Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/layer-2-bitstrom-bundesnetzagentur-bestimmt-alternativen-zugang-zum-vectoring-1604-120096.html    Veröffentlicht: 01.04.2016 17:46    Kurz-URL: https://glm.io/120096

Layer-2-Bitstrom

Bundesnetzagentur bestimmt alternativen Zugang zum Vectoring

Die Telekom muss beim Vectoring ein neues Vorleistungsprodukt bieten. Layer-2-Bitstrom über Ethernet könne den direkten Zugang zur letzten Meile nicht ersetzen, kritisiert der Breko. Durch die langen Fristen müsse auch in Zukunft bis zu drei Wochen auf schnelle Internetanschlüsse gewartet werden.

Die Bundesnetzagentur hat ihren Entwurf für konkrete Zugangsbedingungen für den Layer-2-Bitstromzugang vorgelegt. "Dem Layer-2-Bitstrom kommt als alternatives Vorleistungsprodukt beim Einsatz der Vectoring-Technologie eine besondere Bedeutung zu. Einige von der Telekom vorgelegten Regelungen müssen geändert werden", erklärte Behördenchef Jochen Homann am 1. April 2016. Die Telekom muss der Konkurrenz für die TAL-Zugänge, die durch Vectoring nicht mehr für VDSL verfügbar sind (Teilnehmeranschlussleitungen), ab Mitte des Jahres einen Ersatz anbieten.

Der Bitstromzugang soll ein kombiniertes Vorleistungsprodukt aus Internetzugang und Transportleistung im Netz der Telekom sein, das es Konkurrenten ermöglicht, ihren Endkunden ADSL- und VDSL- sowie künftig auch Glasfaser-Anschlüsse zu bieten.

Wie Vectoring funktioniert

Vectoring ermöglicht bis zu 100 MBit/s, doch der Vectoring-Effekt auf der Kupferleitung nimmt mit der Leitungslänge ab und ist bei der bisher eingesetzten Technik ab 700 bis 800 Metern praktisch nicht mehr feststellbar.

Die Technik reduziert die gegenseitige Störung durch Far-End-Crosstalk (FEXT) benachbarter Kupferdoppeladern eines Kabels. Dieser Prozess verlangt eine hohe Rechenleistung in den aufgerüsteten DSLAMs. Das System errechnet für jede einzelne Kupfer-Doppelader eines Bündels die jeweiligen Störeinflüsse und sendet neben dem eigentlichen Nachrichtensignal ein Gegensignal in die jeweilige Doppelader, das abhängig von den errechneten Störeinflüssen erzeugt wird. So werden die durch Übersprechen entstehenden Störsignale fast ausgeschaltet.

Layer 2-Bitstrom per Ethernet

Layer 2-Bitstrom wird künftig per Ethernet im Netz der Telekom transportiert. Die alternativen Betreiber müssen für dieses Zugangsprodukt mehr in eigene Infrastruktur investieren, könnten den Datenverkehr dann aber weitgehend unverarbeitet von der Telekom übernehmen und so eigene Endkundenprodukte schaffen, erklärte die Regulierungsbehörde. Der Datenverkehr kann von den Telekom-Wettbewerbern nur an bundesweit rund 900 Übergabepunkten übernommen werden, was mehr Infrastrukturmaßnahmen des Anbieters erfordert.

"Da der Layer-2-Bitstrom Wettbewerbern ab Mitte des Jahres zur Verfügung stehen muss, ist das Standardangebot zunächst vorläufig in Kraft gesetzt worden", erklärte die Behörde.

Kein echter Ersatz - zu lange Fristen

Auch wenn ein Bitstrom-Zugang ein sinnvolles Angebot für bestimmte Marktteilnehmer darstellen möge, stelle dieses für den Breko auch weiterhin keine gleichwertige Alternative zum physikalischen Zugang zur TAL, der letzten Meile, dar und könne den direkten Zugang zur TAL nicht ersetzen, kommentierte Breko-Geschäftsführer Stephan Albers auf Anfrage von Golem.de. Breko steht für Bundesverband Breitbandkommunikation.

Die lange Frist von 15 Werktagen, die die Behörde der Telekom zur Bereitstellung eines Layer-2-Zugangs zugesteht, sei problematisch. Beim Zugang zur TAL liegt die Frist bei lediglich fünf Werktagen. Der Schadenersatz, den die Telekom bei Überschreitung der Frist leisten muss, sei so niedrig, das kaum Anreize für eine schnellere Bereitstellung gesetzt würden. "Bürger und Unternehmen werden so auch in Zukunft bis zu drei Wochen auf die Bereitstellung schneller Internetanschlüsse warten müssen", erklärte der Breko.

"Die Bundesnetzagentur hat sich außerordentlich viel Mühe gegeben, den Angebotsentwurf der Telekom Deutschland vor dem Hintergrund der massiven Kritik der Wettbewerber anzupassen und diesen wettbewerbskonform auszugestalten", erklärte ein VATM-Sprecher Golem.de.

Wichtig sei, dass die Behörde nicht akzeptiert habe, dass die Telekom Layer 2-Bitstrom als Ersatzprodukt für den Wegfall der physikalischen Entbündelung deklarieren dürfe. "Dieser Versuch der Telekom wurde von der Beschlusskammer unterbunden. Wir erwarten nun ein weiteres Standardangebot für ein leistungsfähiges VULA-Produkt (Virtual Unbundled Local Access), das insbesondere den Wegfall der entbündelten TAL in den Hauptverteiler-Nahbereichen kompensieren kann", sagte der Sprecher.  (asa)


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