Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/freeform-im-hands-on-android-ns-versteckter-fenstermodus-1603-119928.html    Veröffentlicht: 22.03.2016 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/119928

Freeform im Hands on

Android Ns versteckter Fenstermodus

Unter Android N lassen sich Apps nicht nur in einem Split-Screen-Modus parallel nutzen, sondern auch als frei verschiebbare Fenster - dafür müssen Nutzer aber etwas basteln. Golem.de hat sich die neue Fensterfreiheit angeschaut.

Google hat für die kommende Android-Version mit dem Codebuchstaben N einen Mehrfenstermodus vorgesehen - ein solcher ist bereits in den aktuellen Vorabversionen integriert. Dabei handelt es sich in Wahrheit aber um einen Split-Screen-Modus, in dem sich zwei Anwendungen parallel nutzen lassen. Dass Google mit dem Konzept allerdings noch etwas vorhat, zeigt ein in der Vorschauversion versteckter Floating-Window-Modus - Freeform-Modus genannt.

Hier können mehr als zwei Apps als kleine Fenster geöffnet werden, die sich verschieben und in der Größe anpassen lassen. Aufgerufen wird der erweiterte Fenstermodus über die Übersicht der zuletzt verwendeten Apps - im Benutzeralltag ist es daher unkompliziert, schnell mehrere Fenster zu öffnen.

Allerdings muss der Modus erst aktiviert werden; offiziell freigegeben hat Google ihn noch nicht. Daher ist er auch nicht einfach in den Systemeinstellungen zu finden, sondern muss mit Hilfe der Android Debug Bridge (ADB) aktiviert werden. Ars Technica hat von einem Leser erfahren, wie das funktioniert - Golem.de hat die Schritte nachvollzogen und den Fenstermodus ausprobiert.

Voraussetzung für die Aktivierung ist natürlich zunächst, die Vorschauversion von Android N auf seinem Gerät installiert zu haben. Zudem muss der Bootloader entsperrt und ein alternatives Recovery-System aufgespielt sein - wir haben uns für TWRP entschieden. Zudem sollte die ADB-Shell zumindest kein komplettes Fremdwort sein. Generell sollten die Prozedur nur Nutzer ausführen, die zumindest in Grundzügen wissen, was sie tun.

Eingriff im System nötig

Um den erweiterten Fenstermodus zum Laufen zu bringen, wird im Grunde eine Config-Datei im Android-System verändert und die Ausgabe in einer weiteren Datei gespeichert. Darüber wird der erweiterte Modus aktiviert. Um auf der Systempartition Daten zu verändern, müssen Nutzer Zugriff darauf erhalten. Unter TWRP wird die System-Partition daher zunächst gemountet - unter dem Menüpunkt Mount wird ein entsprechendes Häkchen gesetzt. Das geht mit Root-Rechten natürlich generell auch über die Shell, das Verfahren mit TWRP ist im Zweifel aber unkomplizierter. Anschließend navigieren wir in der ADB-Shell von einem PC aus in das Permissions-Verzeichnis:

cd /system/etc/permissions

Dann bearbeiten wir die Datei android.software.live_wallpaper.xml und schreiben die Ausgabe in die Datei freeform.xml:

sed -e "s/live_wallpaper/freeform_window_management/" android.software.live_wallpaper.xml > freeform.xml

Der Befehl muss in einer Zeile geschrieben und dann mit Enter bestätigt werden. Anschließend starten wir das Smartphone, in unserem Fall ein Nexus 6P, neu und geben nach dem Neustart nochmal über die ADB-Shell folgenden Befehl ein:

settings put global enable_freeform_support 1

Dann sollte nach einem weiteren Neustart der erweiterte Fenstermodus funktionieren: Ein Druck auf die Quadrat-Taste ruft wie vorher auch die Übersicht der zuletzt genutzten Anwendungen auf, nur dass bei den einzelnen Karten jetzt neben dem X zum Schließen auch eine Schaltfläche zum Öffnen der App in einem separaten Fenster sichtbar ist.

Ein Druck auf diese Schaltfläche koppelt die jeweilige App aus der Übersicht aus und öffnet sie als freischwebendes Fenster. Dieses können wir in der Größe verändern und über den Bildschirm bewegen. Weitere Apps in Floating-Windows lassen sich hinzufügen, allerdings wird das auf einem Smartphone wie dem Nexus 6P schnell fummelig - besonders, da sich die Fenster eher umständlich in der Größe ändern lassen.

App-Fenster werden in der Übersicht gruppiert

Einzelne Fenster lassen sich auf Knopfdruck wieder maximieren, die restlichen Fenster verschwinden dann dahinter. Wechseln wir aus dem Modus mit mehreren geöffneten Fenstern zum Hauptbildschirm und öffnen dann die Übersicht der zuletzt geöffneten Apps, werden alle Fenster-Anwendungen gruppiert angezeigt. Das Android-System "merkt" sich quasi den Desktop mit den offenen Fenstern.

Für Tablets bringt der erweiterte Fenstermodus mehr Übersicht, besonders wenn Nutzer mit Maus und Tastatur arbeiten. Allerdings fehlt Android dann immer noch ein Window-Manager, über den die Fenster direkt erreichbar sind, egal, wo sie sich gerade befinden. So können wir kleinere Fenster, die hinter größeren liegen, nicht einfach aufrufen, sondern müssen das große Fenster erst verschieben, um das kleinere zu erreichen.

Fazit

Dass Google einen Floating-Window-Modus in der Vorschau von Android N versteckt hat, ist nicht nur aus haptischer Sicht interessant. Ein gut funktionierender Fenstermodus könnte ein Schritt sein, Android zumindest auf Convertibles zu einem benutzbaren Desktop-System zu machen. Bereits länger wird gemunkelt, dass Google daran arbeitet, Android und Chrome OS zu verschmelzen.

In unseren Versuchen klappt der erweiterte Fenstermodus gut, auf Smartphones ist er aber - wie andere Floating-Windows-Systeme auch - etwas fummelig. Ob und in wieweit Google die schwebenden Fenster in Android N einbindet, ist aktuell noch nicht bekannt.  (tk)


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