dauerhaft festgelegt, sondern können aus einem Assassinen immer noch einen erstklassigen Magier oder einen Hybridcharakter formen.

Die Welt erinnert stellenweise an Bloodborne, wirkt aber dank ihrer schlicht-soliden Burgmauern und schönen Kathedralen etwas mittelalterlicher. Wir sind in Städten und in Sümpfen, in Friedhöfen und in Wäldern unterwegs. Die Klasse des ersten Dark Souls erreicht Teil 3 im Hinblick auf die Umgebungen übrigens nicht ganz - aber sehr viel zu entdecken und zu erforschen gibt es trotzdem. Die Gesamtspielzeit ist schwierig einzuschätzen: Ein Koreaner hat das ganze Programm offenbar in rund zwei Stunden geschafft, typische Spieler dürften ein paar Dutzend Stunden benötigen. Anschließend gibt es noch einen zweiten, noch härteren Schwierigkeitsgrad.

Ein Wort noch zur Schwierigkeit: Einsteiger sollten sich klar darüber sein, dass nicht nur die Kämpfe richtig bockig schwierig sind. Sondern dass auch viele Komforthilfen aus anderen Titeln so nicht vorhanden sind. Beispielsweise müssen wir nach unserem Tod teils längere Wegstrecken erneut bewältigen - und dort bei jedem Durchgang immer wieder die gleichen Feinde bekämpfen. Das mag sich bei jedem Mal etwas einfacher anfühlen, kann aber auf Dauer trotzdem ganz schön frustrieren.

Als technische Grundlage für Dark Souls 3 dient - wie schon bei Bloodborne - eine hauseigene Engine des japanischen Entwicklerstudios From Software. Die Grafik macht (wie auch schon in Bloodborne) einen sehr düsteren, farbarmen Eindruck - so ganz klar ist angesichts einiger merkwürdiger Texturen nicht, ob das in erster Linie künstlerische Absicht oder technischer Zwang ist. Auch die Mischung aus 3D-Umgebungen und flachen Hintergrundgrafiken wirkt nicht immer stimmig, ebenso wie die teils fast schon ein bisschen lächerlich übertriebenen Ragdoll-Physikeffekte.

Auf der Habenseite verbucht das Programm neben schönem volumetrischem Licht vor allem seine teils irrsinnig aufwendigen, wunderbar geschmackvoll in Szene gesetzten Animationen, insbesondere von den Bossgegnern. Wer gleich am Anfang ein sehenswertes Eiskristallmonster sehen möchte, muss übrigens nur nach Gegner Nummer fünf einer engen Felsspalte folgen - besiegen kann man das Biest erst sehr viel später.

Verfügbarkeit und Fazit

Dark Souls 3 ist für Windows-PC (60 Euro) sowie für Playstation 4 und Xbox One (jeweils rund 70 Euro) verfügbar. Die Sprachausgabe erfolgt auf Englisch, Bildschirmtexte und Untertitel stehen in Deutsch zur Verfügung. Die PC-Version muss bei Steam registriert werden, die Hardwareanforderungen sind nicht allzu hoch. PC-Spieler können wahlweise per Maus und Tastatur oder mit einem Controller antreten - wir raten zum Gamepad; die kontextsensitive Hilfe zeigt übrigens immer Gamepad-Tasten an.

Auf allen Plattformen können Spieler vollständig offline antreten oder eine Handvoll spannender Onlinefunktionen nutzen - auf Konsole ist dafür aber eine kostenpflichtige Gold- oder Plus-Mitgliedschaft nötig. Dann kann man unter anderem Notizen für andere Spieler hinterlassen, einem Kumpel in einem Kampf helfen oder ihn in seiner Partie überfallen. Die USK hat dem Spiel eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Dark Souls 3 bestätigt es erneut: Die Rollenspiele aus dem Hause From Software sind längst eine Klasse für sich. Selbst Vergleiche mit Hochkarätern wie Dragon Age oder The Witcher 3 sind da ziemlich sinnlos - wenn, dann taugen eigentlich nur die Vorgänger inklusive Bloodborne als Referenz. Und da schlägt sich Teil 3 ausgesprochen gut. Im Vergleich zu Dark Souls 2 ist die Welt komplexer aufgebaut, die Kämpfe bieten wieder mehr Abwechslung und vor allem Überraschungen. Einige der Bosse gehören zum Herausforderndsten, aber auch zum Schönsten, was sich einem Computerspieler derzeit in den Weg stellen kann.

Gar nicht so einfach ist der Vergleich mit Bloodborne: Auf den ersten Blick gefallen uns die Atmosphäre und die schnellen Klingenkämpfe des PS4-Exklusivspiels besser. Langfristig hat zumindest bei uns Dark Souls 3 aber dann doch die Nase vorne. Zumindest wir haben das Gefühl, weniger Zufallstode zu sterben und etwa dank unseres Schildes über mehr Kontrolle in den Gefechten zu verfügen. Das sorgt für minimal mehr Flow als Frust.

Dark Souls 3 ist damit durchaus auch für Einsteiger geeignet, die aber unbedingt über sehr viel Zeit und Durchhaltewillen verfügen sollten. Die eigentliche Kernzielgruppe, nämlich alte Fans der Serie, weiß das natürlich - und lässt sich dieses neue Meisterwerk sowieso nicht entgehen.  (ps)


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