Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/betriebssystem-neu-installieren-warten-auf-windows-1603-120012.html    Veröffentlicht: 30.03.2016 09:08    Kurz-URL: https://glm.io/120012

Betriebssystem neu installieren

Warten auf Windows

Früher musste man Windows häufig neu installieren, aber dafür ging das auch fix. Heute ist es nur noch selten nötig - doch dann dauert es. Ewig. So ist es uns bei der Neuinstallation von Windows 7 und Windows 10 auf zwei alten Geräten ergangen.

Windows-Neuinstallationen sind heute nicht mehr so üblich wie noch zu Zeiten von Windows 98 oder XP. Bei ihnen verlangsamen installierte Programme die Systeme nach einiger Zeit. Dafür ging die Neuinstallation recht schnell und war eine attraktive Strategie zur Problemlösung: Windows installieren, ein paar Updates draufspielen, und nach wenigen Stunden war in der Regel ein frisches System fertig.

Heute hat sich das umgekehrt. Die Windows-Installationen überleben häufig die Lebenszeit des Wirtssystems. Aber wenn der Anwender doch einmal das System neu installieren muss, kann das Tage dauern - obwohl es dank SSD statt Festplatte fixer gehen sollte. Und das liegt nicht an der Grundinstallation vom Datenträger, wie wir bei der Windows-Neuinstallation an zwei Geräten erleben mussten.

Zwei Systeme, zwei Ziele

Beide Rechner waren nicht mehr so einsatzfähig, wie sie es sein sollten: ein in die Jahre gekommenes, aber immer noch zuverlässiges Elitebook 2740p und ein kleines 8-Zoll-Tablet, das Thinkpad 8. Beide wurden aus beruflicher Neugierde mit Windows 10 bespielt, entwickelten aber im Lauf der Zeit Probleme im Betrieb, die sich nicht einfach beheben ließen.

Beim ersten Gerät, laut Microsoft vollständig Windows-10-kompatibel, funktionierte mangels Support seitens HP das Mobilfunkmodem nicht mehr, und die Akkulaufzeit reduzierte sich auf ein Drittel. Grund dafür ist das Fehlen eines angepassten Windows-10-Digitizer-Treibers, der von Microsoft vorgeschlagene Treiber hilft nicht. Das Problem hatten wir auch schon unter Windows 8, dort ließ es sich aber lösen. Windows 10 verweigert hingegen für manche Softwarepackages von HP grundsätzlich die Installation. Es musste also ein altes Windows neu installiert werden, namentlich: Windows 7.

Beim zweiten Gerät, einem modernen Thinkpad 8, hatten die Probleme eine andere Ursache. Wir hatten so viel mit Insider-Builds herumgespielt, dass sich Apps nicht mehr starten ließen und die Updates nicht funktionierten; solche Probleme durch Vorabsoftware traten auch bei zwei weiteren Windows-10-Geräten auf. Das ist nicht Microsofts Schuld, Vorabsoftware ist riskant. Der Unterschied zum Elitebook: Das Thinkpad 8 funktioniert eigentlich gut mit Windows 10, weshalb wir dieses auch wieder installieren möchten - mit Windows 8.1 wollten wir uns nicht mehr herumplagen. Doch den Aufwand haben wir gehörig unterschätzt, und leider nahmen wir den Umweg über Windows 8.

Zeitsparer: Windows-7-ISO-Image mit Service Pack und Installation vom Stick

Nicht nur für die Neuinstallation von Windows 10 auf dem Thinkpad 8 haben wir weniger Schwierigkeiten erwartet, sondern auch für die Installation des guten alten Windows 7 auf dem guten alten Elitebook 2740p. Anfangs hielten wir diese für die leichtere der beiden Neuinstallationen. Wir gingen dabei nicht mehr vor wie zur Erscheinungszeit von Windows 7, sondern nutzten statt eines Originaldatenträgers ohne Service Pack ein ISO-Image mit Service Pack 1 (SP1) und die Seriennummer, die der Originallizenz beilag. Das System transferierten wir mit Rufus auf einen USB-Stick.

Das beschleunigte die Installation enorm: Dank der Installation via Stick samt ISO-Image mit SP1 verzichteten wir auf die zeitraubenden Kopfbewegungen des Lasers optischer Laufwerke. In der Regel gibt es keine Probleme mit der Installation via USB-Stick, garantiert ist das aber nicht: Wir hatten schon Fälle, bei denen sich Windows nur per DVD installieren ließ.

Das integrierte Service Pack vom offiziellen ISO-Image spart zudem viele Aktualisierungen, da es ja alle vorherigen Updates beinhaltet. Die Installation ging dank einer 1,8-Zoll-SSD und dem Booten vom USB-Stick schön fix. Gäbe es ein Windows 7 mit aktuellem Service Pack, wären wir jetzt fertig. Doch tatsächlich war es der Anfang leidvoller Retro-Schwierigkeiten: Denn das erste Service Pack für Windows 7 ist zwischen dem 17. und dem 22. Februar 2011 erschienen - vor einem halben Jahrzehnt also. Seither hat Microsoft leider keine neuen Images bereitgestellt.

Was dauert länger? Updates suchen oder ein ganzes Betriebssystem installieren?

Nach Abschluss der Installation begann also die Suche nach einem Windows-Update. Genauer gesagt: die Suche nach dem Update für das Windows Update, damit dieses wieder Updates installieren kann. Der Update-Prozess innerhalb von Windows 7 SP1 ist nämlich schon so alt, dass er aktualisiert werden musste. Kein Problem, nur mal schnell die Updates suchen - dachten wir. Pustekuchen! Eine geschlagene Stunde mussten wir warten. Die Suche nach dem ersten Update dauerte damit schon länger als die gesamte Installation inklusive Download und Vorbereitung des Installationsmediums. Bei anderen Betriebssystemen ist solch ein Prozess eine Sache von Minuten.

Viele Patches später ist der Windows-7-Rechner wieder wie neu

Erst nach der Installation des Windows Update Agent 7.6.7600.320 gelang es uns, in mehreren Wellen rund 270 Patches zu installieren. So hatten wir erst am zweiten Tag ein durchgepatchtes System, denn wir erlaubten uns, zwischendurch zu schlafen und konnten unser Update-Prozedere erst gegen Mittag starten. Fehlten noch die Treiber, damit einzelne Komponenten auch funktionierten. Bei denen mussten wir aufpassen: Windows Update zeigt uns bis heute einen empfohlenen LAN-Treiber an, mit dem sich die Netzwerkfähigkeit nach einiger Zeit deaktiviert. Nicht schön, aber das sind wir mit unserem Notebook gewohnt.

Windows 7 lief danach wieder wie gehabt, und wir waren erleichtert, dass wir Windows 10 von der Althardware entfernt hatten. Die Akkulaufzeit steigerte sich wieder auf etwa zwei Stunden und nach Installation des Digitizer-Treibers waren über drei Stunden Arbeitszeit möglich - wie früher. Doch der Aufwand ist inzwischen viel zu hoch. Und den Aufwand reduzieren, indem Windows 10 gleich installiert wird, ist hier keine Option, auch wenn Microsoft dies empfiehlt. Lösungsmöglichkeiten gibt es dennoch, doch die lohnen sich wegen der notwendigen Validierung nur bei der Installation mehrerer Rechner.

Für das Erstellen eines Images mit allen vergangenen Windows-7-Patches gibt es einige Werkzeuge, die auch Anwender nutzen können, die nicht als Administrator arbeiten. Sich damit zu beschäftigen, ist auf jeden Fall schneller, als den gesamten Update-Prozess zu absolvieren. Aber: Offiziell unterstützt wird das seitens Microsoft nicht, und der Endanwender kann das Image nicht vernünftig auf Fehler überprüfen - ein Risiko bleibt. Wir haben schon erlebt, dass sich in einem Image ein Fehler einschlich, der erst Jahre später auf mehreren Rechnern seltsame Auswirkungen hatte - damals noch mit Windows Vista und dem Werkzeug vLite.

Microsoft bestraft Windows-7-Anwender

Es fehlt schlicht ein Service Pack 2 oder 3 oder 4 für Windows 7, damit der versierte Privatnutzer mit einem eingehend getesteten Datenträger Neuinstallationen durchführen kann. Die offizielle Situation ist für Windows-7-Nutzer jedenfalls katastrophal und ein Grund dafür, dass der eine oder andere lieber gleich zu einem neueren Windows greift. Und wenn man Windows 8.x auslassen kann, bessert sich doch einiges. Wir konnten zumindest als Zwischenschritt leider nicht auf Windows 8.1 verzichten, wie der zweite Fall zeigt.

Windows 10 macht alles wieder besser

Mit Windows 10 besinnt sich Microsoft auf die guten alten Zeiten der Service Packs indirekt zurück. Es gibt zwar weiterhin keine Service Packs mehr, die mit einem neu erstellten ISO-Image einhergehen. Aber es gibt Versionen und kumulative Updates - und von diesen veröffentlicht Microsoft immer wieder Images. Zuletzt gab es Anfang März einen neuen Windows-10-Datenträger auf Basis eines Mini-Service-Packs vom Februar 2016. Und das Unternehmen tut viel, um in vielen Situationen diese neuen Images auch auszuliefern. Das liegt aber sicher auch daran, dass Microsoft noch immer einige lästige Fehler in einem System korrigieren muss, das eigentlich vor rund neun Monaten als final eingestuft wurde.

Wie sich diese eigentlich positive Entwicklung in der Praxis auswirkt, konnten wir bei der Neuinstallation unseres Thinkpad 8 ausprobieren. Wir waren überrascht - nur leider nicht freudig.

Das Thinkpad 8 hat einige Besonderheiten, weswegen wir nicht wie beim Elitebook per USB-Stick eine Neuinstallation durchführten. Prinzipiell geht das zwar, da seit Windows 10 Version 1511 auch alte qualifizierte Seriennummern akzeptiert werden, doch unser kleines Thinkpad 8 hat keinen regulären USB-A-Anschluss. Einen Micro-USB-3.0-A/B-OTG-Stick oder -Adapter hatten wir nicht zur Hand. Ein Problem, vor dem viele Windows-8-Tablet-Nutzer stehen dürften.

Dementsprechend wählten wir für die Neuinstallation des Systems den Recovery-Modus und stellten dabei fest: Ein Upgrade auf Windows 10 aktualisiert diesen Modus nicht. Zugegeben, das hätten wir ohnehin nicht erwartet, aber ein bisschen Hoffnung hatten wir doch, denn beim Mac geht dies schließlich auch. Zunächst gab es damit einen unter Windows 10 initiierten Rückfall auf ein sauber installiertes Windows 8.1 - vom 7. März 2014. Ein paar Patches sind also drin, verglichen mit dem Stand, in dem wir Windows 8.1 im Oktober 2013 testeten. Schlimmstenfalls standen uns dennoch Updates von fast zwei Jahren bevor, bevor das Windows-10-Upgrade durchgeführt werden konnte.

Dieser schlimmste Fall trat natürlich ein - und wurde durch die schwache Hardware noch problematischer. Könnte Microsoft seine Update-Prozesse nicht effizienter gestalten, und muss das Patchlevel wirklich so hoch sein, um Windows 10 zu installieren? Ein Windows 8.2 oder ein kumulatives Update hätte uns viel Arbeit bei dem angeblich für Tablets hervorragend geeigneten Windows 8.1 erspart. Dass eine Neuinstallation und die Patch-Installationen mit einem 4-Kern-Atom (Z3770) im Inneren des Tablets keinen Spaß machen, dürfte Microsoft wissen. Zusammen mit der eMMC-SSD war das System jedenfalls spürbar überlastet. So überlastet, dass es mitunter zu Abbrüchen bei den Updates kam. Und dabei hatten wir noch Glück: Das Thinkpad 8 gehört zu den leistungsfähigsten Atom-Tablets der Windows-8-Generation. Wir wollen gar nicht wissen, wie das auf einem der ersten Geräte ablaufen würde.

Wir mussten also erst einmal die Installation von über 200 Patches durchmachen. Zwar sind es effektiv nur um die 150, doch wegen mehrfach fehlgeschlagener Updates ohne ersichtlichen Grund mussten wir sehr viel Zeit und viele Neustarts investieren. Drei große Update-Wellen galt es zu installieren, jeweils mit einem Neustart und viel Geduld. Dazu kamen noch ein paar kleinere Updates - natürlich auch wieder mit Neustart.

Microsoft bessert weiter nach

Unser Thinkpad hatte am Ende das Build 10586.104 installiert, es fehlte nur ein einziges Update. Damit ging das Update von Windows 8.1 auf Windows 10 schneller als die Patch-Orgie innerhalb von Windows 8.1 davor. Dass sich das Ganze immer weiter verbessert, konnten wir an einem Upgrade eines Dell Latitude 12 5270 nachvollziehen. Nachdem der Upgrade-Prozess durchlief, war das Build 10586.164 installiert. Microsoft ist also dabei, die Neuinstallationen zu vereinfachen - und unserer Erfahrung nach werden sie von Mal zu Mal unproblematischer.

Wir empfehlen in so einer Situation, möglichst schnell ein sauberes Backup aufzubauen. Die Kollegen vom C't-Magazin haben für diese Zwecke das eigene C't-WIMage auf Basis der Werkzeuge von Microsoft entwickelt, was viel Arbeit für das nächste Problem erspart.

Windows 10 erspart viele Updates

Einer der Gründe dafür, gleich ein neues Betriebssystem zu wählen, war schon immer, dass man sich die Updates der vergangenen Jahre erspart. Und wir haben bei der Neuinstallation von Geräten in der Vergangenheit durchaus mal zu Windows 8 gegriffen, auch wenn uns das System nicht gefallen hat, um der Aktualisierungsfalle von Windows 7 zu entgehen.

Das ist bei Windows 10 nicht anders. Wer ein kompatibles System hat und vor einer Neuinstallation steht, der kann direkt über Windows 10 nachdenken. Je einfacher das System aufgebaut ist, desto eher gelingt ein Update. Auch auf alter Hardware. Und mittlerweile funktionieren die Upgrades von Windows 8.1 oder 7 besser als noch zur Anfangszeit. Die Probleme liegen meist in dem zu aktualisierenden System vor Windows 10.

Insgesamt zeigt sich, dass sich Microsoft nach dem Experiment Windows 8 auch bei Neuinstallationen in die richtige Richtung bewegt. Es gibt wieder so etwas wie Service Packs in Form kumulativer Updates, es werden regelmäßig neue Datenträger bereitgestellt, auf die sich der Nutzer verlassen kann - und der nötige Zeitaufwand reduziert sich so deutlich. Nur Windows-7-Nutzer lässt Microsoft weiter im Regen stehen und erzeugt so künstlich einen Grund, das eigentlich zuverlässige Betriebssystem vorzeitig aufzugeben.

Und wie wir es selbst erfahren mussten, müssen darunter unter Umständen selbst Windows-10-Nutzer leiden: Mit ein wenig Pech stehen sie vor einer tagelangen Patch-Orgie, die ihresgleichen sucht, wenn mal eine Upgrade-Lizenz neu installiert werden muss.  (ase)


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