Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/aquaris-m10-ubuntu-edition-im-hands-on-bqs-tablet-bietet-eine-magere-convergence-1602-119311.html    Veröffentlicht: 22.02.2016 17:44    Kurz-URL: https://glm.io/119311

Aquaris M10 Ubuntu Edition im Hands-on

BQs Ubuntu-Tablet bietet eine magere Convergence

BQ und Canonical bringen mit dem Aquaris M10 Ubuntu Edition ein Tablet mit vollwertigem Ubuntu auf den Markt - überzeugen kann das Gerät uns aber nicht. Wie schon bei früheren Geräten spielt das Thema Performance eine entscheidende Rolle.

Mit dem Aquaris M10 Ubuntu Edition bringt Canonical zusammen mit dem spanischen Hersteller BQ ein weiteres Ubuntu-Gerät in den Handel. Die Besonderheit: Dank der Convergence-Funktion schaltet das Tablet von einem Mobil- auf einen Desktopmodus um, sobald ein Display, eine Tastatur oder eine Maus angeschlossen werden.

Dann lässt sich auf dem Gerät wie auf einem Desktop-PC arbeiten, das installierte Ubuntu entspricht einem vollwertigen Ubuntu 15.04. Auf dem Mobile World Congress (MWC) 2016 wurde das Aquaris M10 mit Ubuntu erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Golem.de hat sich das Tablet in einem ersten Kurztest angeschaut - und war von der Leistung mäßig begeistert.

Das 10,1-Zoll-Tablet Aquaris M10 wird bereits länger in einer Android-Version von BQ verkauft. Die Hardware der Ubuntu-Variante ist gleich: Der Bildschirm hat eine Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixeln, im Inneren arbeitet Mediateks MT8163A-Prozessor mit vier Kernen und einer Taktrate von 1,5 GHz. Der Flash-Speicher ist 16 GByte groß, der Arbeitsspeicher 2 GByte.

Hardware aus dem Mittelklassebereich

Diese Ausstattung im Mittelklassebereich beeinflusst die Performance des Ubuntu-Systems merklich: Bereits im Mobilmodus lässt sich die Benutzeroberfläche nicht flüssig bedienen. Besonders merken wir das im Browser, aber auch bei der Übersicht der geöffneten Apps. Hier ruckelt es gewaltig. Ein Hauptteil des mobilen Ubuntus sind die Scopes, also Seiten, auf denen Inhalte installierter Apps und von Webservices thematisch gesammelt und angezeigt werden.

Verbinden wir eine Bluetooth-Tastatur mit dem Aquaris M10, schaltet das Betriebssystem in den Desktopmodus um. Dies erkennen Nutzer unter anderem daran, dass die vormals bildschirmfüllenden Apps in kleinen, verschiebbaren Fenstern angezeigt werden. Das Tablet ist jetzt als vollwertiges Ubuntu-Gerät nutzbar - inklusive der Apps, die sich auch auf einem PC installieren lassen.

Ruckelnde Benutzeroberfläche macht keinen Spaß

Allerdings macht auch hier die Hardware-Ausstattung die Arbeit zu einem eher zweifelhaften Vergnügen: Selbst das Verschieben der Fenster mit der Maus erfolgt nicht ohne Ruckler, das gesamte Betriebssystem reagiert stellenweise träge. Der Mediatek-Prozessor schafft es zusammen mit dem Arbeitsspeicher nicht, für genügend Leistungsreserven zu sorgen. Daher stellen offenbar auch alltägliche Arbeiten eine Herausforderung für das Aquaris M10 dar.

Das ist schade - wir halten Ubuntus Convergence für eine gute Idee. Die Vorstellung, das Tablet einfach an einen Monitor anzuschließen und dann wie einen PC mit vollwertigem Ubuntu verwenden zu können, hat uns bereits bei Canonicals gescheitertem ersten Smartphone gefallen. Wie dies aber jetzt umgesetzt wurde, ist für uns im Alltag nur bedingt sinnvoll.

BQ kann leistungsfähige Geräte bauen

Dabei hat BQ mit dem neuen Smartphone Aquaris X5 Plus gezeigt, dass das Unternehmen durchaus Geräte mit ernstzunehmender Hardware und guter Verarbeitung bauen kann. Für die Außenwirkung und den künftigen Erfolg von Ubuntu auf Tablets wäre es sicherlich sinnvoller gewesen, auf ein potenteres System zu setzen.

Dies hätte aber die Entwicklung eines neuen Tablets erfordert, was zum einen Zeit kostet und zum anderen natürlich auch finanziell risikobehaftet ist. Aus der Sicht Canonicals ist es durchaus verständlich, dass das Unternehmen keine großen Risiken mit Ubuntu im mobilen Bereich eingehen will; Lust auf mehr macht das aktuelle Gerät aber nicht.

Fazit

Ubuntus Convergence auf Tablets funktioniert - nach Anschluss einer Tastatur schaltet das System zuverlässig vom mobilen Modus auf ein vollwertiges Ubuntu um, das sich anschließend wie an einem PC bedienen lässt. Die Möglichkeiten, die sich damit bieten, gefallen uns gut.

Nicht gut hingegen gefällt uns die Hardware des Aquaris M10. Das Tablet ist schlicht zu schwach, um Ubuntu wirklich flüssig darstellen zu können. Zwar ist das System bedienbar, Spaß macht es aber nicht. Canonical hätte sich einen Gefallen getan, auf potentere Hardware zu setzen, um zeigen zu können, dass Convergence aufgrund der vielfältigeren Möglichkeiten weitaus mehr bietet als Microsofts Continuum für Windows 10.

Laut BQ soll sich das Aquaris M10 Ubuntu Edition preislich am bisherigen Android-Modell orientieren - dieses kostet bei BQ aktuell 240 Euro. Für diesen Preis ist die Ubuntu-Variante eine nette Spielerei, als ernsthaftes Arbeitsgerät sehen wir das Tablet allerdings nicht.  (tk)


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