Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/windows-10-version-1607-windows-subsystem-fuer-linux-wird-einschraenkungen-haben-1604-120110.html    Veröffentlicht: 04.04.2016 12:57    Kurz-URL: https://glm.io/120110

Windows 10 Version 1607

Windows-Subsystem für Linux wird Einschränkungen haben

Das Interesse am Windows-Subsystem für Linux auf der Build 2016 war groß. Microsoft hat einige Möglichkeiten gezeigt, aber auch Beschränkungen - und das nicht nur, weil es eine Beta ist.

Wenn Mitte 2016 Windows 10 Version 1607 erscheint, wird das System ein Subsystem für Linux enthalten. Nach einer eher groben ersten Ankündigung sind im Laufe der Entwicklerkonferenz Build immer mehr Details zu Fähigkeiten und Begrenzungen bekanntgegeben worden. Und die entsprechenden Vorträge waren teils so gut besucht, dass es keine Sitzplätze mehr gab.

Windows-Entwickler versammeln sich um Linux-Vorträge

Das Interesse der Windows-Entwickler ist riesig an der neuen Werkzeugsammlung, die bald in Windows integriert wird - und diesen Wunsch nach Werkzeugen anderer Betriebssysteme gibt es schon lange. Die Entwickler wollten nämlich nicht nur Verbesserungen auf der Windows-Kommandozeile haben, sondern auch die ganzen Werkzeuge, mit denen sie auf Servern oder aufgrund von plattformübergreifenden Projekten ohnehin arbeiten müssen.


SSH, Grep und weitere Open-Source-Projekte wie Ruby und Python sollten besser unter Windows funktionieren, wie auch an der Anwenderwunschliste bei Microsoft zu sehen ist. Und der Weg, den Microsoft zusammen mit Canonical dafür beschreiten wird, ist ein spezielles Subsystem innerhalb von Windows 10 für Linux. Subsystem deswegen, weil es keine virtuelle Maschine ist, sondern der Code in den Windows-Kernel integriert wurde. Diese Schicht ist weitgehend kompatibel zu dem Syscall-Layer des Linux-Kernels, auf dem User-Mode-Anwendungen laufen können. Offiziell heißt dieses System Windows Subsystem for Linux (WSL). Darauf arbeitet derzeit ein Usermode-Image von Ubuntu 14.04.4 LTS. Änderungen speziell für Windows soll dieser Usermode-Code nicht beinhalten. Der Vorteil der Lösung ist laut Microsoft ein geringerer Ressourcenbedarf im Vergleich zu einer virtuellen Maschine. Später soll es auch möglich sein, andere Linux-Distributionen zu nutzen. Eine GUI werde aber keinesfalls unterstützt.

Um in die Textwelt der Bourne Again Shell (Bash) zu kommen, reicht es, in der Kommandozeile von Windows "bash" einzutippen. Das Subsystem ist dann sofort zugänglich, ohne Umwege über ein virtualisiertes Netzwerk. Unter Windows greift der Anwender beispielsweise ganz normal über Localhost auf einen Linux-Webserver zu. Firewall-Regeln gelten nicht nur für Windows, sondern auch das Subsystem. Und das Linux kann ohne weiteres auch Windows-Dateisysteme mounten und dort Daten ablegen. Wer will, kann sich mit klassischen Bash-Kommandos durchs Windows-Dateisystem bewegen, inklusive Tab-Vervollständigung.

Natürlich lassen sich Dateien nicht nur in Emacs bearbeiten, wie das zur Ankündigung demonstriert wurde und was so manchen Vi-Nutzer verschreckt hat. Das Werkzeug Vi funktioniert selbstverständlich ebenfalls. Microsoft demonstrierte das innerhalb einer Session auf der Build kurz, um anschließend, mit einem kleinen Seitenhieb, auf etwas "Moderneres" umzuschalten: Visual Studio Code. Es lassen sich zudem Linux-Binaries (ELF64) vom Windows-Dateisystem ausführen, mit denen Windows normalerweise nichts anfangen kann. Der Anwender ist nicht gezwungen, seine Programme an bestimmten Stellen abzulegen und abgeschottet zu lassen. In einer anderen Demo zeigte Microsoft das Debugging von Ruby-Anwendungen auf der lokalen Maschine. Remote-Logins und virtuelle Maschinen werden so teils unnötig. Auch der GCC-Compiler ist Teil des User-Mode-Linux auf Windows und kann genutzt werden. Und wenn etwas fehlt, reicht ein einfaches apt install für noch fehlende Werkzeuge. Das Subsystem kann auch auf die Hardware zugreifen. Wer möchte, kann sich beispielsweise die Konfiguration des Systems anzeigen lassen.

Das Subsystem ist noch am Anfang

Doch das Subsystem wird auch mit Windows 10 Version 1607 (für 2016-07 als Veröffentlichungsdatum) noch nicht komplett sein. Das mit Canonical gemeinsam entwickelte System ist dann auch noch in einem Betastadium, mit dem Entwickler aber schon arbeiten können. Die Einschränkungen sind jedoch teils ungewöhnlich. So fehlt noch ein Rechtemanagement, weshalb zunächst alle Nutzer als Root das Ubuntu nutzen. MySQL sollten Entwickler auf dem Subsystem erst einmal vermeiden. Zudem funktionieren Werkzeuge wie top und tmux noch nicht.

Informationen will Microsoft zentral im MSDN bereitstellen. Wann WSL den finalen Status erreichen wird, ist derzeit nicht bekannt. Die ersten Insider-Builds sollen in den nächsten Wochen erscheinen. Canonical will das Ubuntu auch auf 16.04 LTS aktualisieren, sobald diese erschienen ist. Um WSL zu betreiben, braucht es ein 64-Bit-System. Zudem wird WSL nicht für Serverlizenzen verfügbar gemacht. Die Desktopversionen werden aber alle WSL unterstützen.  (ase)


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