Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lg-minibeam-im-test-wie-ein-beamer-mein-begleiter-wurde-1604-120157.html    Veröffentlicht: 11.04.2016 09:52    Kurz-URL: https://glm.io/120157

LG Minibeam im Test

Wie ein Beamer mein Begleiter wurde

Beamer gehören zu den Gattungen, bei denen der technische Fortschritt überdeutlich wird. Obwohl der Hype um sie abgeflaut ist, versuchen sich die Hersteller an neuen Konzepten. Ein Selbstversuch mit einem mobilen Minibeamer.

Mein erster Kontakt mit einem Beamer führte zu einer Hassliebe zu dieser Gattung. Mein zweiter Kontakt war zwar faszinierend, aber doch eine Enttäuschung. Seitdem Flachbildfernseher smarter und vor allem auch mit großen Diagonalen bezahlbar sind, hat sich nicht nur bei mir das Interesse an Beamern wieder gelegt. Sie kehrten zurück in die Vortragssäle und Heimkinos. Doch nun gibt es kleine, mobile Geräte, die eine neue Zielgruppe erschließen sollen. Eine Chance für eine Renaissance? Ich habe ausprobiert, ob sich meine Begeisterung mit einem LG-Minibeam-Projektor wieder wecken lässt.

Einst ganz groß und dann ganz klein

Irgendwann um 1999 stand ein Beamer ein Wochenende lang bei mir in der Studentenbude. Der Grund war simpel: Das Leihgerät wurde für eine Veranstaltung unseres Vereins gebraucht, und ich besaß ein Auto. Und das war notwendig, um das circa 30 kg schwere und ungefähr 50 x 50 x 25 cm große Gerät zu transportieren. Die Auflösung betrug gerade mal 800 x 600 Pixel. Ich legte eine DVD in das gebraucht gekaufte Laufwerk des Computertowers. Und drehte erst einmal die angeschlossene Stereoanlage auf, anders war vom Film nichts zu verstehen, der Beamerlüfter röhrte wie ein Föhn. Aber das war mir nach ein paar Sekunden egal. Ich hatte ein zwei Meter breites Bild an der Wand! Kein Vergleich zu meiner 15-Zoll-Highscreen-Möhre. Jetzt war mir klar: Irgendwann wollte ich so ein Ding besitzen. Wenn ich es mir leisten konnte, und es auch nicht mehr so laut föhnen würde.

Doch trotz des Preisverfalls blieben mir Beamer immer zu teuer, vor allem der Lampenpreis war mir immer ein Dorn im Auge. Und die Größe sowieso, eine Deckenmontage war mir immer zu unheimlich. Beamer kamen schon wieder aus der Mode, und ich hatte immer noch keinen. Doch dann erhielten wir in der Golem.de-Redaktion zum Testen das Samsung Galaxy Beam, ein Smartphone mit integriertem Beamer! Ich war fasziniert - aber nicht lange.

Es erschien nie ein Test von uns. Als Smartphone war das Gerät mittelmäßig - und der Beamer taugte nicht mal als Taschenlampe. Um die Bildqualität wirklich einschätzen zu können, musste sich die Testcrew ins Druckerkabuff begeben, den einzigen Raum, der lichtdicht ist. Die Enttäuschung war groß: Die Größe bedingte zu viele, zu schlechte Kompromisse. Aber er lag im besten Sinne endlich auf der Hand: ein kleiner Beamer, der Inhalte selbst abspielen konnte.

Kleiner Karton, große Erwartung

Wieder ein paar Jahre später war es Zeit für eine Weiterentwicklung der Technik. Wir bekamen das Angebot, einen Miniprojektor von LG zu testen. "Hat 'ne vernünftige Auflösung und kann im Akkubetrieb laufen", sagt mein Kollege. Meine Neugier ist geweckt und kurz darauf ist das Paket auch schon unterwegs.

Der eher kleine Karton listet 1.280 x 720 Pixel, 300 Lumen, 100.000 : 1 Kontrastverhältnis, 430 Gramm Gewicht, 2 Stunden Akkulaufzeit, 30.000 Stunden LED-Betriebsdauer, USB-Plug-and-Play und sogar 1-W-Stereolautsprecher. Kürzer als die Auflistung auf dem Karton ist das Gerät. Tatsächlich bin ich recht verblüfft, als ich den rund 30 cm langen und 10 cm breiten Karton öffne. Der Beamer nimmt darin nur ein Drittel des Platzes ein, HDMI-Kabel, Netzteil, Handbuch und Fernbedienung füllen die restlichen zwei Drittel aus.

Ich nehme das Gerät aus seiner reißempfindlichen Schutztüte. Mit seiner Größe von 11,3 x 8,4 x 6,4 cm steht der Beamer problemlos auf meiner Handfläche. Er ist leicht. Mit seinem abgerundeten, glatten Gehäuse aus einem weißen Kunststoffguss und der braunen Frontblende ist er auch schick. Die Kollegen fragen, ob das wirklich ein Beamer ist.

Taugt für Taschenbuch-Fans

Ich schalte das Gerät spontan an, stelle es auf meinem Schreibtisch. Doch zwischen dem Beamer und der Wand stehen die Monitore des Kollegen. Intuitiv greife ich unter das Gerät und will Standfüße ausklappen oder an den Füßen drehen. Doch abgesehen von den vier Minifüßchen ist da nichts. Ich muss improvisieren, durch die geringe Größe reicht ein Taschenbuch zum Unterlegen. Später lege ich das Gerät einfach in ein hohes Fach des Billy-Regals hinter mir. Dank der geringen Gerätetiefe geht das problemlos.

Beim Versuch, eine günstige Position für das Gerät zu finden und Bildstörungen durch die Monitore des Kollegen zu vermeiden, flackert plötzlich immer wieder das Bildschirmmenü auf. Ich brauche einen Moment, bis ich bemerke, dass meine Finger auf den berührungsempfindlichen, nicht fühlbaren Menütasten auf dem Gehäuse liegen. Positiv irritiert bin ich hingegen von einem anderen Verhalten: Das Gerät gleicht bei meinen Experimenten innerhalb von ein paar Sekunden die Trapezverzerrung der Darstellung beim Schrägstellen automatisch aus.

Am ersten Testtag ist das Wetter in Berlin noch grau und regnerisch. Die Darstellung des Beamers ist bei diesem Licht zwar flau, aber brauchbar. Gegen die Frühlingssonne der ersten Apriltage hat er hingegen keine Chance. Da muss ich die Rollos herunterlassen.

Kinoabende nur mit Kabel

Für den ersten Einsatztest habe ich einen Kinoabend bei Freunden geplant, also den fest verbauten Akku voll geladen und einen USB-Stick mit einem Film bespielt. Die beiden Bierflaschen im Rucksack sind schwerer und nehmen mehr Platz weg als der Beamer. Allerdings hätte ich mir gerade wegen der Bierflaschen gewünscht, dass wenigstens die Linse irgendeine Art von Transportschutz hätte. Ich wickle den Beamer in eine Jutetüte ein.

Vor Ort verläuft die Inbetriebnahme entspannt. Wegen des Akkus müssen keine Kabel verlegt werden, der USB-Stick wird einfach eingesteckt. Der integrierte Medienplayer schluckt den Film im h.264-Format. Allerdings ist die Menüsteuerung etwas zu sortiert. Auf dem Stick ist nur dieser eine Film im obersten Verzeichnis. Doch das Gerät bietet mir keine Direktstart-Option nach dem Einstecken, stattdessen muss ich erst die Signalquelle auswählen, dann den USB-Stick auswählen. Jetzt lande ich in einer Dateiverwaltung und hier endlich kann ich die Filmdatei auswählen und der Film startet.

Bei knapp zwei Meter Filmbreite auf der Wand und im abgedunkelten Raum ist das Bild ganz vernünftig, nachdem ich per Rädelrad die Schärfe eingestellt habe. Der Beamer steht dabei rund 2,5 Meter von der Wand entfernt, bei einer noch größeren Entfernung hilft allerdings die Schärfeeinstellung auch nicht viel.

Problematischer als das Bild ist die Geräuschkulisse. Der Lüfter des Beamers ist hörbar. Ich muss die Lautstärke voll aufdrehen, damit die Lautsprecher ihn übertönen. Die Tonqualität leidet zum Glück nicht darunter. Musikfans kommen mit den Lautsprechern nicht auf ihre Kosten, aber für die Gerätegröße ist die Qualität doch erstaunlich gut. Dass die Lautsprecher auch laut sein können, zeigt sich, als ich am nächsten Tag noch einige auf Krawall abgemischte Werbevideos ausprobiere.

Doch zurück zum Film. Gerade als er auf seinen Höhepunkt zusteuert, kommt die Akkuwarnung. Damit habe ich irgendwann gerechnet, schließlich ist das auch ein Akkutest. Doch schon im nächsten Moment sitzen wir alle im Dunkeln. Die Warnung ist tatsächlich eine Information, dass sich das Gerät jetzt ausschalten wird. Das überrascht mich aus zwei Gründen: Ich habe mit einer Vorwarnung gerechnet. Und das Gerät hat gerade mal rund 80 Minuten durchgehalten.

Nachdem das Stromkabel angesteckt ist, können wir weiterschauen. Als der Film beendet ist, startet er automatisch neu. Ich stelle den Ton aus, und der Film dient während der Gespräche danach einfach als Deko. Vermutlich hat der Hersteller genau dies für den Einsatz bei Messen vorgesehen.

Schafft Platz, ohne welchen zu brauchen

Seinen ersten richtigen Business-Einsatz hat das Gerät etwas später. Eine Frage zur Golem.de-Webseite wird diskutiert. Drei Kollegen versammeln sich vor meinem Monitor und treten sich wie üblich gegenseitig auf die Füße. Da fällt mir der Beamer ein, ich nehme ihn aus dem Rollcontainer und schließe ihn an den Laptop an. Da ich die ideale Standposition schon vom ersten Testtag her kenne, dauert das alles weniger als eine Minute. Und schon können wir vernünftig diskutieren.

Danach spiele ich wieder ein wenig mit dem Gerät herum - und lasse mir PDFs von einem USB-Stick anzeigen. Zu groß dürfen sie allerdings nicht sein. Damit ist nicht die Seitenanzahl gemeint, sondern die Dateigröße. Bei einem Dokument mit wenig Seiten, aber mehreren hochaufgelösten Bildern steigt der Viewer aus, verweist auf Speichermangel und empfiehlt merkwürdigerweise ein Programmupdate.

Seinen nächsten Feldeinsatz hat der Beamer bei einer Familienfeier. Hat es sich die vergangenen Jahre eingebürgert, die Urlaubsfotos per Tablet herumzuzeigen, will ich allen Zeit sparen und sie per Beamer an die Wand werfen. Also den Beamer aufgestellt, Tablet per Slimport-zu-HDMI-Adapter angeschlossen, und wie bei den alten Dia-Abenden den Raum abgedunkelt. Zum Glück brauche ich dabei die Fernbedienung nicht, denn die habe ich zu Hause vergessen. Hier wünsche ich mir eine Halterung am Gerät. Obwohl der Beamer wieder im Akkubetrieb läuft, hält er diesmal tatsächlich zwei Stunden durch.

Verfügbarkeit und Preis

Der LG-Smartbeam-Projektor PH300 ist bei verschiedenen Elektronikhändlern verfügbar und kostet um die 370 Euro.

Fazit

Auch dieser Beamer lässt mich unentschieden zurück. Auf der einen Seite finde ich ihn unheimlich praktisch. Brauche ich ihn im Büro nicht, liegt er im Rollcontainer und nimmt keinen Platz weg. Brauche ich ihn, ist er schnell aufgebaut und ich muss nicht nach einer Steckdose suchen. Kein Warten mehr darauf, dass der Konferenzraum frei wird, weil nur dort der große Bildschirm steht!

Auf Dienstreisen und auch in der Freizeit nehme ich ihn öfter einfach auf Verdacht mit. Das geringe Gewicht fällt im Rucksack nicht auf. Und ich würde mir auch zutrauen, das Gerät einfach per Panzertape an die Decke zu kleben, wenn doch einmal der Stellplatz fehlt. Das gefällt mir.

Auf der anderen Seite ist da zuerst der Preis. Er ist mir privat, als Nicht-Heimkinofan und Liebhaber heller Räume, zu teuer - selbst wenn keine Folgekosten für eine neue Lampe fällig werden.

Außerdem stört mich, dass das Gerät etwas zu sehr auf Style setzt statt auf Robustheit. Es muss nicht gleich klobig und "ruggedized" sein mit hässlichen Gummikanten und wasserdichten Stöpseln. Aber mit seinen berührungsempfindlichen Bedienflächen auf dem kleinen Gehäuse, dem fehlenden Linsenschutz und der ebenfalls nicht im Lieferumfang enthaltenen Tasche für das Zubehör habe ich immer das Gefühl, dass die Ingenieure bei ihrer Entwicklung nicht an einen rauen Rucksackalltag gedacht haben. Eher hatten sie wohl den Einsatz im Büro oder auf Messen im Auge und den Transport im Diplomatenkoffer.

Trotz der negativen Details habe ich aber den Eindruck, die allgemeine Entwicklung bei Beamern geht in die richtige Richtung. Vielleicht wird ein Beamer doch bald mein Begleiter werden.  (am)


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