Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/smart-bike-im-hands-on-carbon-rahmen-und-android-konsole-1602-119384.html    Veröffentlicht: 25.02.2016 10:44    Kurz-URL: https://glm.io/119384

Smart Bike im Hands on

Carbon-Rahmen und Android-Konsole

Smartphone- und Fahrradtechnik verbünden sich und heraus kommt ein Smart Bike. Das Fahrrad Le Syvrac vom chinesischen Hersteller LeEco beherrscht fast alles, was ein Smartphone kann - und noch mehr.

UMTS-Unterstützung, WLAN, Bluetooth und GPS-Empfänger: klingt wie ein Smartphone, ist aber ein Fahrrad. Der chinesische Hersteller LeEco hat auf dem Mobile World Congress 2016 in Barcelona Handelspartnern und Journalisten sein Modell Le Syvrac mit Android-Konsole gezeigt. Es ähnelt von der technischen Ausstattung her einem Smartphone.

Das Smart Bike hat eine zentrale Steuerungseinheit, die so ins Chassis eingebaut wurde, dass sie mittig im Lenker untergebracht ist. Damit kann der Radfahrer gut auf den 4 Zoll großen Touchscreen schauen. Auf dem Gerät läuft eine von LeEco angepasste Android-Version, die der Hersteller als Bike OS bezeichnet.

Der Startbildschirm ist ein digitaler Tacho, der die Geschwindigkeit, die zurückgelegte Strecke und ähnliche Informationen anzeigt. Aus dem Startbildschirm heraus sind die wichtigsten Funktionen direkt erreichbar, so etwa die Routenplanung, der Musikplayer oder die Statistik-App.

Android-Konsole übernimmt Aufgaben eines Smartphones

Darüber hinaus kann sich der Fahrer vom Rad einen Tourenvorschlag anbieten lassen, wenn das Ziel ist, einfach eine bestimmte Zeit oder Strecke zu fahren und dann wieder am Ausgangspunkt anzukommen. Das Bike OS wird über recht große Symbole gesteuert, um Fehlbedienungen zu verhindern. In den Einstellungen sind dann aber recht kleine Elemente vorhanden. Damit wird die Android-Konsole für Aufgaben verwendet, die sonst von Smartphones erledigt werden.

Die Android-Konsole beherbergt auch Lautsprecher, um bei der Fahrt Musik hören zu können. Alternativ dazu kann der Musik auch über ein Bluetooth-Headset gelauscht werden. Die eingebauten Lautsprecher machten beim Ausprobieren ordentlich Krach, neigten aber bei maximaler Lautstärke zu Verzerrungen. Die Lautstärke kann über passende Knöpfe am Lenker leiser und lauter gestellt werden.

Im Lenker befinden sich weitere Besonderheiten: So ist auf jeder Seite ein Blinker untergebracht, um einen Abbiegevorgang anzuzeigen. Außerdem befinden sich in den Lenkergriffen Pulssensoren, mit denen der Puls gemessen und zur Auswertung an die Android-Konsole übermittelt wird.

Fahrrad mit eingebautem Diebstahlschutz

Das Fahrrad hat vorne und hinten fest installierte Lampen und an den Seiten kann per Laserlicht eine Abstandslinie eingeblendet werden. Damit sollen andere Verkehrsteilnehmer dazu gebracht werden, dem Fahrradfahrer den nötigen Platz zu gewähren. Nicht fest installiert ist eine Kamera, die aber beim gezeigten Modell nicht funktionierte.

Abseits der Digitalisierung wurden Funktionen eingebaut, die für ein Fahrrad nicht unbedingt selbstverständlich sind: Das Rad wurde mit verschiedenen Diebstahlschutzkomponenten versehen. Per Knopfdruck wird es in den Parken-Modus versetzt. Dann wird das Hinterrad blockiert. Wird das Fahrrad bei aktiviertem Parken-Modus angehoben, ertönt ein Alarm, um Diebe abzuschrecken.

Bei dem gezeigten Modell gab es allerdings zur Aktivierung oder Abschaltung des Parken-Modus keinerlei Sicherheitsabfragen. Wie der Hersteller verhindern will, dass Diebe den Modus einfach deaktivieren, ist noch nicht klar.

Falls das Fahrrad abhandenkommt, soll der Besitzer es über GPS orten können. Das setzt aber voraus, dass die Android-Konsole noch mit Strom versorgt wird und den aktuellen Standort via Mobilfunk weiterreichen kann - falls der eingebaute Akku leer ist.

Bei normalem Gebrauch wird der Konsolenakku automatisch während der Fahrt geladen. Im Idealfall entleert sich der Akku bei der Fahrt also nicht. Das ist aber unter anderem abhängig davon, wie hell das Display ist. Je heller es ist, desto stärker ist die Akkubelastung. Der Hersteller nannte auf Nachfrage keine Akkulaufzeiten.

Die fest verbaute Android-Konsole kann alternativ via USB-Kabel aufgeladen werden. Allerdings muss der Nutzer dafür die Möglichkeit haben, das Rad in der Nähe einer Steckdose abzustellen, wenn es längere Zeit nicht benutzt wird. Denn bei längeren Standzeiten wird sich der Akku der Android-Konsole kontinuierlich entladen und am Ende abschalten.

Fahrradkomponenten von Shimano

Die Fahrradtechnik machte einen hochwertigen Eindruck. Der Rahmen besteht nach Herstellerangaben aus Carbon und Aluminium - damit soll das Gestell bei geringem Gewicht möglichst stabil sein. Das Gewicht wird vom Hersteller mit 12,5 Kilogramm angegeben. Bei der Fahrradtechnik setzt LeEco vielfach auf Bauteile von Shimano, einem führenden Hersteller von Fahrradkomponenten.

Bisher verkauft LeEco das Smart Bike Le Syvrac nach eigenen Angaben nur in China, wo es für umgerechnet rund 850 Euro zu haben sein soll. Derzeit ist nicht bekannt, ob das Fahrrad auch in Deutschland auf den Markt kommen wird.  (ip)


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