Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/connected-car-die-polizei-vernetzt-den-streifenwagen-1603-119819.html    Veröffentlicht: 17.03.2016 08:22    Kurz-URL: https://glm.io/119819

Connected Car

Die Polizei vernetzt den Streifenwagen

Internet im Streifenwagen: Polizisten in Brandenburg fahren künftig vernetzt und können Strafzettel online abrechnen.

Der Streifenwagen geht online: Die Polizei in Brandenburg will in den kommenden Jahren ihre Streifenwagen mit Computer und Internetzugang ausstatten. Auf der Cebit wird der "interaktive Funkstreifenwagen" vorgestellt (Halle 7, Stand B42).

Ein Monitor am Armaturenbrett, dort, wo sonst oft das Navigationsgerät angebracht ist, und eine kleine Kamera darauf an der Windschutzscheibe sowie eine LAN-Buchse unter dem Display - mehr ist im Auto nicht zu sehen. Der Computer selbst ist im Kofferraum untergebracht. Die Tastatur steckt, wenn sie nicht gebraucht wird, je nach Fahrzeug entweder im Handschuhfach oder in der Tasche in der Lehne des Beifahrersitzes.

Der Rechner steht unter einer Gnu-Lizenz

Der Rechner sei ein Multi-PC Smart mit einem Tegra-3-Prozessor, auf dem Linux laufe, sagte ein technischer Angestellter des Landes Brandenburg im Gespräch mit Golem.de. Der Internetzugang erfolgt über LTE. Kommuniziert wird sicher über VPN. Die Hardware, also Rechner und Display, sowie die Anwendungen wurden speziell nach den Vorgaben der Polizei von Brandenburg entwickelt. Beide stehen unter einer Gnu-Lizenz.

Über den Computer können die Beamten Funktionen im Auto bedienen. Dazu gehören beispielsweise das Digitalfunkgerät oder Signalfunktionen wie Blaulicht oder Martinshorn. Das geht zum einen über den Touchscreen. Auf beiden Seiten des Displays gibt es aber auch Knöpfe, etwa für die Kamera, oder einen Notfallknopf, der die Leitstelle alarmiert.

Alle Fahrzeuge im Einsatz sind auf der Karte zu sehen

Daneben können die Beamte auch mit der Leitstelle kommunizieren - oder diese mit dem Streifenwagen: Sie kann der Besatzung den Auftrag für einen Einsatz übermitteln, der mit Hilfe des integrierten Navigationssystems angesteuert wird. Auf der hochaufgelösten Karte sind zudem die Standorte aller weiteren Einsatzfahrzeuge zu sehen - und zwar nicht nur der Autos, sondern auch der Boote der Wasserschutzpolizei und der Hubschrauber.

Bei einem Einsatz, etwa einer Geschwindigkeitsübertretung, können die Beamten die Ordnungswidrigkeit gleich im Auto erfassen: Über eine Maske werden die nötigen Daten wie Fahrer, Ort und Geschwindigkeit eingegeben. Der Fahrer zahlt direkt bei den Beamten. Das Auto ist dafür mit einem Pinpad für die Kartenzahlung ausgestattet.

Der Vorgang wird vor Ort abgeschlossen

Vorteil sei, dass die Daten direkt in das System der Bußgeldstelle der Polizei in Brandenburg eingetragen würden. Damit sei der Vorgang abgeschlossen. Die Beamten müssten sich nicht später auf der Wache noch einmal damit beschäftigen.

Laptop ergänzt Linux-PC

Damit das funktioniere, sei eine größere Serverinfrastruktur notwendig, auf der die Applikationen laufen, sagt der Mitarbeiter des Landes. Das war kein Problem: Die gibt es schon. So kann die Polizei in Brandenburg schon seit 2004 Ordnungswidrigkeiten mobil erfassen. Anfangs bedurfte es dazu noch eines eigenen Clients. Inzwischen geht das eben direkt auf dem System der Bußgelderfassungsstelle.

Der Tegra-Prozessor hat Nachteile

Allerdings sei der Bildschirm am Armaturenbrett kein Computerarbeitsplatz, sagt der Mitarbeiter des Landes. Das sei schon aus Gründen des Arbeitsschutzes nicht möglich. Außerdem sei dafür der Tegra-Prozessor nicht leistungsfähig genug: Zwar reiche er für die gewünschten Anwendungen aus. Allerdings sei die Kartendarstellung etwas schwach. Zudem sei es nicht möglich, den Computer aus der Wache auf den Smart-PC im Auto spiegeln.

Für komplexere Anwendungen gibt es im Streifenwagen aber einen Laptop. Darüber können die Beamten aufwendigere Vorgänge erfassen wie etwa Anfragen an das Kraftfahrtbundesamt oder beim Informationssystem der Polizei starten oder das Intranet der Polizei nutzen. Das Notebook wird dann per LAN mit dem Smart-PC verbunden und geht darüber online.

Der Streifenwagen bekommt eine Dashcam

Schließlich werden die neuen Streifenwagen mit einer Kamera zur Eigensicherung ausgestattet: Im Pkw sitzt sie auf dem Armaturenbrett, im Transporter kommt noch eine Heckkamera hinzu. Damit können die Beamten einen Einsatz dokumentieren. Erscheint ihnen eine Situation verdächtig, aktivieren sie die Kamera, die das Geschehen vor dem Auto aufzeichnet. Die Daten werden auf dem Smart-PC gespeichert und, falls nicht benötigt, nach 24 Stunden automatisch gelöscht.

Die Leitstelle kann zwar die Daten nicht einsehen. Sie kann aber, wenn die Besatzung nicht auf einen Auftrag oder auf eine Funkanfrage reagiert, das Kamerabild einsehen. Das passiert aber nur Ausnahmefällen. Die Funktion sei nicht dazu gedacht, dass die Leitstelle kontrolliere, ob die Beamten gerade Mittagspause machten, sondern um festzustellen, ob etwa das Auto nach einem Unfall auf dem Dach liege oder die Beamten in einer Notsituation seien, betont der Landesmitarbeiter.

Die Polizei in Brandenburg stellt jetzt die ersten 28 so ausgestatteten Autos in Dienst. In einigen Jahren sollen Streifenwagen interaktiv sein. Auch die Behörden anderer Bundesländer interessieren sich dafür.  (wp)


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