Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lg-360-vr-im-hands-on-lgs-abgespecktes-vr-erlebnis-1602-119337.html    Veröffentlicht: 23.02.2016 15:18    Kurz-URL: https://glm.io/119337

LG 360 VR im Hands on

LGs abgespecktes VR-Erlebnis

LGs erste VR-Brille ist ziemlich klein und leicht - ganz anders als die Headsets von Oculus und HTC. Dass die 360 VR trotzdem Spaß macht, hat sie im Hands on von Golem.de bewiesen. Mit der teuren Konkurrenz sollte man das Gerät aber nicht vergleichen.

LG hat auf dem Mobile World Congress (MWC) 2016 sein erstes Virtual-Reality-Headset vorgestellt: Das 360 VR ist als exklusives Zubehör für das neue Smartphone G5 gedacht und wird direkt mit einem Kabel an das Mobiltelefon angeschlossen.

Dabei ist die 360 VR eher eine Brille als ein Headset: LG hat das Gerät ordentlich abgespeckt. Mit 180 Gramm ist die Brille sehr leicht und zudem merklich kleiner als die Headsets von Oculus und HTC. Ob die VR-Brille etwas taugt, hat sich Golem.de in einem ersten Kurztest angeschaut.

Auffällig ist beim ersten Anfassen tatsächlich das Gewicht der 360 VR. Schauen wir uns die Brille genauer an, wird schnell deutlich, wo LG am Gewicht gespart hat: Die Displays sind mit 1,88 Zoll pro Auge eher klein, das Gestell ist aus Kunststoff und der Lichtschutz nur aufgesteckt. Dessen Material erinnert an das von iPad-Covern. Praktisch ist, dass sich die 360 VR wie eine Brille zusammenklappen lässt.

Eher eine Brille als ein Headset

Setzen wir die Brille auf, merken wir gleich die Unterschiede zu Oculus Rift, HTC Vive Pre und Samsung Gear VR: Anstelle fest auf dem Gesicht abzuschließen, sitzt die 360 VR tatsächlich eher wie eine Brille auf der Nase. Dementsprechend ist die Abschirmung vor Streulicht nicht so gut, schieben wir das Headset aber nah ans Gesicht, lässt sich damit leben.

Anders als bei anderen VR-Headsets können wir die Schärfe der beiden Linsen nicht von außen einstellen. Stattdessen müssen wir direkt an den Linsen drehen. Wollen wir dabei live kontrollieren, ob die Schärfe stimmt, müssen wir mit dem Finger am Lichtschutz vorbei unter die Brille fassen. Das ist fummelig, dürfte sich aber positiv auf den Preis der Brille auswirken. Benutzt nur ein Nutzer die 360 VR, sollte man diese Prozedur theoretisch auch nicht allzu häufig machen müssen.

Einstellung von Fokussierung und Augenabstand ist kompliziert

Den Augenabstand können wir in zwei Stufen pro Linse einstellen, insgesamt stehen also vier verschiedene Konstellationen für die Position der Linsen zur Verfügung. Auffällig ist bei dem auf der Messe gezeigten Gerät, dass die Fokussierung manchmal noch stockt - die Linse dreht sich dann nicht weiter. LG hatte auf seiner Pressekonferenz allerdings darauf hingewiesen, dass es sich bei der gezeigten 360 VR noch nicht um das fertige Gerät handelt, weshalb hier möglicherweise noch nachgearbeitet wird. Generell kam uns die Verarbeitung etwas unfertig vor.

Guter Bildeindruck

Der Bildeindruck hat uns hingegen gut gefallen: Die beiden LC-Displays haben jeweils eine Auflösung von 960 x 720 Pixeln, was bei der Größe der Bildschirme für ein scharfes Bild sorgt. Das Field of View (FOV), also der für den Träger einsehbare Bereich, beträgt 80 Grad; das virtuelle Bild wirkt LG zufolge wie ein 130-Zoll-Bildschirm in zwei Metern Entfernung.

Für 360-Grad-Videos ist diese Ausstattung absolut ausreichend: Wir konnten uns mit der 360 VR einige Videos anschauen, unter anderem einen Flug mit einem Kampfjet und Achterbahnfahrten in der Ich-Perspektive. Die Immersion ist dabei besser, als wir anfangs erwartet hätten. Spielen konnten wir mit der 360 VR nicht, hier dürften die Unterschiede im FOV, verglichen mit der Konkurrenz von Oculus, HTC und Samsung, deutlicher ausfallen.

Kopfhöreranschluss ja, Lautstärkewippe nein

Einen Kopfhörer können wir direkt an der Brille anschließen, um die Lautstärke zu regeln, müssen wir allerdings zum angeschlossenen LG G5 greifen. Das ist etwas umständlich, hat LG doch bereits zwei Eingabetasten an der 360 VR angebracht - einen OK- und einen Zurück-Button. Eine Lautstärkewippe hätte hier auch noch drin sein können.

Die Navigation erfolgt mit Hilfe der beiden Tasten und Kopfbewegungen, wie bei anderen VR-Headsets auch. Vom Hauptmenü lassen sich die verschiedenen Inhalte aufrufen; spielen wir einen Film ab, ruft der OK-Knopf das Abspielmenü auf. Wenn schon keine Lautstärkewippe am Gehäuse eingebaut wurde, hätten wir uns spätestens hier eine virtuelle Lautstärkeregelung gewünscht, wie sie Google etwa bei Youtube-Videos für das Cardboard einblendet.

Fazit

LGs erste VR-Brille hat uns gefallen: 360-Grad-Videos machen mit dem Headset Spaß, der Bildeindruck ist trotz begrenztem FOV und etwas mickrigem Lichtschutz gut. Mit den Headsets von Samsung, Oculus und HTC sollte die 360 VR aber nicht verglichen werden.

Zu unterschiedlich sind das Gehäusedesign und der gedachte Anwendungszweck: LGs Brille wird an ein Smartphone angeschlossen - für aufwendiges PC-Gaming, wie es etwa mit dem Oculus Rift möglich ist, ist das Gerät nicht gedacht. Eine Einschränkung ist zudem die Fixierung auf das LG G5 als aktuell einziges kompatibles Gerät, mit dem sich die 360 VR verbinden lässt.

Interessant wird, wie viel LG für das Headset verlangt. Sollte der Preis nicht allzu hoch sein, dürfte die 360 VR für G5-Besitzer ein interessantes Zusatzgerät sein.  (tk)


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