Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/far-cry-primal-im-test-zubran-brastra-1602-119298.html    Veröffentlicht: 22.02.2016 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/119298

Far Cry Primal im Test

"Zubran Brastra!"

"Gute Jagd, Bruder": Das bedeutet "Zubran Brasta" in der Steinzeitsprache von Far Cry Primal - und tatsächlich entpuppt sich der Ausflug in die Frühgeschichte als spannendes Abenteuer in einer schönen Welt. Schade nur, dass wir schon nach kurzer Zeit wieder als Ein-Mann-Armee unterwegs sind.

Eigentlich tut uns das Babymammut leid. Aber eine Alternative zur Jagd haben wir nicht: Tiefkühlpizza und Drive-in werden schließlich erst in zehntausend Jahren erfunden. Also schleudern wir in Far Cry Primal einen Speer in Richtung des von seiner Herde getrennten Jungtieres, das wenig später tot auf der Seite liegt. Dann allerdings hat ein anderes Lebewesen kein Mitleid - mit uns! Ein Säbelzahntiger springt mitten in unseren Trupp aus Jägern. Mit letzter Kraft können wir uns retten, aber dafür stehen wir dann ganz allein in der Steinzeit.

Der jüngste Teil der Actionserie von Ubisoft Montreal versetzt uns als Jäger und Sammler namens Takkar in ein riesiges mitteleuropäisches Gebiet namens Oros. Wir sind Mitglied eines fast ausgelöschten und versprengten Stammes namens Wenja und müssen uns gegen zwei andere Clans durchsetzten - oder mit ihnen kooperieren.

Da sind die Udam-Kannibalen und die Izila, die es zu besonderer Meisterschaft im Umgang mit dem Feuer gebracht haben. Der vor allem, aber nicht nur in martialischen Schlachten ausgetragene Kampf der Stämme und der allmähliche Aufbau unseres eigenen steht im Mittelpunkt der Handlung, die in aufwendigen Zwischensequenzen erzählt wird und langfristig interessant ist.

Alle Protagonisten sprechen in einer - laut Publisher Ubisoft - von Wissenschaftlern rekonstruierten proto-indo-europäischen Sprache. Auch sonst gibt sich Far Cry Primal mit Höhlenmalereien und Stammesriten viel Mühe, uns einen Einblick in die mutmaßlichen Lebensbedingungen der damaligen Zeit zu gewähren. In unserem Lager lernen wir etwa eine Sammlerin und einen Schamanen kennen, die uns von den Göttern und der Welt erzählen - und natürlich auch Aufträge für uns haben.

Wer die letzten Far-Cry-Spiele kennt, wird sich in Primal praktisch sofort zurechtfinden. Das Menü und das automatisch mitzeichnende Kartensystem sind im Großen und Ganzen unverändert aus dem Vorgänger übernommen. Auch das sehr simple Herstellen von Taschen aus Leder sowie das Anfertigen von Ausrüstung aus allerlei sonstigen gesammelten Pflanzen und Steinen ist vom ersten Moment an nachvollziehbar.

Durchs Tal teleportieren

Um unseren Einflussbereich auszudehnen und Schnellreisepunkte freizuschalten, müssen wir kleine Siedlungen einnehmen und dort ein großes Feuer entzünden. Das funktioniert, wie so vieles, auch in der virtuellen Steinzeit mit einem simplen Knopfdruck.

Noch viel unrealistischer sind allerdings die Möglichkeiten, mit denen wir im Spielverlauf vom einfachen Knochenschwinger zum Bestienmeister werden. Unser Dorfschamane gibt uns schon früh im Spiel die Fähigkeit, eine Eule am Himmel fernzusteuern. Mit dem Federvieh können wir - wie mit einer Drohne - die Umgebung aufklären, feindliche Krieger markieren und in späteren Ausbaustufen sogar Luftangriffe durchführen.

Riesige Welt und das Fazit

Nach und nach dürfen wir immer weitere Tiere zähmen. Dazu müssen wir beispielsweise einen Wolf nur mit einem abgeworfenen Fleischköder ablenken, der Rest erfolgt dann auf Knopfdruck mit ein paar "magischen" Handbewegungen. Dann folgt uns die Fellnase und lässt sich (ebenfalls mit einem Knopfdruck) etwa auf feindliche Krieger hetzen, mit denen sie meist relativ kurzen Prozess macht. Primal ist dadurch in den niedrigen der beiden Schwierigkeitsgrade recht einfach - erfahrene Spieler sollten also überlegen, ob sie nicht einen der oberen wählen.

Für getötete Krieger und absolvierte Aufgaben gibt es Erfahrungspunkte, die wir über das Rollenspiel in den Ausbau unserer Fähigkeiten stecken. Damit können wir unsere Bestienmeister-Fähigkeiten verbessern, uns mehr Gesundheitspunkte oder schnellere Heilung verschaffen sowie sammelbare Gegenstände auf der Karte anzeigen lassen.

Das Spiel basiert wie die Vorgänger auf der Dunia Engine 2. Grafisch gefällt es uns in der zum Test vorliegenden Playstation-4-Fassung noch einen Zacken besser als Teil 4. Flora und Fauna sehen beeindruckend aus, die Licht- und Schatteneffekte etwa bei einem Sonnenuntergang sind sehenswert, und zumindest uns sind fast gar keine der kleinen Grafikfehlerchen aus den Vorgängern ausgefallen. Die riesige Spielwelt mit Höhlen, Flüssen und tollen Bergtälern wirkt wie aus einem Guss und bietet sehr viel Raum für Entdeckungen.

Far Cry Primal erscheint am 23. Februar 2016 für Playstation 4 und Xbox One (rund 70 Euro) und am 1. März 2016 für Windows-PC (rund 60 Euro). Die PC-Fassung benötigt in jedem Fall eine Authentifizierung bei Uplay - also auch dann, wenn sie als Download bei Steam gekauft wird. Primal enthält ausschließlich die Pseudo-Steinzeit-Sprachausgabe. Die Bildschirmtexte und Untertitel sind in mehrere Sprachen verfügbar, darunter auch Deutsch. Einen Multiplayermodus gibt es nicht. Die USK hat dem ungeschnittenen Programm eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Wir vermissen weder Maschinenpistolen noch den Raketenwerfer! Eine der Stärken von Far Cry Primal ist zumindest am Anfang, dass wir ohne Hightech-Kampfausrüstung tatsächlich am unteren Ende der Nahrungskette stehen und nur mit der Keule sowie mit Pfeil und Bogen um unser Überleben kämpfen. Es ist ziemlich spannend, so in der Steinzeit unterwegs zu sein. Die gelungene Handlung vermittelt außerdem einen spannenden Einblick in das mutmaßliche Gefühlsleben der damaligen Menschen.

Schade: Wer primär am Abstecher in die Vergangenheit interessiert ist, wird langfristig enttäuscht. Die Entwickler haben letztlich doch ein typisches Far Cry abgeliefert, in dem wir dank immer stärkerer Waffen und der Zauberkräfte, vor allem aber wegen der beschwörbaren Tiere bald als Steinzeit-Superman unterwegs sind. Das Spielgefühl unterscheidet sich dann erstaunlich wenig von den Serienvorgängern. Wer die mochte, kommt in der Welt von Primal allerdings erneut auf seine Kosten.  (ps)


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