Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/security-bundestrojaner-kann-nur-windows-1604-120242.html    Veröffentlicht: 10.04.2016 10:47    Kurz-URL: https://glm.io/120242

Spionageprogramm

Bundestrojaner kann nur Windows

Der umstrittene Bundestrojaner kann offenbar weniger als bislang angenommen: Whatsapp und andere Messenger können nicht abgehört werden. Ermittlungsbehörden kritisieren außerdem, dass die Software nicht auf Smartphones funktioniert.

Der vom Bundeskriminalamt selbst entwickelte Bundestrojaner hat offenbar zahlreiche Beschränkungen, die einen für die Ermittlungsbehörden sinnvollen Einsatz erschweren. Das berichtet die Welt am Sonntag unter Berufung auf eigene Quellen. Mit dem Spionageprogramm kann eine Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ) nur auf Windows-Rechnern durchgeführt werden, Linux, Mac OS X oder mobile Betriebssysteme werden nicht unterstützt.

Außerdem lässt sich nur Skype abhören. Andere Messenger wie Threema, Whatsapp, Viber oder Telegram könnten nicht angezapft werden, schreibt die Welt. Mit diesen Beschränkungen sind die Ermittlungsbehörden unglücklich: "Egal ob Dschihadisten oder Rechtsextremisten. Sie alle kommunizieren über Whatsapp oder andere Instant-Messenger. Skype abzuhören bringt bei diesen Leuten nicht viel", sagte ein LKA-Beamter der Welt. Außerdem müsste die Software auch auf Smartphones funktionieren.

BDK kritisiert "Bastellösungen"

Auch der Bund der Kriminalbeamten kritisiert den selbst entwickelten Bundestrojaner: "Wir brauchen beim begründeten Tatverdacht einer schweren Straftat und nach einer richterlichen Anordnung die Möglichkeit, auf sämtliche Formen der digitalen Kommunikation zugreifen zu können", sagte der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz der Welt. Die politischen Vorgaben würden zu "zeit- und kostenintensiven Bastellösungen" führen, die zudem hohe Kosten nach sich zögen.

Nach wie vor wird auch eine kommerzielle Überwachungssoftware getestet. Die von der Münchener Firma Finfisher gelieferte gleichnamige Überwachungssoftware wird von dem Unternehmen als umfassende Lösung angepriesen und dürfte damit nicht die gleichen Beschränkungen wie der Bundestrojaner haben. Dem Unternehmen wird unter anderem vorgeworfen, seine Software in das autoritär regierte Bahrain verkauft zu haben. Für diesen kommerziellen Trojaner gibt es aber noch keine Einsatzgenehmigung, er werde zurzeit noch an die definierten Vorgaben angepasst, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums.

Bürgerrechtler sehen den Einsatz solcher Spionagesoftware generell kritisch. Eine unabhängige Prüfung sei nur mit Einblick in den Quellcode möglich. Auch eine Überprüfung durch die Bundesbeauftragte für den Datenschutz ist vielen nicht genug.  (hg)


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