Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/arrow-drone-die-renndrohne-im-millenium-falcon-look-1603-119687.html    Veröffentlicht: 14.03.2016 11:58    Kurz-URL: https://glm.io/119687

Arrow Drone

Die Renndrohne im Millennium-Falcon-Look

Rasant wie die Formel 1, aber ohne Millionenetats: Drohnenrennen sollen Geschwindigkeit, Wettkampf und Adrenalin bieten. Das Berliner Unternehmen Arrow Drone liefert das nötige Zubehör - vom Campingstuhl einmal abgesehen.

Drohnenrennen sind ein rasanter Sport. "Er vereint Formel 1 und Gaming", schwärmt Josua Benner, Gründer von Arrow Drone, im Gespräch mit Golem.de: "Wenn vier, fünf Drohnen knapp an einem vorbeifliegen, dann ist das, als ob man in Monaco an der Rennstrecke steht."

Das Berliner Unternehmen baut, was dazu nötig ist - ohne dass der Racer dafür die in der Formel üblichen Millionenetats aufwenden muss: Die Quadrocopter 200 und 270 sind durchaus erschwinglich. Aber sie unterscheiden sich in einem wichtigen Punkt von den handelsüblichen Drohnen: "Das Besondere an unseren Drohnen ist, dass sie 3D-gedruckt werden", sagt Benner. So lassen sich die Drohnen besonders gut für Rennen anpassen.

Die Drohne flitzt über die Wiese

Dann führt Benner vor, was eine Racing-Drohne kann. Dazu hat er eine etwas unhandliche Brille aus Styropor, mit der es möglich ist, die Perspektive der Drohne einzunehmen. Das sei wie in einem virtuellen Cockpit, sagt Benner - und fliegt los. Unten saust die Wiese dahin. Eine Laterne und ein Baum fliegen vorbei. Ein kurzer Blick in den Himmel. Dann wieder Wiese. Die Geschwindigkeit ist beachtlich: Rund 80 km/h schnell fliegt die Arrow 200. Das größere Modell schafft sogar 150 km/h.

Während er die Drohne ihre Runden um die Wiese drehen lässt, hat Benner in einem Campingstuhl Platz genommen. Der sei neben Drohne, FPV-Brille und Fernsteuerung das wichtigste Accessoire des Racing-Drohnenpiloten, sagt er. Drohnenrennen, lästert einer von Benners Kollegen, sei Sport ohne Bewegung.

Damit die Zuschauer die Computer auf der Strecke unterscheiden können, haben sie ein Band aus farbigen Leuchtdioden (LED). Wenn die Drohne startet, sieht die ein wenig aus wie Han Solos Millennium Falke. Der Eindruck ist durchaus beabsichtigt: Dieser Anblick und das Pod-Rennen aus Star Wars Episode 1 haben die Entwickler inspiriert.

Das Startup in der Schaltzentrale

Entwickelt und gebaut werden die Drohnen im Westen von Berlin, in einer alten Schaltzentrale. Das Büro des kleinen Unternehmens hat so gar nichts von der Atmosphäre eines Hipster-Startups: Das Foyer des Gebäudes verströmt den diskreten Beton-Charme der 1960er und 1970er Jahre. An der Wand eine gläserne Vitrine mit Memorabilien aus einer der Partnerstädte Berlins. In der Ecke steht ein Informationsterminal mit einem Computer, der schon deutlich bessere Zeiten gesehen hat.

Das Büro ist ein riesiger, kahler Raum. Das sei praktisch, erzählt Benner. So könnten sie ihre Drohnen nämlich auch drinnen ausprobieren, bevor sie damit auf die Wiese hinter dem Gebäude gehen. In der Mitte des Raumes steht ein großer Schalttisch, darauf Fließbilder und Knöpfe. An der langen Wand dahinter: Skalen, die Messwerte aufzeichnen - auf Papierrollen. Zwischen dem Schalttisch und der Datenwand: einige fast leere Schreibtische, nur mit einem Laptop darauf. An der Stirnwand steht ein Regal mit Material - und zwei 3D-Druckern.

Die Drohne besteht aus Nylon ...

Auf einem der beiden 3D-Drucker entsteht gerade ein weiteres Teil für eine Drohne. Ungewöhnlich ist das Material, das Arrow Drone verwendet: zwei Platten aus Nylon. Das Material habe den Vorteil, dass es leicht und dennoch stabil und dehnbar sei, sagt Benner. Außerdem ist es deutlich günstiger als kohlefaserverstärkter Kunststoff, aus dem sonst oft die Drohnenchassis gefertigt werden.

Eine Platte für sich macht keinen sehr stabilen Eindruck - die ersten Entwürfe hätten sich einfach biegen lassen, sagt Benner. Zur Stabilisierung haben er und seine Kollegen dann eine Wabenstruktur auf das Werkstück gedruckt, das so mehr Steifigkeit erhält.

... und überlebt Abstürze

Auf der Grundplatte werden die Elektronik und der Akku befestigt. Dann werden die Platten gegeneinander verspannt. Zusammen mit einigen Schrauben ist das Chassis steif und dabei immer noch flexibel genug, um den einen oder anderen Crash unbeschadet zu überstehen. Besonders gefährdet ist die kleine Kamera, durch die der Pilot sieht, wo er hinfliegt, da sie an der Front sitzt. Sie ist etwas rückversetzt in einer Aussparung im Chassis, was sie beim Aufprall schützt.

3D-Drohnen und 3D-Drucker seien sein Hauptinteresse, erzählt Benner: Er hat zuvor beim Drohnenhersteller Ascending Technologies gearbeitet, wo er an der Entwicklung des Volocopters beteiligt war, eines bemannten Multicopters, danach beim 3D-Drucker-Hersteller Big Rep.

Arrow Drone lehrt fliegen

Arrow Drone will nicht einfach nur Drohnen verkaufen: Damit die Käufer damit auch verantwortungsvoll umgehen, will das Unternehmen sie entsprechend schulen: Zusammen mit dem Berliner Fablab wird es ab Mai Kurse anbieten. Dort sollen sich die Teilnehmer ihre Drohne selbst zusammenbauen. Außerdem lernen sie, das Unmanned Aerial Vehicle (UAV) zu fliegen sowie wichtige Bestimmungen zu beachten wie etwa Flugverbotszonen.

630 Euro kostet eine Rennausrüstung - mit Arrow 200, Fernsteuerung und FPV-Brille. Die größere Drohne ist knapp 300 Euro teurer. Dafür entwickelt das Unternehmen derzeit eine Halterung für eine Gopro-Kamera, damit der Copter auch zum Filmen eingesetzt werden kann. Die Drohnen können vorbestellt werden. Ausliefern will das Unternehmen sie ab April 2016.  (wp)


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