Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kinemic-beruehrungslos-interagieren-und-schreiben-1603-119835.html    Veröffentlicht: 17.03.2016 11:48    Kurz-URL: https://glm.io/119835

Kinemic

Berührungslos interagieren und schreiben

Scrollen und schreiben, ohne zu berühren. Das KIT stellt auf der Cebit ein Gestensteuerungssystem vor, das nicht nur durch Menüs navigieren kann.

Ein Wisch mit zwei Fingern, und die Markierung in der Liste auf dem Bildschirm springt zum nächsten Menüpunkt. Auf eine Drehung der Faust öffnet sich ein neues Menü. Kinemic ist ein System, das es ermöglicht, freihändig mit dem Computer zu interagieren. Entwickelt wurde es am Karlsruher Institute of Technology (KIT).

Kinemic ist eine Software, die Bewegungsdaten von Sensoren wie Beschleunigungssensoren oder Gyroskopen in Steuerbefehle und Schrifterkennung umsetzt. Bei der Demonstration auf der Cebit (Halle 6, Stand A30) trägt Tomt Lenz ein Armband mit den entsprechenden Sensoren. Eine Smartwatch würde aber als Eingabegerät ebenfalls funktionieren.

Kinemic erkennt Gesten und Buchstaben

Mit Gesten navigiert Lenz durch eine Liste: Er scrollt, öffnet ein Untermenü, hakt Posten ab. Kinemic erfasst aber nicht nur Gesten: Lenz malt einige Zeichen in die Luft und an einem Posten erscheint die Notiz "replace", "ersetzen". Die Software erkennt die Buchstaben - große und kleine Druckbuchstaben -, die Lenz in die Luft malt.

Kinemic ist damit eine Weiterentwicklung des Systems Airwriting. Das hatte das Team des KIT vor zwei Jahren auf der Cebit vorgestellt. Das System erkennt in die Luft geschriebene Buchstaben und setzt sie in Schrift um.

Der Computer wird freihändig bedient

Das System ist vor allem gedacht für den Einsatz am Arbeitsplatz: Ein Werktätiger kann einen Computer oder ein Tablet bedienen, ohne etwa sein Werkzeug aus der Hand legen zu müssen. "Das ist der große Vorteil: Man ist direkt wieder bei der Tätigkeit, diese wird nicht unterbrochen", sagt Lenz im Gespräch mit Golem.de. Damit der Sensor keine Bewegungen während der Arbeit fälschlich als Geste interpretiert, kann das System gesperrt werden.

Praktisch ist das System auch in Kombination mit einer Datenbrille. Die derzeit erhältlichen Geräte seien noch sehr unpraktisch in der Bedienung. Einige haben zwar eine Sprachsteuerung - aber die funktioniert in einer lauten Umgebung, etwa einer Fabrikhalle, nur schlecht. Also fasst sich der Träger an die Schläfe und tastet nach dem richtigen Knopf am Brillenbügel, um eine Aktion mit der Brille durchzuführen. Eine Gestensteuerung kann die Bedienung erleichtern.

Anwendungen sehen die Entwickler beispielsweise in Umgebungen, in denen andere Eingabegeräten nicht zur Verfügung stehen, wie in einem Reinraum. Das Armband wird dann einfach unter dem Handschuh getragen. Ein anderes Szenario sind Bereiche, in denen der Nutzer mobil ist und die Hände nicht frei hat: Ein Lagerverwalter hat eine Bestandsliste auf der Datenbrille. Er hakt vorhandene Posten ab oder schreibt einen kurzen Vermerk, wenn ein Produkt nachbestellt werden muss.

Der Stift erkennt Schrift

Ein erstes Produkt mit der Kinemic-Technik gibt es auch schon: Der deutsche Schreibgerätehersteller Stabilo hat sie in einen Stift, den Digipen, integriert. Vorgestellt wurde der Digitalstift auf der CES Anfang des Jahres.

Die Software erkennt an den Bewegungen, was der Nutzer schreibt und überträgt den Text an einen Computer oder ein Tablet. Voraussetzung ist, dass es wie bei Kinemic Druckbuchstaben sind. Vorteil ist, dass das auf jedem beliebigen Papier geht. Anders als bei bisherigen Digitalstiften mit einer optischen Erkennung, wie etwa dem grandios gescheiterten Wahlstift, der vor einigen Jahren in Hamburg eingesetzt werden sollte, braucht dieser Stift kein fein gemustertes Papier.  (wp)


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