Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/elektroauto-tesla-setzt-alles-auf-die-3-1604-120077.html    Veröffentlicht: 01.04.2016 11:05    Kurz-URL: https://glm.io/120077

Elektroauto

Tesla setzt alles auf die 3

Ein Kampfpreis, ein gefälliges Design und ein Hype, der sonst nur bei Apple entfacht wird - das sind die Zutaten, mit denen Tesla Motors mit dem Model 3 Erfolg haben will. Das Elektroauto ist der Hoffnungsträger des Herstellers und es sieht so aus, als könnte die Strategie funktionieren.

Tesla wolle diesmal das Kunststück schaffen, das neue Elektroauto Model 3 tatsächlich pünktlich Ende 2017 auf den Markt zu bringen, sagte Unternehmenschef Elon Musk nicht ohne Ironie bei der Präsentation. Das SUV Model X wurde schließlich mehrfach verschoben, bevor es Ende 2015 so weit war.

Diesmal geht es bei Tesla aber um mehr, denn schließlich soll das Basismodell des Model 3 zum Kaufpreis von 35.000 US-Dollar auf den Markt kommen. Die meisten Varianten des Autos werden jedoch deutlich teurer ausfallen - das Spitzenmodell könnte zwischen 50.000 und 60.000 US-Dollar kosten.

Dennoch: So günstig war bisher keines der Fahrzeuge des Unternehmens, dessen meistverkauftes Elektroauto, das Model S, immerhin fast das Doppelte kostet. Teslas Designchef Franz von Holzhausen hatte das Model 3, das nach Roadster, Model S und Model X eigentlich Modell Nummer 4 ist, bereits 2012 angekündigt.

Autopilot im Model 3

Teslas Plan ist klar: Diesmal soll es ein Volumenfahrzeug sein. 115.000 Vorreservierungen konnte das Unternehmen noch vor der Präsentation einheimsen. Die Kunden kaufen damit aber nicht etwa das Fahrzeug blind, sondern erwerben für die überschaubare Summe von 1.000 US-Dollar nur die Option, es zu bestellen. Dennoch sind das 115 Millionen US-Dollar Vertrauensvorschuss. Die Zahl der Reservierungen dürfte nach der Präsentation noch einmal in die Höhe schnellen. Würde jeder dieser Interessenten das Basismodell kaufen, entspräche das einem Umsatz von mehr als vier Milliarden US-Dollar.

Keine schlechte Startvoraussetzung, um in den Massenmarkt einzusteigen. Dort erwartet Tesla starke Konkurrenz in Form des Chevrolet Bolt oder des im Wesentlichen baugleichen Opel Ampera-e. Der Chevy Bolt soll vom vierten Quartal 2016 an in den USA ohne staatliche Vergünstigungen 37.500 US-Dollar kosten. Zum Preis des Opel gibt es noch keine Angaben. Der Autopilot, dessen Technik in jedem Model 3 steckt, fehlt dem Chevrolet-Opel-Gespann übrigens.

Was die Technik des automatisierten Fahrens heute schon kann, zeigt das Model S eindrücklich, auch wenn Tesla einige Funktionen wegen allzu übermütiger Fahrer wieder einschränkte. Bis Ende 2017 dürfte die Technik noch weiter entwickelt werden.

Wie lange lädt der Akku?

Natürlich müssen die Kunden des Model 3 aufgrund des Preises einige Einschränkungen hinnehmen. Das Fahrzeug ist deutlich kleiner als das Model S, in das bis zu sieben Personen passen. Im Model 3 finden nur fünf Personen Platz. Außerdem verzichtet Tesla auf ein separates Fahrerdisplay und setzt auf das riesige, horizontal befestigte Display in der Mitte des Armaturenbretts.

Die Reichweite des Basismodells soll bei etwa 350 Kilometern liegen. Zum Vergleich: Das Model S mit dem aktuell kleinsten Akku (70 kWh) kommt 390 Kilometer weit. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Tesla S ursprünglich mit einem 60-kWh-Akku verkauft wurde und damit auch nur 335 Kilometer weit kam. Die Reichweiten beziehen sich jeweils auf den EPA-Zyklus.

Die Dichte der Supercharger-Ladestationen, mit denen die Tesla-Elektroautos schnell wieder aufgeladen werden können, will Tesla bis Ende 2017 stark erhöhen, damit die Kunden auch lange Strecken zurücklegen können. Ob das Kritiker besänftigt, die die Ladedauer mit dem Betankungsvorgang an der Tankstelle vergleichen? Wie lange der Ladevorgang beim Model 3 dauert, ist nicht bekannt.

Scheitert das Model 3, scheitert Tesla

Bisher verkauft Tesla mit dem Model S und dem Model X nur hochpreisige Fahrzeuge in vergleichsweise geringen Stückzahlen. 2015 wurden knapp 51.000 Autos abgesetzt. Beim Model 3 muss das deutlich besser werden: Das 2003 in Palo Alto im Silicon Valley gegründete Unternehmen hat in seiner Geschichte noch nie einen Jahresgewinn erwirtschaftet. Die Produktionskapazität solle auf 500.000 Fahrzeuge jährlich erhöht werden, teilte Tesla mit.

Die Käufer des Model S und des Model X hätten die Entwicklung des Volumenmodells erst möglich gemacht, verriet Elon Musk bei der Präsentation des neuen Fahrzeugs. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wird das Model 3 kein kommerzieller Erfolg, wird es für Tesla keine Zukunft geben. Um das Risiko zu verringern, werden auf Basis des Model 3 bald weitere Varianten wie ein kleines SUV (Model Y) oder ein Kombi und vielleicht ein Coupé und ein Cabrio entstehen.  (ad)


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