Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dark-souls-3-angespielt-miyazakis-toedliches-abschlusskonzert-1603-119478.html    Veröffentlicht: 01.03.2016 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/119478

Dark Souls 3 angespielt

Miyazakis tödliches Abschlusskonzert

Dark Souls 3 ist schneller, schwerer und anspruchsvoller als die Vorgänger - und dennoch bleibt vieles beim Alten. Golem.de hat das Action-Rollenspiel ausführlich angespielt und sich mit Serienschöpfer Hidetaka Miyazaki unterhalten.

Kaum sind wir fünf Minuten in der finsteren Welt von Lothric, stellt sich uns bereits der erste Boss-Gegner in den Weg: Iudex Gundyr, der Wächter des Stadttors, überragt unseren Assassinen um drei Köpfe und schwingt eine gewaltige Streitaxt. Wir weichen den Hieben des Kontrahenten flink aus und setzen selbst erste Wirkungstreffer.

Doch die Sicherheit ist trügerisch: Plötzlich mutiert der Riese, und sein Arm verwandelt sich in eine schlangenähnliche Monstrosität, die unseren Helden verschlingt und in hohem Bogen ausspuckt. Das ist allerdings nur der erste von vielen Bildschirmtoden, die wir beim Probespiel-Termin in Hamburg in vier Stunden mit Dark Souls 3 sterben werden.

Nachdem Hidetaka Miyazaki für Dark Souls 2 nur als Berater für seine Kollegen vom japanischen Entwickler From Software tätig war, übernimmt der Serienschöpfer im dritten Teil wieder die Leitung des Projekts. Gut so: Miyazakis Handschrift ist unverkennbar und geht einher mit einigen Gameplay-Veränderungen, die gerade Fans der frühen Souls-Teile erfreuen dürften.

Doch der Reihe nach. Zunächst bestätigt sich in der Anspiel-Session unser Ersteindruck von der Gamescom 2015: Dark Souls 3 spielt sich schneller als sein direkter Vorgänger. Es geht zwar längst nicht so gnadenlos in die Offensive wie Bloodborne, gewährt Spielern jedoch spürbar mehr Freiheiten als Dark Souls 2. Die Steuerung ist direkter, Ausweichbewegungen gewinnen an Bedeutung.

Darüber hinaus besitzen Waffen nun eigene Skills. Diese Spezialmanöver müssen wir selbst herausfinden, sie werden dann aber zu wichtigen Werkzeugen im Kampf gegen Ritter, Monster und andere Unholde. Der Standard-Schild etwa verfügt über die gestärkte "Parry"-Fähigkeit: Im richtigen Moment eingesetzt, blocken wir den feindlichen Angriff und betäuben den Widersacher für Sekundenbruchteile. Andere Waffen haben weitaus effektvollere Attacken und schleudern Gegner in die Luft oder erledigen sie mit nur einem Treffer.

"Wir wollten den Waffen mehr Bedeutung beimessen. Dadurch sollen Spieler ihre Ausrüstung an ihren Spielstil anpassen können", erklärt Hidetaka Miyazaki im Gespräch mit Golem.de. "Damit das Spiel aber nicht zu leicht wird, haben wir den Schwierigkeitsgrad im Zuge der Implementierung der Skills ebenfalls angezogen." From Software quält und motiviert Dark-Souls-Spieler also weiterhin.

Um die richtige Balance zwischen Frust und Lust zu finden, lädt das Entwicklerteam regelmäßig Tester in seine Tokioter Büros ein, betont Miyazaki. "Wann immer wir bestimmte Meilensteine in der Entwicklung erreicht haben, prüfen wir gewissenhaft unsere Spielbalance mit Unterstützung der Community."

Mittelalter-Abenteuer mit Déjà-vu-Effekt

In der Anfangsphase von Dark Souls 3 erkundet man die äußeren Bereiche der Stadt Lothric. Das Spiel basiert zwar auf der Grafik-Engine des Playstation-4-Titels Bloodborne, die Grafikdesigner setzen den visuellen Schwerpunkt diesmal allerdings anders. "Bloodborne war eher ein finsteres Gothic-Szenario. Dark Souls 3 dagegen ist im mittelalterlichen Fantasy-Sektor angesiedelt", sagt Miyazaki über die Unterschiede seiner Spiele.

Die Spielwelt wirkt zumindest in der ersten Stunde ungewohnt hell, ehe wir immer tiefer in die Abgründe des Molochs hinabsteigen. Die Areale sind verschachtelt, wirken aber längst nicht so schematisch angeordnet wie in Dark Souls 2. Vielmehr erscheint die offene Spielwelt homogener als zuvor und ist gespickt mit Abkürzungen, Fallen und Geheimnissen. Den roten Faden der Geschichte müssen wir erneut selbst suchen. Miyazaki verspricht zwar, die größten Fragen aufzulösen, hält sich aber ansonsten sehr bedeckt, was den Plot angeht.

Technisch beeindruckt das Action-Rollenspiel indes mit seiner konsequent umgesetzten Umgebungsphysik. Schwerter bleiben an Wänden hängen und das Waffen-Handling ist angenehm berechenbar. Hinzu kommen Detailverbesserungen wie zusätzliche Lichteffekte oder im Wind wehende Flaggen. Doch die ganz große Euphorie kommt angesichts der technischen Umsetzung bei uns noch nicht auf: Die moderaten Hardware-Anforderungen der PC-Version werden durch die hübsche, aber insgesamt unspektakuläre Umgebungsgrafik bestätigt.

Viele Gegnertypen - zum Beispiel Ritter - wurden aus den Vorgängern recycelt. Andere wiederum scheinen direkt aus Bloodborne importiert worden zu sein. In einem dörflichen Bereich etwa treffen wir auf mit Mistgabeln bewaffnete Bauern, die uns merkwürdig bekannt vorkommen.

Auch Charakter- und Inventarsystem bleiben unangetastet. Will heißen: Das Verteilen neuer Waffen und Ausrüstungsgegenstände ist weiterhin enorm umständlich. Charakter-Upgrades kaufen wir im "Schrein des Feuers" - einem sicheren Ort außerhalb Lothrics. Der Einsatz von Zweitwaffen wie Bögen oder Armbrüsten erfordert ebenfalls zu viele Klicks und kostet unnötig viel Zeit. Das Anlegen verschiedener Ausrüstungsschemata ist nicht möglich.

Dark Souls bleibt sich treu

Letztlich wird Dark Souls 3 offenbar genau das, was sich viele Fans gewünscht haben: eine Rückbesinnung auf die Stärken des ersten Teils, verbunden mit kleinen Verbesserungen des Kampfsystems. Spätestens als wir es mit dem dritten Boss - einem gigantisch mutierten Baummonster - zu tun bekommen, erwächst in uns die Gewissheit, dass Dark Souls 3 vor allem Spieler der ersten Stunde zurück ans Gamepad bringen soll.

Auch der Onlinemodus wird laut Miyazaki mit sechs Teilnehmern lediglich erweitert, bleibt aber grundsätzlich sehr ähnlich. Wir können also die Welten anderer Spieler infiltrieren oder ihnen im Koop-Modus unter die Arme greifen. Die bewährten Blutflecken und Geister sind ebenfalls mit von der Partie.

Unser Vorab-Fazit: Dark Souls 3 rückt wieder näher zum Ursprung der Serie - und wird damit Fans erneut in seinen Bann schlagen. Als Abschluss der Souls-Serie passt dieser Bezug auf die Wurzeln gut. Trotzdem könnte dem Action-Rollenspiel der Serienableger Bloodborne zum Verhängnis werden, der spielerisch und technisch mutiger umgesetzt wurde.

Dark Souls 3 erscheint laut Publisher Bandai Namco nach aktuellem Stand am 12. April 2016 für Windows-PC, Xbox One und die Playstation 4.  (bpfl)


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