Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/erste-android-n-version-im-test-google-schafft-eine-gute-basis-1603-119695.html    Veröffentlicht: 12.03.2016 07:46    Kurz-URL: https://glm.io/119695

Erste Android-N-Version im Test

Google schafft eine gute Basis

Die erste Developer Preview von Android N zeigt: Gerätehersteller werden es in Zukunft leichter haben. Google baut in sein Basis-Android endlich viele Funktionen ein, die es bisher nur durch Anpassungen auf Smartphones und Tablets gab.

Mit Android N führt Google den Weg fort, den es mit Android 6.0 alias Marshmallow begonnen hat: Viele Funktionen, die bisher nur in Herstelleranpassungen oder Custom-ROMs zu finden waren, werden in das Basis-Android eingefügt. Dazu zählen ein Mehrfenstermodus, neue Bedienungsmöglichkeiten bei eingegangenen Systembenachrichtigungen und Verbesserungen bei den Schnelleinstellungen.

Wir haben Android N auf einem Nexus 6P installiert und genau angeschaut. Einige der neuen Funktionen dürften vielen Android-Nutzern bekannt vorkommen - denn manche Gerätehersteller haben Android selbst angepasst, um es für den Nutzer besser bedienbar zu machen. Das holt Google jetzt auch im Basis-Android nach - mit Erfolg, wie wir finden.

Google hat in Android N die Funktionen rund um die Liste der zuletzt aufgerufenen Apps deutlich erweitert. Die Karten der einzelnen Apps wurden vergrößert und nutzen das Display jetzt besser aus. Der Quadrat-Knopf zum Aufrufen der Liste erhält eine neue Belegung. Bisher ist es so, dass er lediglich die Liste der zuletzt genutzten Apps öffnet und dann wieder schließt.

App-Wechsel auf Tastendruck

Wenn die Liste der zuletzt genutzten Apps geöffnet ist, blättert weiteres Tippen auf die Quadrat-Taste die einzelnen Karten durch. Der Nutzer kann dadurch unkomplizierter zwischen den Karten wechseln, natürlich ist weiterhin das Durchblättern mittels Touchscreen möglich. Wird mit dem Umschalten per Taste aufgehört, öffnet sich automatisch nach einigen Sekunden die App, die ganz oben im App-Stapel abgelegt ist.

Außerdem wird der Wechsel zwischen zwei Apps erleichtert: Mit einem Doppeltipp auf den Quadrat-Knopf wird direkt zwischen den beiden zuletzt verwendeten Apps gewechselt. Auf dem Startbildschirm wechselt ein Doppeltipp zur zuletzt verwendeten App. Der Startbildschirm wird dabei ignoriert, weil dieser nicht als App in der Liste auftaucht. Ärgerlicherweise hat Google noch immer keinen Befehl implementiert, um alle Apps in der Liste mit einem Mal zu entfernen.

Neuer Zweifensterbetrieb

Mit einem langen Druck auf den Quadrat-Knopf wird der neue Mehrfensterbetrieb in Android N aktiviert und kann so auch wieder abgeschaltet werden. Zumindest nennt Google dies Mehrfensterbetrieb - tatsächlich werden derzeit maximal zwei Apps nebeneinander angezeigt, womit der Begriff Zweifensterbetrieb passender wäre. Später soll Android N einmal beliebig viele Fenster unterstützen, die in der Größe verändert werden können. Wann die Funktion aktiviert wird, ist nicht bekannt.

Beim langen Druck auf den Quadrat-Knopf landet die gerade aktive App sofort in dem einen Bereich, während im zweiten Bereich die Liste der zuletzt aktiven Apps erscheint. Dabei stehen auch die oben genannten Durchschaltfunktionen bereit, allerdings wird die zuletzt aktive App nicht automatisch aktiviert, wenn das Umschalten beendet wurde.

Alternativ zum Knopfdruck kann der Zweifensterbetrieb auch aus der Liste der zuletzt aufgerufenen Apps heraus aktiviert werden, indem die gewünschte App in den oberen Displaybereich geschoben und abgelegt wird. Vom Startbildschirm aus kann der Zweifenstermodus nicht aktiviert werden.

Erleichterungen bei der Bedienung

Im Zweifensterbetrieb wird aus dem Quadrat-Icon eines mit zwei Kästchen - der Nutzer sieht also schnell, wenn dieser Modus aktiv ist. Weniger gut erkennbar ist, auf welchen der beiden Fensterbereiche sich die Berührungen der Navigationstasten beziehen. Damit Apps den neuen Zweifensterbetrieb fehlerfrei unterstützen können, sollten Entwickler ihre Apps entsprechend anpassen. Aber auch ohne diese Anpassungen funktionieren viele Anwendungen in unserem Test bereits prinzipiell. Die Mehrfensterfunktionen anderer Hersteller von Android-Geräten leiden oft darunter, dass nur ausgewählte Apps damit verwendet werden dürfen.

Die Trennlinie zwischen den beiden Bereichen kann verschoben werden, um den einen Bereich auf Kosten des anderen größer zu ziehen. Wir konnten Android N bislang nur auf einem Smartphone ausprobieren, auf dem der Nutzen der Funktion aufgrund des im Vergleich zu einem Tablet kleinen Displays beschränkt ist. Auf einem Tablet kann die Produktivität damit aber erheblich gesteigert werden.

Bequemes Kopieren zwischen Apps

Der Zweifensterbetrieb unterstützt das bequeme Kopieren von Texten zwischen zwei Apps: Wenn eine Textpassage markiert ist, kann sie in das andere Fenster verschoben werden. Noch arbeitet die Funktion nicht ganz reibungslos, aber das ist bei dem frühen Entwicklungsstand nicht weiter überraschend.

Weil Google den Zweifensterbetrieb fest in Android integriert, werden zukünftig mehr Apps diese neuen Möglichkeiten nutzen. Damit wird sich ein Mehrfensterbetrieb auch allgemein besser einsetzen lassen, denn auch bisher implementieren zwar etliche Anbieter von Android-Geräten solche Funktionen - unterstützt werden dabei aber oftmals nur wenige Apps, so dass der Nutzen beschränkt bleibt.

Auch eine Bild-in-Bild-Funktion soll es in Android N geben, diese ist aber der Android-TV-Plattform vorbehalten. Dabei wird eine App in ein 240 x 135 Pixel kleines Fenster gepackt. Damit erhalten Android-TV-Geräte eine von vielen Fernsehern bekannte Funktion, um in dem kleinen Fenster etwa ein Sportereignis zu verfolgen, während auf dem Hauptbildschirm etwas anderes angesehen wird oder etwa auf Webseiten gesurft wird.

Neue Schnelleinstellungsleiste

Android N bietet mehrere Verbesserungen in den Schnelleinstellungen: Jetzt gibt es eine neue Schnelleinstellungsleiste, in der zumindest fünf Symbole der Schnelleinstellungen im schnelleren Zugriff erreichbar sind. Die Leiste erscheint nach einem einfachen Fingerwisch von oben in das Display und wird oberhalb der Benachrichtigungen angezeigt. Standardmäßig können darüber WLAN sowie der Flugmodus umgeschaltet werden, und der Anwender sieht den Akkustand - allerdings ohne Prozentanzeige. Zu den weiteren Funktionen gehören die Taschenlampe und der Nicht-stören-Modus.

Der Nicht-stören-Button und das Akkusymbol öffnen nach einem Klick ein Untermenü mit weiteren Informationen und Optionen. Alle Symbole können auch länger gedrückt werden, dann öffnet sich - wie auch bisher schon - der entsprechende Eintrag in den Einstellungen, um die Funktion weitergehend konfigurieren zu können. Eine Besonderheit gibt es beim Symbol für die Taschenlampe: Ein langer Druck öffnet die Kamera-App. Das erscheint nur auf den ersten Blick etwas sonderbar, denn die Taschenlampenfunktion nutzt ja das Kameralicht und ist damit mit der Kamera verknüpft.

Mit einem nochmaligen Wisch von oben in das Display oder durch ein Tippen auf das Aufklappsymbol erscheinen das bisherige Menü mit allen Schnelleinstellungen und der Regler für die Displayhelligkeit. Die Schnelleinstellungsseite kann alternativ auch wie bisher mit einem einfachen Zweifingerfisch von oben in das Display geöffnet werden. Die Symbole sind größer als in der neuen Schnelleinstellungsleiste, die WLAN- und Bluetooth-Icons öffnen ein praktisches Untermenü mit zusätzlichen Einstellungen. Dadurch ist das Ein- und Ausschalten etwas mühseliger als bisher - hier kann die Schnelleinstellungsleiste aber eine sinnvolle Abhilfe sein.

Reihenfolge und Auswahl der Schnelleinstellungen konfigurierbar

Die Reihenfolge der Funktionen innerhalb der Schnelleinstellungen lässt sich endlich regulär verändern - noch mit Android 6.0 war dies nur über eine versteckte Funktion möglich. In Android N genügt ein Klick auf den Edit-Knopf und der Anwender kann die Reihenfolge und Menge der Schnelleinstellungen nach Belieben anpassen.

Die ersten fünf Schnelleinstellungssymbole erscheinen dabei immer in der oben genannten Schnelleinstellungsleiste. Das bedeutet, dass sich auch die Symbole in der Leiste nach Belieben verändern lassen. Die Basisschnelleinstellungen verteilen sich bei entsprechend vielen Einträgen jetzt auf zwei Seiten, die seitlich durchgeblättert werden können.

Viele Android-Anpassungen diverser Hersteller bieten schon lange die Möglichkeit, die Liste der Schnelleinstellungen zu verändern. Im Basis-Android wurde das zwar mit Android 6.0 im Grunde eingeführt, war aber nicht so offensichtlich implementiert wie in Android N.

Verbesserungen bei den Benachrichtigungen

Google hat bei Android N einiges an den Benachrichtigungen in der Statusleiste geändert. Bisher ließen sich beispielsweise E-Mails mit Gmail oder anderen Clients nur direkt im Benachrichtigungsmenü löschen, wenn exakt eine E-Mail angezeigt wurde. Sobald mehrere E-Mails eingingen, wurden diese gruppiert, Interaktionen mit den Benachrichtigungen waren dann nicht mehr möglich.

Auch in Android N werden Benachrichtigungen gruppiert, Nutzer können jetzt aber auf die einzelnen Elemente der Gruppierung zugreifen. Wenn mit dem Finger über die Sammelbenachrichtigung nach unten gewischt wird, werden die gruppierten Benachrichtigungen aufgefächert und einzeln angezeigt. Im Falle von Gmail erscheint zusätzlich die Empfangszeit der E-Mail - das ist aber noch nicht alles.

Gute Interaktion mit Benachrichtigungen

In einem zweiten Schritt können wir jetzt durch erneutes Wischen nach unten über eine der einzelnen E-Mail-Benachrichtigungen weitere Details einblenden. Dann erscheinen zusätzlich zum Absender und dem Betreff auch der Text der Nachricht sowie Schaltflächen zum direkten Archivieren, Löschen und Beantworten der E-Mail. Bis einschließlich Android 6.0 gab es derartige Schaltflächen ausschließlich bei einzelnen E-Mails, neben Gmail unter anderem auch bei Apps wie Outlook oder Inbox. Diese Neuerung steht auch Entwicklern für zur Integration in ihre Apps zur Verfügung.

Ziehen wir eine der Benachrichtigungen leicht nach links oder rechts, erscheint ein Einstellungsmenü. Hier können wir auswählen, wie und ob wir Benachrichtigungen der jeweiligen App erhalten wollen. So lassen sich für verschiedene Anwendungen die Benachrichtigungen stumm schalten, für andere hingegen nicht - das ist praktisch.

Bei Android N sollen sich mit Hilfe des Remote Input API Nachrichten von Dritthersteller-Apps direkt aus der Benachrichtigungszeile beantworten lassen. Bisher war dies unter anderem schon mit Hangouts möglich. Inwieweit sich diese bequeme Art und Weise der Beantwortung durchsetzt, hängt allerdings davon ab, ob App-Programmierer das nutzen.

Anrufe werden zentral blockiert

Android N erhält eine systemweite Möglichkeit, Anrufer zu blockieren. Unabhängig von der verwendeten Telefon-App sollen dann generell keine Anrufe oder Mitteilungen mehr von blockierten Nummern ankommen. Die betreffende Sperrliste wird im Google-Konto abgelegt, so dass diese bei einem Wechsel auf ein anderes Android-Gerät übertragen wird. Die Sperrliste kann nur von der vorinstallierten Telefon- und SMS-App bearbeitet werden - damit soll verhindert werden, dass andere Apps die Liste modifizieren können. Abseits der genannten Apps wären ansonsten nur Apps der Mobilfunknetzbetreiber in der Lage, die Sperrliste zu verändern.

Datensparfunktion und neue Einstellungen

In den Datenverbrauchsoptionen der Android-Einstellungen gibt es eine neue Einstellung namens Datenkomprimierung. Anders als die deutsche Übersetzung vermuten lässt, wird damit aber keine Komprimierung der übertragenen Daten aktiviert, sondern nur eine Datensparfunktion (Data Saver) eingeschaltet. Ziel der Option ist es, allgemein weniger Datenvolumen zu verbrauchen.

Wenn die Datensparfunktion aktiviert ist, werden alle Hintergrunddaten abgeschaltet. Außerdem erhalten alle Apps einen Hinweis, auch bei aktiver Nutzung so wenige Daten wie möglich zu übertragen. So könnte eine App etwa die Bildqualität reduzieren oder die Datenrate beim Streaming verringern. Außerdem ist denkbar, dass Apps etwas zurückhaltender dabei sind, Daten vorab zu laden.

Hier hängt es stark von der jeweiligen App ab, wie sich die Datensparfunktion auswirkt. Generell müssen Apps sie direkt unterstützen - bisher bieten das die meisten nicht an, so dass der praktische Nutzen noch unklar ist. Bei Aktivierung der Funktion sind standardmäßig die meisten Apps ausgewählt, der Nutzer kann aber gezielt einzelne Apps ausschließen.

Entwickler müssen ihre Apps anpassen

Wenn eine App bei eingeschalteter Datensparfunktion ausgenommen wurde, werden deren Hintergrunddaten zwar zugelassen, allerdings sind App-Entwickler dann dennoch aufgerufen, die Menge zu verringern.

Google sieht verschiedene Einsatzmöglichkeiten für die Datensparfunktion - etwa am Ende eines Abrechnungszeitraums, wenn das Datenvolumen gedrosselt wird. Sie soll auch sinnvoll sein, wenn sich der Anwender im Ausland aufhält und teure Roaming-Preise drohen. Zudem könnten davon Nutzer mit einem geringen monatlichen Datenvolumen profitieren. Grundsätzlich kann die Funktion aber von allen eingeschaltet werden, um das Datenvolumen vorsorglich zu schonen.

Verbesserte Einstellungen

Das Einstellungsmenü erhält in Android N eine Reihe von Verbesserungen, mit denen sich das Gerät allgemein komfortabler konfigurieren lässt. Auf der Übersichtsseite gibt es zu vielen Einträgen gleich auf den ersten Blick weitere Informationen zu speziellen Einstellungen. Dazu gehören der mobile Datenverbrauch, die Klingeltonlautstärke, die Menge der Apps, der belegte Speicher, der Akkustand mit geschätzter Restlaufzeit und weiteres. Nutzer können sich so besser orientieren und brauchen Menüpunkte für die gewünschten Informationen oft gar nicht mehr zu öffnen. Das finden wir eine sehr sinnvolle Optimierung.

Angenehm ist auch das neue Seitenmenü, das erscheint, sobald bei geöffneten Einstellungen von links in das Display gewischt wird und das alle Menüpunkte der Einstellungen enthält. Dadurch kann der Nutzer sehr bequem zu einem anderen Menüpunkt wechseln, ohne umständlich Schritt für Schritt zur obersten Ebene zurückzugehen.

Der obere Bereich der Einstellungen ist jetzt für priorisierte Mitteilungen reserviert. So gibt es hier etwa eine Warnung, wenn keine Displaysperre aktiv ist. Außerdem gibt es Hinweise bei aktiviertem Nicht-stören-Betrieb oder eingeschalteter Datensparfunktion, um diese ohne viel Sucherei ausschalten zu können.

dpi-Zahl verändern

In den Displayeinstellungen kann die dpi-Zahl des Betriebssystems ohne viel Aufwand angepasst werden. Der Menüpunkt nennt sich Anzeigegröße und stellt mit einem Schieberegler die gewünschte Skalierung ein. Je nach Wunsch lassen sich damit entweder mehr Informationen auf dem Display anzeigen oder aber größere, besser lesbare Inhalte.

In Android N gibt es in den Nutzereinstellungen einen neuen Notfallbildschirm. Hier kann der Gerätebesitzer seine Anschrift angeben und benennen, welche Kontakte bei einem Unfall benachrichtigt werden sollen. Außerdem können einige wichtige medizinische Daten hinterlegt, die bei Rettungseinsätzen relevant sein können. Diese erscheinen in der Vorabversion noch nicht auf dem Sperrbildschirm und müssen erst mühsam gesucht werden - womit sie nicht viel nützen. Möglicherweise ändert sich das in kommenden Versionen aber noch.

Der System UI Tuner ist wieder da

Der System UI Tuner ist auch bei Android N wieder Bestandteil des Betriebssystems. Wie bei Android 6.0 ist er zunächst versteckt - um die zusätzlichen Einstellungsmöglichkeiten zu aktivieren, bedarf es wieder eines kleinen Tricks: In den komplett ausgeklappten Schnelleinstellungen muss der Nutzer lange auf das Einstellungssymbol oben rechts klicken, um die System-UI-Tuner-Option in den Systemeinstellungen einzublenden.

Wird diese anschließend aktiviert und ein Warnhinweis gelesen, dass es sich hierbei um experimentelle Funktionen handelt, stehen uns einige weitere Einstellungen für verschiedene Systembereiche zur Verfügung.

So können wir das Aussehen der Statuszeile detailliert verändern, indem sich zahlreiche Icons ein- und ausblenden lassen. Die Symbole für WLAN, Bluetooth, den Wecker, Mobilfunkdaten und zahlreiche weitere Funktionen können beispielsweise ausgeblendet werden, so dass sich eine aufgeräumte Benachrichtigungszeile schaffen lässt.

Die Uhrzeit kann von der Standardversion mit Stunden und Minuten auch noch um Sekunden ergänzt werden. Beim Akkusymbol kann zusätzlich die Ladung in Prozent angezeigt werden - eine Funktion, die zahlreiche Herstelleroberflächen schon lange bieten. Zunächst etwas verwirrend ist die Einstellung "Bildschirm automatisch drehen": Hier wird per Icon angezeigt, in welcher Lage sich die Displaydrehung befindet, wenn der Nutzer die Auto-Rotation ausgeschaltet hat.

Unter dem zweiten Menüpunkt des System UI Tuners, "Farbe und Darstellung", können Nutzer über Rot-, Grün- und Blau-Regler die Farbwiedergabe des Displays ganz nach ihren Wünschen kalibrieren. Umständlich finden wir allerdings, dass die Änderungen nicht live angezeigt werden, sondern erst nachdem die neuen Einstellungen übernommen wurden. So gestaltet sich die Kalibrierung etwas fummelig.

Android N hat einen Nachtmodus

Unter "Farbe und Darstellung" können wir auch den Nachtmodus aktivieren. Dieser regelt je nach Standort und Tageszeit automatisch die Helligkeit und die Farbdarstellung. Ziel ist, dem Nutzer im Dunkeln das Lesen angenehmer zu machen. Dafür können unterschiedliche Optionen aktiviert werden: Zum einen kann Android N ab einer gewissen Uhrzeit automatisch auf ein dunkles Menüdesign wechseln - alle hellen Flächen werden dann schwarz.

Zum anderen kann das System abends die Displayhelligkeit weiter herunterregeln als standardmäßig. Als letzte Option steht eine Farbverschiebung in den Rotbereich zur Verfügung: Je später der Abend, desto rotstichiger wird der Bildschirm unseres Nexus 6P. Hintergrund sind verschiedene Studien, die blauem Licht am Abend eine schädliche Auswirkung auf das Schlafverhalten attestieren; der Rot eingefärbte Bildschirm soll dies verhindern.

In der Praxis funktioniert der Nachtmodus gut: Sobald es draußen anfängt zu dämmern, färbt sich das Display unseres Testgerätes langsam rot ein. Auch die zusätzliche Helligkeitsreduzierung bringt in schummrigen Umgebungen eine Menge - das merken wir, sobald wir die Option deaktivieren.



Verbesserter Akkuschonmodus

Das dritte Einstellungsmenü des System UI Tuners betrifft den Nicht-stören-Modus. Hier kann beispielsweise im Lautstärkeregler eine zusätzliche Schaltfläche eingeblendet werden, die alle Benachrichtigungen ausschaltet. Im letzten Menüpunkt "Weiteres" können noch drei weniger interessante Optionen aktiviert werden, unter anderem kann die Zeitbegrenzung beim Durchschalten der einzelnen Apps in der Übersicht der zuletzt genutzten Anwendungen deaktiviert werden.

Android N will die Akkulaufzeit verlängern

Der mit Android 6.0 eingeführte Doze-Modus wird von Google erweitert: Damit werden diverse Hintergrundaktivitäten blockiert, um allgemein eine längere Akkulaufzeit zu erreichen. In Android 6.0 ist es so, dass sich der Doze-Modus nur aktiviert, wenn das Display ausgeschaltet ist und das Smartphone nicht bewegt wird. Das ändert sich mit Android N: Der Doze-Modus aktiviert sich, sobald das Display abgeschaltet wird.

Der veränderte Doze-Modus deaktiviert im ersten Schritt den Netzwerkzugriff für alle Apps und deren im Hintergrund anstehende Aufgaben. Die zweite Stufe des Doze-Modus aktiviert sich wie bisher erst, wenn das Gerät außerdem nicht bewegt wird. Dann werden alle Wakelocks von Apps ignoriert, mit denen eine App dem System normalerweise mitteilt, dass das Gerät nicht in den Standby-Modus wechseln darf. Das Gerät verzichtet dann auf alle WLAN-Scans und schaltet die Ortungsfunktionen ab.

Stromsparmodus wird regelmäßig pausiert

Zwischendurch wird der Doze-Modus unterbrochen, damit Apps und Dienste regulär arbeiten, um etwa Daten empfangen zu können. Damit soll sichergestellt werden, dass der Anwender keine nennenswerten Einbußen bei der Nutzung mitbekommt und trotzdem eine verlängerte Akkulaufzeit erreicht wird. Wird ein Gerät intensiv mit eingeschaltetem Display verwendet, wird sich Doze nur geringfügig bemerkbar machen.

Verstecktes Spiel in Android N

Ob die genannten neuen Funktionen im fertigen Android N so enthalten sein oder noch verändert werden, ist derzeit nicht absehbar. Erst im dritten Quartal 2016 ist die fertige Version zu erwarten, und mit den künftigen Vorabversionen kann sich noch einiges ändern. In den kommenden Monaten sind weitere vier Developer Previews geplant - eine pro Monat.

Innerhalb von Android N versteckt sich ein Flappy-Bird-Klon. Wird mehrfach auf das Nummernfeld der Android-Version in den Einstellungen getippt, erscheint ein Android-N-Logo. Mit weiteren Klicks auf das Logo startet eine Variante des bekannten Spiels.

Wie wird Android N heißen?

Alle bisherigen Android-Hauptversionen tragen als Beinamen die Bezeichnungen von Süßspeisen. Seit einiger Zeit macht sich Google einen Spaß daraus, die entsprechenden Bezeichnungen möglichst lange geheim zu halten. Da Google bei den Beinamen nach Alphabet vorgeht, steht der Anfangsbuchstabe aber schon lange vorher fest. Unsere Vorschläge für die nächste Version: Android Nerds, Android Nougat oder Android Nutella. Welche Versionsnummer Android N letztlich tragen wird, ist noch nicht bekannt. Möglich wäre ein Sprung auf 7.0, aber auch 6.1 ist denkbar.



Verfügbarkeit und Fazit

Google hat die Entwicklerversion von Android N nur für aktuelle Nexus-Geräte veröffentlicht. Dazu gehören die Smartphones Nexus 6, Nexus 5X, Nexus 6P, die Tablets Nexus 9 und Pixel C sowie die Streamingbox Nexus Player. Neuerdings gibt es von Google auch ein Android Beta Programm, um einfacher als bisher die Vorabversionen von Android zu installieren.

Fazit

Die erste Vorabversion von Android N ist vielversprechend. Sie enthält eine Reihe sinnvoller neuer Funktionen, mit denen Android-Geräte komfortabler bedient werden können. Sehr hilfreich ist die neue Schnelleinstellungsleiste, mit der wichtige Einstellungen zügig erreicht werden können. Somit ist es nicht so problematisch, dass andere Optionen nicht mehr direkt aufgerufen werden können. Google reagiert damit auf einen Kritikpunkt, der seit Android 5.0 besteht.

Uns gefällt, dass sich die Reihenfolge und Auswahl der Schnelleinstellungen endlich ohne Kniffe verändern lässt. Hier hinkte das Basis-Android den Anpassungen der diversen Hersteller lange Jahre massiv hinterher. Auch der Zweifensterbetrieb ist bei so großen Smartphones wie dem Nexus 6 und dem Nexus 6P sowie den Nexus-Tablets eine überfällige Verbesserung. Die Gerätehersteller müssen damit keine eigenen Implementierungen mehr verwenden, und durch eine Standardisierung der Funktion wird es für App-Entwickler attraktiver, ihre Produkte anzupassen.

Mit den neuen Möglichkeiten bei den Benachrichtigungen geht Android N einen großen Schritt voran und hilft dabei, Aufgaben schneller zu erledigen. Voraussetzung ist aber auch hier, dass App-Entwickler es entsprechend unterstützen. Erfreulicherweise wird der Doze-Modus jetzt bereits aktiviert, wenn nur das Display abgeschaltet wird. Dadurch sollte sich die Akkulaufzeit im Standby-Betrieb massiv verlängern.

Die Neuerungen rund um die Liste der zuletzt aufgerufenen Apps sehen wir ebenfalls als positive Entwicklung. Es bleibt für uns aber unverständlich, dass sich diese Liste im Basis-Android noch immer nicht mit einem Knopfdruck bereinigen lässt. Wenn das auch in der fertigen Version von Android N nicht möglich ist, müssen die Gerätehersteller weiterhin eine eigene Lösung anbieten.

Android N lässt sich anhand der ersten Developer Preview in ihrem sehr frühen Entwicklungsstand noch nicht abschließend beurteilen. Aber die eingeschlagene Richtung sehen wir als sehr vielversprechend. Google räumt mit einigen Kritikpunkten am Basis-Android auf und reicht so manche schmerzlich vermisste Funktion nach.  (ip)


Verwandte Artikel:
Android N: Google vereinfacht Installation von Android-Vorabversionen   
(10.03.2016, https://glm.io/119664 )
Developer Preview: Google veröffentlicht erste Version von Android N   
(09.03.2016, https://glm.io/119661 )
Besseres Multitasking: Split-Screen-Modus soll in nächster Android-Version kommen   
(11.12.2015, https://glm.io/117950 )
Google: Alphaversion von Android P ist da   
(08.03.2018, https://glm.io/133218 )
Android: Samsung fehlt bei Googles Empfehlungen für Unternehmen   
(22.02.2018, https://glm.io/132919 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/