Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/shanghai-major-valves-chaos-turnier-1603-119618.html    Veröffentlicht: 08.03.2016 09:08    Kurz-URL: https://glm.io/119618

Shanghai Major

Valves Chaos-Turnier

Stream-Abbrüche, fehlende technische Ausstattung, ein gefeuerter Moderator und bestohlene Spieler: Valves Dota-2-Major-Turniere haben weniger durch spannende Spiele um 3 Millionen US-Dollar beeindruckt als durch ein Maximum an Fehlorganisation.

Valves Dota-2-Major-Turniere sollten viele spannende Spiele liefern - bei einem reibungslosen Ablauf und einem guten Preisgeld von insgesamt 3 Millionen US-Dollar. Eigentlich. Denn das E-Sport-Event in der Schanghaier Mercedes-Benz-Arena in der vergangenen Woche war ein absolutes Chaos-Turnier:

Die Probleme begannen bereits am ersten Tag des Turniers: Zahlreiche Stream-Abstürze und große Audioprobleme verdarben vielen Fans den Spaß am Zuschauen. Doch backstage ging noch einiges mehr schief. Die VIP-Rooms, in denen sich Caster und Spieler vorbereiten und nach den Spielen wieder entspannen können, waren nur mit Plastikstühlen und einem Spiegel ausgestattet. Das hätten die meisten Spieler noch verkraftet, hätten sie nicht ständig Probleme mit dem Internet gehabt. Richtig trainieren und sich einspielen konnten die Spieler am ersten Turniertag nur selten.

Noch am selben Tag gab es eine Spielverzögerung, weil die Tastatur des russischen Profispielers Roman "Ramses" Kushnarev verschlampt wurde und kein adäquater Ersatz gefunden werden konnte. Probleme mit der technischen Ausstattung hatten auch die Caster: Sie war einfach nicht vorhanden. Internetanschlüsse an den Tischen hatte die Produktionsfirma nicht zur Verfügung gestellt, deswegen zogen die Caster einfach selbst eine Internetleitung zu ihrem Tisch. Damit ging es ihnen besser als den russischen Caster-Kollegen: Diese hatten eine Zeit lang nicht mal einen Tisch zur Verfügung.

Das Publikum muss gehen

Durch die zahlreichen Verzögerungen dauerte der erste Turniertag deutlich länger als ursprünglich eingeplant, doch die Zuschauer vor Ort mussten trotzdem pünktlich die Halle verlassen. Um 21:30 Uhr Ortszeit erschien auf den Leinwänden der Hinweis, dass die verbleibenden Spiele nur noch online ausgetragen würden. Ohne die Jubelrufe der Fans mussten die Spieler also die verbleibende BO3-Serie abschließen.

Am zweiten Turniertag wurde es nicht besser: Große Verzögerungen, schlechte Audioqualität und Stream-Abstürze traten immer wieder auf. Aufsehen erregte auch immer wieder der Moderator James "2GD" Harding, der gerne mal vulgäre Witze während der Show erzählte. Valve gefiel das offenbar nicht; es kündigte Harding kurzerhand. In einem Statement auf Reddit teilte Gabe Newell das persönlich mit und bezeichnete Harding als "Arsch". Seine Sicht der Dinge stellte Harding in einem ausführlichen Statement dar. Auch die Produktionsfirma KeyTV wurde im Zuge dieser Entscheidung ausgetauscht - in der Hoffnung, dass die neue Produktion die Probleme mit dem Stream in den Griff bekommen würde.

Und dann waren die Notebooks weg

Den Umständen entsprechend reibungslos konnte mit der neuen Produktionsfirma das Turnier dann auch beendet werden. Und ein paar spannende Spiele bekamen die Zuschauer auch noch geboten. Etwa das Finale zwischen Team Secret und Team Liquid, das Ersteres für sich entscheiden konnte. Doch wer glaubt, mit dem Ende des Finales hätten auch die Probleme geendet, der liegt falsch.

Als die Teams am Tag nach dem Finale ihre selbst mitgebrachte Trainingsausstattung in den vom neuen Produktionsteam zur Verfügung gestellten Spielerräumen abbauen wollten, stellten sie fest, dass ihnen jemand zuvorgekommen war. Peripheriegeräte, Notebooks, zahlreiche Kleinteile und auch Autoschlüssel der Spieler und Teams waren einfach zusammen mit der Ausstattung der Produktionsfirma abgebaut und abtransportiert worden. Das mit diesem Vorgang beauftragte Marriott-Hotel hat sich bereits entschuldigt und versprochen, die entstandenen Schäden zu ersetzen.  (sw)


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